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Nur noch ein einsamer Wolf

Das 2012 aufgetauchte Rudel im Hohwald gibt es nicht mehr. Warum die Tiere verschwunden sind, beschäftigt nun Experten.

© dpa

Von Katarina Gust

Es war eine Sensation, damals im Herbst 2013. Vier Wölfe tappten in eine private Fotofalle bei Neustadt. Aufgenommen wurden die Bilder nahe einem Wäldchen zwischen dem Valter in Niederottendorf und Bischofswerda. Die Fotos belegen den nächtlichen Streifzug eines Wolfsrudels am Rande des Hohwalds. Bereits im Sommer 2012 hatte sich ein Paar dort angesiedelt. Zweimal sollen die Wölfe Nachwuchs bekommen haben.

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Doch nun steht fest: Das Rudel gibt es nicht mehr. Nur noch ein einzelner Wolf soll zwischen Neustadt und Neukirch leben. Darüber informiert das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz. Die neue Erkenntnis basiert auf Monitoringdaten des Wildbiologischen Büros Lupus, das die Wölfe in Sachsen seit Jahren beobachtet und zählt. Die jüngsten Daten lassen den Schluss zu, dass das Hohwald-Rudel nicht mehr existiert. „Es konnte anhand der Daten immer nur ein Wolf nachgewiesen werden“, erklärt Helene Möslinger, Mitarbeiterin im Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz.

Die Wolfsexperten sammelten Informationen aus Sichtungen und werteten Bilder von Fotofallen aus. Auch Kotfunde und Spuren wurden untersucht. Das Ergebnis sei eindeutig: Im Hohwald lebe nur noch ein Tier. Hinweise auf mehrere Wölfe oder gar Welpen gab es in jüngster Zeit keine. Warum das Rudel geschrumpft ist, diese Frage können selbst die Experten schwer beantworten. Die Ursache sei noch unbekannt. „Für ein Rudel ist diese Entwicklung sehr ungewöhnlich“, sagt Helene Möslinger. Der Hohwald als Wolfsterritorium sei weit entfernt von den anderen Rudeln in der Lausitz. Die Tiere hätten deshalb keinen Druck von anderen Rudeln aus dem direkten Umfeld gespürt. Auch an dem Areal zwischen Neustadt und Neukirch könnte es nicht liegen. Das Gebiet sei groß genug für ein Rudel. „Auch die Lebensbedingungen dort sind ideal“, sagt Möslinger.

Sie hält es für unwahrscheinlich, dass ein Rudel das Territorium wechselt und nach einer gewissen Zeit umsiedelt. Solch ein Verhalten sei bei Wölfen noch nicht beobachtet worden. „Die Elterntiere bleiben ihrem Territorium treu“, sagt sie. Nur die Jungtiere würden sich ab einem gewissen Alter abnabeln und sich ein eigenes Gebiet suchen.

Die Frage nach dem Warum wird die Experten noch mehrere Monate beschäftigen. Sie gehen der Ursache auf den Grund. „Ende April hoffen wir, mehr zu wissen“, kündigt Helene Möslinger vom Wolfsbüro an. Da endet das aktuelle Beobachtungsjahr. Erst danach könne eine abschließende Bewertung – auch für den Hohwald – abgegeben werden.

Rehe suchen Schutz auf Schafkoppel

Die Neuigkeiten haben sich auch schon unter Landwirten und Tierzüchtern herumgesprochen. Schäfermeister Manfred Horn aus Berthelsdorf bei Neustadt, der schon mehrere Schafe nachweislich durch Wolfsrisse verloren hat, ist jedoch skeptisch. „Ich glaube nicht, dass es nur noch einen Wolf im Hohwald gibt“, sagt er. Seit der Wolf zurück sei, hätte sich das Leben im Wald gravierend verändert. „Die indirekte Schädigung durch den Wolf ist groß“, sagt Manfred Horn. Das spürt er beinahe täglich. Regelmäßig entdeckt er bei seinen Kontrollgängen Rehe, die sich auf seine Schafkoppeln geflüchtet haben. Die Tiere würden Schutz suchen hinter den Zäunen. „Die Rehe sind unruhig, früher war das nicht so“, sagt er. Schuld daran sei der Wolf.

Die Reh-Besuche bereiten Manfred Horn Probleme. Denn die Tiere würden bei ihrem Sprung über den Weidezaun manchen kaputt machen. „Als Schutz vor dem Wolf habe ich über den Zäunen zusätzlich ein Flatterband angebracht. Das macht den Zaun noch höher. Für Rehe wird das jedoch zur Falle“, schildert der Schafzüchter. Die Tiere würden sich verheddern und die Netze einreißen. Horn müsste die Schäden dann reparieren. Das sei jedoch eine der geringeren Sorgen. „Schlimmer ist, dass die Koppel dann nicht mehr geschützt ist“, sagt er. Seine Schafe würden zwar auf der Weide bleiben. Ein kaputtes Netz sei dann aber eine Einladung für jeden Wolf.