merken

Nur nicht kleckern

Wandschutz ist ihr Ding. Nancy Nielsen macht es dem Schmutz schwer. Das ist nun sogar preisverdächtig.

© René Meinig

Von Jana Mundus

Anzeige
Advent, Advent die Preise brennen

Unsere Advent-Coupons für Sie: Unschlagbare Rabatte und die besten Angebote in der Adventszeit für Löbau und Zittau.

Die Nerven liegen blank. Die letzten Minuten vor ihrem Auftritt ist Nancy Nielsen ganz still. Ob sie das kann, fragt sie sich immer wieder. Vor einem Millionenpublikum über ihre Probleme als Unternehmerin sprechen. Das war im September 2017. Das ZDF hatte Nancy Nielsen zur Sendung „Wie geht‘s Deutschland?“ eingeladen, Einstimmung auf die Bundestagswahl. Dann gehen die Kameras an, in einem kurzen Beitrag wird ihre Firma Wandschutz Nielsen vorgestellt, danach Auftritt Nancy Nielsen – und dann sagt sie allen die Meinung. Sachlich, ernst, mitreißend. Und alle hören zu: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesjustizminister Heiko Maas, Linken-Vorsitzende Katja Kipping oder auch Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Die Sendung hat ihr Leben ganz schön durcheinandergewirbelt. Der Deutschlandfunk interviewte sie, der Spiegel schreibt bald über sie. Nun ist Nancy Nielsen erstmals für einen Preis nominiert – für den neuen Unternehmerinnenpreis Adelie, der am Freitag in Dresden vergeben wird. Wieder Nervenflattern.

„Ich bin ehrlich, ich will schon gern gewinnen“, sagt Nancy Nielsen. Sie sei schon immer ehrgeizig gewesen. Dabeisein ist vielleicht alles, aber Gewinnen noch schöner. Sie braucht den Sieg aber nicht fürs Ego, sie will lernen. Als Gewinn gibt es zusätzlich zum Award aus Glas Beratung von Profis aus der Wirtschaft, die es geschafft haben, erfolgreich sind. „Von denen würde ich mir gern etwas abgucken.“

Den Geschäftssinn hatte sie schon als Kind. Als im elterlichen Garten in einem Sommer üppig Gurken wachsen, stellt sie sich mit einem Korb im heimatlichen Bad Lobenstein in Thüringen auf den Markt. „Beim Kuchenbasar bei der Patenbrigade habe ich meinen Kuchen für zwei Mark das Stück verkauft, dabei hatte meine Mama den etwas anbrennen lassen.“ Als die Eltern nach der Wende eine Firma für Wandschutz aufbauen, ist sie oft dabei. Bei Kundengesprächen, bei der Montage, im Büro. „Für mich war immer klar, dass ich das später auch machen will.“

Doch der Papa ist skeptisch. Auch wenn es die eigene Tochter ist – kann eine Frau die Firma übernehmen? Ist sie der Verantwortung für die Mitarbeiter gewachsen? Sie überzeugt durch Einsatz, macht erst eine Ausbildung und studiert dann noch Betriebswirtschaftslehre. Ab 2010 übernimmt sie unter dem neuen Namen „Wandschutz Nielsen“ Stück für Stück den Betrieb in Bad Lobenstein. Die Maschinen kauft sie ihrem Vater ab.

„Ich habe Wandschutz in den Adern“, sagt die 38-Jährige und lacht. Stimmt schon irgendwie. Überall dort, wo Wände dreckig oder beschädigt werden können, funktionieren die Kunststoffplatten. Bisher gehörten zu Nancy Nielsens Kunden vor allem öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altenpflegeheime, Kitas oder Schulen. Weil diese vor allem auch im Raum Dresden zu finden sind, eröffnete sie eine Niederlassung in der Landeshauptstadt. Die gute Beziehung zur Stadt kommt nicht von ungefähr. „Meine Mama hat hier gelebt und meine Schwester ist hier geboren.“ Ihre Mission für die nächsten Jahre: Sie will den Wandschutz auch verstärkt für Privatleute anbieten. Statt Fliesenspiegel in der Küche abwischbare Kunststoffplatten. Mit maximal drei Metern Länge werden diese produziert, wird mehr gebraucht, sorgt eine spezielle Technik dafür, dass die Übergänge nicht zu sehen sind. Bald soll ein neuer Online-Shop folgen. „Ich will das Amazon des Wandschutzes werden“, sagt sie selbstbewusst.

Ihr Job heißt Spaß, aber auch wenig Zeit für anderes. Sie pendelt oft zwischen Dresden und Bad Lobenstein. Schon länger ist sie alleinerziehend, hat einen zehnjährigen Sohn. „Ohne die Hilfe meiner Eltern und des Vaters meines Sohnes wäre mein berufliches Leben gar nicht möglich“, sagt sie. Wenn es zeitlich gar nicht anders geht, nimmt sie ihren Sohn mit zu Kundengesprächen. So wie einst sie selbst mit dem Vater unterwegs war. Ob der Sohn irgendwann ins Unternehmen einsteigt? „Das wäre natürlich toll, aber zwingen würde ich ihn nicht.“ Sie weiß nur allzu gut um die Sorgen als Unternehmerin. Um die Angst, nicht mehr genug Aufträge für die acht Mitarbeiter zu haben. Also hängt sich Nancy Nielsen weiter rein, steht nicht still. „Es gibt keinen Alternativplan. Wenn ich die Firma gegen die Wand fahre, lege ich mich auf die Couch und lese mal wieder ein Buch.“ Doch das wird wohl nicht passieren. Dafür ist sie zu ehrgeizig.

www.wandschutz-nielsen-shop.de

www.adelie-award.de