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Nur Pote trifft für Dynamo

Die Dresdner geben vor einer Minuskulisse gegen 1860 München eine 2:1-Führung aus der Hand.

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Von Sven Geisler und Daniel Klein

Spiele mit ausgesperrten Zuschauern kann Dynamo nicht verlieren. Fünf Partien vor leeren oder halbleeren Rängen mussten die Schwarz-Gelben seit 2005 bestreiten, ohne Punkt gingen sie nie vom Platz. Die Serie hielt auch nach dem gestrigen Duell gegen 1860 München, das laut einem DFB-Urteil maximal 16000 Fans sehen durften. Das 2:2 (1:1) hätte mehr Augenzeugen verdient gehabt als die 9772, die sich im Glücksgas-Stadion verloren. Die sahen vier Tore und eine phasenweise sehr ansehnlich kombinierende Dynamo-Mannschaft, die aber ihre Überlegenheit nicht nutzen konnte und durch leichte Fehler zwei Zähler verschenkte.

„Das sind zwei verlorene Punkte“, sagte Linksverteidiger Sebastian Schuppan. „Wir haben das Spiel bestimmt, uns aber in der entscheidenden Situation selten dumm angestellt. Das ist sehr, sehr, sehr ärgerlich.“ Er meinte die Situation, die zum 2:2 führte. Einen Freistoß der Dresdner hatte Guillermo Vallori per Kopf abgefangen, der eingewechselte Daniel Halfar sich auf der linken Seite durchgesetzt und Daniel Bierofka per Direktabnahme verwandelt.

Sportchef Steffen Menze nannte das Naivität: „Zum einen ist Micka Pote noch verletzt draußen, wir sind ein Mann weniger. In der Situation hätte man den Ball in den eigenen Reihen halten sollen statt die Chance auf den Torerfolg zu suchen.“ Auch Kapitän Robert Koch war enttäuscht: „Wenn du vorn einen Standard hast, besteht immer die Gefahr, dass daraus ein Konter entsteht. Aber wir müssen nach dem abgewehrten Ball mehr Druck auf den Gegner erzeugen, zur Not ein taktisches Foul machen, auch eine Gelbe Karte in Kauf nehmen.“

Die Dresdner liefen gleich einem Rückstand hinterher. Bierofka schlug in der 18. Minute völlig ungestört einen langen Diagonalpass, Linienrichter Florian Steuer hob seine Fahne, senkte sie nach einem Zeichen von Schiedsrichter Felix Zwayer aber wieder, weil nicht der im Abseits stehende Benjamin Lauth sondern Maximilian Nicu den Ball annahm. Die Dynamo-Defensive stellte ihre Bemühungen trotzdem größtenteils ein, so flankte Nicu auf Lauth, der volley vollendete. „Natürlich hat das unsere Spieler irritiert“, erklärte Menze. Die protestierten auch wütend – erfolglos.

Der Gegentreffer stoppte zunächst die Offensivbemühungen der Gastgeber. Erst ein Schuss von Koch, der knapp am Pfosten vorbeizischte, wirkte wie ein Weckruf. Kurz danach segelte Pote im Tiefflug in eine Flanke von Sebastian Schuppan und köpfte zum verdienten 1:1 ein. Ausgerechnet Pote. Der Stürmer aus dem Benin, in der Sommerpause von drei Erstligisten umworben, sorgte mit einer Mitteilung auf seiner Internetseite vor dem Spiel für Wirbel. Dort kündigte er an, dass er einen verbesserten Ein-Jahres-Kontrakt bei Dynamo unterschreiben will. „Das ist Schwachsinn“, konterte Menze. „Wir werden mit Pote einen längerfristigen Vertrag abschließen.“ Das, kündigte er auf Nachfrage an, werde noch in dieser Woche passieren. Spannend bleibt die Frage, ob der eine Ausstiegsklausel enthält und ob die Ablösesumme tatsächlich bei zwei Millionen Euro festgeschrieben wird.

Pote musste gestern nach 77 Minuten verletzt vom Platz und vorher ohne einen Sturmpartner auskommen. Trainer Ralf Loose hatte den formschwachen Pavel Fort auf die Bank verbannt, jedoch nicht wie angekündigt Neuzugang Idir Ouali hinter die Spitze gestellt, sondern Filip Trojan. Eine kleine Finte.

Daran lag es aber sicher nicht allein, dass der Aufstiegskandidat aus München mit zunehmender Dauer immer mehr die Orientierung verlor, sich der Gastgeber Chancen erspielte. Und folgerichtig nach der Pause auch in Führung ging. Eine Eingabe von Ouali drückte „Löwen“-Innenverteidiger Grzegorz Wojtkowiak über die Linie und nahm damit dem hinter ihm lauernden Giannis Papadopoulos die Arbeit ab.

Doch Menze hatte schon in der Halbzeitpause vor den gefährlichen Kontern der Münchner gewarnt. Und tatsächlich ließen sich die Schwarz-Gelben ein zweites Mal im eigenen Stadion überrumpeln. „Es ist zu einfach und billig, wie wir die Gegentore kassiert haben, gerade wenn man weiß, dass der Gegner eine konterstarke Mannschaft ist“, meinte Koch, stellte aber auch fest: „Wir haben gekämpft bis zum Umfallen, auch spielerisch überzeugt, sind nach dem Rückstand zurückgekommen. Das sollten wir positiv sehen.“

Zeit und Ort für das Testspiel heute gegen FKTeplice wurden geändert: Anpfiff ist um 17Uhr im tschechischen Ort Krupka.

Das Spiel im Tickerprotokoll