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Nur zwei Stück Butter pro Einkauf!

Rationierung von Lebensmitteln in Oberlausitzer Supermärkten erinnert an alte Zeiten und nervt die Schnäppchenjäger.

© Matthias Weber

Von Mario Heinke

Region. Geduldig wartet Peter König an der Kasse bei Kaufland in der Zittauer Christian-Keimann-Straße. Die Kundin, die vor ihm steht, hat vier Stück Butter im Einkaufswagen. „Sie dürfen nur zwei Stück kaufen“, sagt die Kassiererin und nimmt zwei Stück aus dem Wagen. Ein Kunde, der hinter Peter König in der Schlange steht, frotzelt: „Ich hole gleich mein DDR-Geld von zu Hause.“ Tatsächlich war in DDR-Zeiten die Rationierung von Lebensmitteln mangels Angebot grauer Alltag. „In der vergangenen Woche durften Kunden bei Kaufland aber schon wieder fünf Stück Butter kaufen“, erzählt Peter König.

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„Wir haben für verschiedene Warengruppen eine Abgabemenge in haushaltsüblichen Mengen pro Einkauf festgelegt. Diese Abgabemenge richtet sich nach der Verfügbarkeit der Ware“, erklärt Anna Münzing von der Kaufland-Unternehmenskommunikation auf Anfrage der SZ. Die Vorgehensweise sei seit Jahren gängige Praxis und branchenüblich, so die Sprecherin weiter. Was die Frau nicht sagt: Das Kundenkollektiv in der Warteschlange kann helfen, wenn Kunden ihr „Kontingent“ anderen Kunden überlassen. So kann das Problem mit der Abgabemenge ganz kreativ gelöst werden, wenn die Kassiererin mitspielt. Im Kaufland Ebersbach hat das schon funktioniert, berichtet ein SZ-Leser.

Fakt ist: Butter ist ein beliebter Artikel für ein Sonderangebot, weil viele Kunden den aktuellen Butterpreis quasi immer „intus“ haben. Möchte der Schnäppchenjäger sich auf Wochen mit Butter eindecken, hat er die Rechnung deshalb oft ohne Kaufland gemacht, wenn das Produkt nur in kleinen Abgabemengen verkauft wird. In solchen Fällen kann der Schnäppchenjäger immer noch viele Leute aus seiner Verwandtschaft zum Einkauf mitführen. Der Supermarkt möchte seine Angebote möglichst einer großen Anzahl Kunden bereitstellen, erklärt Kaufland die Einschränkung der Abgabemenge, die an realsozialistische Rationierung erinnert.

Welche Menge nun haushaltsüblich ist, legen die Einkaufsmärkte selbst fest. Da spielt die Grenznähe dann wieder eine Rolle, denn nicht selten laden Kunden aus Polen oder Tschechien vor den Supermärkten den Inhalt übervoller Einkaufswagen in ihre Transporter. Waschmittel, Speiseöl oder eben Butter im Sonderangebot gehören da bei den Nachbarn zu den bevorzugten Produkten.