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"Nutzt die Baugewerkeschule!"

Der frühere Zittauer Amtsarzt Gottfried Soukup unterbreitet einen konkreten Vorschlag zur Kulturhauptstadtbewerbung. Bisher ohne Erfolg.

Gottfried Soukup vor Baugewerkeschule Zittau
Gottfried Soukup vor Baugewerkeschule Zittau © Matthias Weber

Gottfried Soukup hält die Kopie eines Briefes in den Händen, den er im März an Landrat Bernd Lange (CDU) geschickt hat. Auf eine Antwort wartet er bis heute.

Der Brief enthält nicht etwa eine Beschwerde oder eine andere unangenehme Angelegenheit. Im Gegenteil, Soukup unterbreitet darin Vorschläge zur Nutzung der leer stehenden Baugewerkeschule am Theaterring 1. Die landkreiseigene Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft nutzte das Gebäude bis 2014 für die Volkshochschule und hat die Immobilie zu diesem Zweck von der Stadt Zittau gepachtet. Seit dem Umzug der Volkshochschule ins Salzhaus steht das Gebäude leer. Das stört einige Zittauer.

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Soukup schlägt nun vor, im Vorgriff auf die Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Zittau das ungenutzte Gebäude kulturell zu nutzen. Etwa für Ausstellungen Oberlausitzer Künstler, um den Kulturtourismus in der Region anzukurbeln. „Die Werke von Hans Lillig und viele andere wunderschöne Bilder lagern im Depot der Städtischen Museen, wo sie niemand sieht“, sagt Gottfried Soukup. Auch das Museum könnte Räume in der Baugewerkeschule nutzen, etwa um mit Schulklassen zu arbeiten. Soukup kennt den Bedarf des Museums, denn er sitzt im Beirat „Kultur und Tourismus“ der Stadt Zittau. Fastentuch, Baugewerkeschule und Museum liegen unmittelbar nebeneinander und könnten in Bezug auf die Besucherströme voneinander profitieren. „Zwischen Professor Kiesowweg und Klosterstraße könnte eine Flaniermeile heimatlicher Kunst entstehen“, schlägt der ehemalige Allgemeinmediziner vor. Soukup war viele Jahre Amtsarzt im Kreis und saß noch während der letzten Legislaturperiode im Zittauer Stadtrat.

„Es kann nicht sein, dass so ein Haus seit Jahren leer steht“, sagt Gottfried Soukup und weist daraufhin, das die Bausubstanz durch Leerstand nicht besser werde. Der Zittauer hat einen persönlichen Bezug zum Haus, sein Vater bildete als Berufsschullehrer darin junge Leute für die Landwirtschaftsberufe aus. Mit Sorge und Unbehagen betrachtet der 75-Jährige die demografische Entwicklung, den lautlosen Abzug von immer mehr Institutionen und deren Zentralisierung in der Kreisstadt Görlitz. In der Debatte um den Umzug des technischen Rathauses rückte die Baugewerkeschule zuletzt vor zwei Jahren in den Fokus des Stadtrats. Die Verwaltung sträubte sich damals mit Händen und Füßen, das Gebäude zu ertüchtigen, gab Bedenken wegen eines erforderlichen zweiten Rettungsweges an. Die sächsische Landeskonservatorin Rosemarie Polack erteilte den Bedenken der Stadt damals eine klare Absage und widersprach der Vermutung, dass der Denkmalschutz einem Umbau von vornherein im Wege stehen könnte.

Der Landkreis ist immer noch Pächter der ungenutzten Immobilie. Gefragt, warum der Kreis den Pachtvertrag nicht kündige, erklärt Kreissprecherin Franziska Glaubitz: „Es gibt bisher unterschiedliche Interessen der Vertragspartner hinsichtlich der bestehenden Vertragssituation. Die Verhandlungen laufen noch.“ Konkrete Pläne zur Nutzung gebe es derzeit nicht. Es gab Anfragen und Besichtigungstermine, die bisher ohne Ergebnis blieben. Ein Teil der Interessenten habe inzwischen abgesagt und andere haben sich noch nicht abschließend positioniert, so die Kreissprecherin. Der Landkreis Görlitz möchte im nächsten Jahr zusammen mit der Stadt die Suche nach geeigneten Nachnutzern intensivieren, so Franziska Glaubitz. In der Stadtverwaltung Zittau scheint das Thema keine Rolle zu spielen. „Wegen Erkrankung der zuständigen Kollegin kann ich derzeit keine Angaben machen“, schreibt Pressesprecher Michael Scholze.

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