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Nur noch leiser Alarm?

Zwei Kommunen im Landkreis haben keine Sirenen mehr. Vielleicht kommen sie wieder.

© Matthias Schumann

Von Ines Scholze-Luft

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Landkreis Meißen. Etwa 150 Einsätze – jetzt allein fast 40 wegen des Sturmtiefs Friederike – fährt die Coswiger Feuerwehr pro Jahr. Und was ist dabei das Wichtigste? Dass die Feuerwehrleute Bescheid wissen, um schnellstens am Gerätehaus zu sein. Per Piepser. Müssen da noch alle anderen aus dem Schlaf gerissen werden?, fragt Ordnungsamtsleiter Olaf Lier.

Auch deshalb hat die Stadt keine Sirenen mehr. Coswig und Radebeul sind sirenenlos, zwei von 28 Kommunen im Kreis. Dafür, dass die Einsatzkräfte trotzdem fix am Fahrzeug sind, sorgen digitale Funkmeldeempfänger – im Volksmund Piepser. Alle Ortsfeuerwehren, auch die Sirenenbesitzer, werden so alarmiert, sagt Ronald Voigt vom Landratsamt, verantwortlich für den Katastrophenschutz. Wobei die Sirenen ebenfalls mit digitalen Funkmeldeempfängern zum Auslösen über die Leitstelle Dresden ausgestattet sind.

Olaf Lier ist sicher, dass Sirenen in Coswig keinen Sinn mehr hätten. Anders sehe das in Gemeinden aus, in denen größere, flächendeckende Gefährdungen bestehen. Im Gebirge beispielsweise, an Talsperren, in der Nähe eines Chemiebetriebes. Dazu kommt, dass Sirenen Unterhaltskosten verursachen. Und dass kaum jemand weiß, was die jeweiligen Signale bedeuten. Was ist, wenn es dreimal heult? Oder fünfmal?

Unter anderem deshalb hat Coswig beschlossen, sich auf die Piepser zu konzentrieren – und für die Bevölkerung auf Lautsprecherdurchsagen. Das funktioniert auch in Radebeul, sagt Stadtwehrchef Roland Fährmann. Und erinnert an die Elbfluten, als mittels Lautsprecher informiert wurde. Von den Sirenen hat sich die Stadt lange getrennt. Wobei die Geräte durchaus Vorteile haben, erklärt Fährmann. Vor allem im ländlichen Gebiet. Weil die Leute dann wissen, das könnte einer von der Wehr sein, der da vorbeibraust. Oder weil die Nachbarn sich untereinander aufmerksam machen können, falls einer einen Alarm verpasst.

Ein Vorteil auch aus Sicht des Radeburger Wehrleiters. Marcus Mambk sagt, wenn jemand im Sommer, leicht bekleidet, ohne Piepser im Garten arbeitet, weiß er beim Sirenenton sofort Bescheid. Neun Sirenen hat die Stadt, etwa 120 Euro pro Sirene kostet die Wartung jährlich.

Zusätzlich gibt es für Feuerwehrmänner, die das wollen, die Handy-Alarmierung. Für Mambk bleibt der Piepser die sicherste Variante. Weil das Handynetz ebenso ausfallen kann wie der Strom für die alten Motorsirenen. – Die Kommunen entscheiden selbst über das System fürs Alarmieren der Wehren. Die Kosten zum Beschaffen von Sirenen und Funkmeldeempfängern müssen sie tragen. Erneuerungen fördert der Freistaat, sagt Kreis-Katastrophenschützer Ronald Voigt. In der Regel werden Motorsirenen durch neue elektronische Sirenen ersetzt. Denn die funktionieren auch bei Stromausfall etwa eine Woche. Die Kosten für eine neue Sirene belaufen sich je nach Ausstattungsgrad auf rund 10 000 Euro.

Katastrophen-Warnung funktioniert auch über die Bevölkerungswarn- und Info-App Biwapp, das Warnsystem Nina, Radio und Fernsehen, sagt Ronald Voigt. Möglicherweise aber kommt für sirenenlose Kommunen eine Renaissance der Geräte. Der Freistaat strebe an, dass sie sich wieder welche zulegen, sagt Fährmann. Das müsse anhand des Brandschutzbedarfsplans diskutiert werden. Das Innenministerium hat schon mal landeseinheitliche Sirenensignale festgelegt. Und ein Merkblatt mit Signalen und Verhaltensregeln veröffentlicht.

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