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O weh, Tannenbaum!

Ein bisschen speziell ist der Weihnachtsbaum auf dem Pulsnitzer Markt. Er sorgt für jede Menge Diskussion.

Der Pulsnitzer Weihnachtsbaum sorgt für Diskussionen.
Der Pulsnitzer Weihnachtsbaum sorgt für Diskussionen. © Rico Löb

Pulsnitz. Für einigen Gesprächsstoff sorgt derzeit der Pulsnitzer Weihnachtsbaum. Nur mit viel Mühe konnte das Exemplar am Sonnabend auf den Markt bugsiert werden – von seinem Standort hinter der Kita Kunterbunt. Es ist tatsächlich ein besonderes Exemplar. So muss es derzeit einigen Spott in Internetkommentaren über sich ergehen lassen. Von allerlei Unzulänglichkeiten ist die Rede: windschief stehe er, habe zwei Spitzen. Kahle Stellen habe er wohl auch. Es hätte doch bestimmt einen hübscheren Baum gegeben. Sicher: Von den immer wieder formulierten hohen Ansprüchen: An ein dichtes Nadelkleid und einen Stamm, der möglichst gerade gewachsen sein sollte, ist dieser ein Stück entfernt.

Es gab wohl dennoch einige Gründe, die für die Blaufichte sprachen. Die erläuterte Bürgermeisterin Barbara Lüke bereits in der SZ. So hatten die zurückliegenden Stürme, die Kandidatenliste für potenzielle Weihnachtsbäume gelichtet. Der Baum sollte ohnehin weg, warf wohl zuviel Schatten auf die Kita und war nicht mehr ganz gesund. Die Natur sei gebeutelt genug durch die Stürme, da müsse nicht auch noch die schönste Tanne für den Markt geopfert werden. Die kahle Stelle werde im Übrigen eine Glühweinbude verdecken. Mancher könnte jetzt mit Blick auf den Baum frotzeln: Und nach dem einen oder anderen Glühwein ... Die Stadt habe letztlich aus der Not eine Tugend gemacht und nehme gern wieder Angebote für Markt-Tannen entgegen. Außerdem gehe es nicht um einen Schönheitswettbewerb.

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Die Kritiker kann das nicht beruhigen. Sie gehen hart mit dem Baum ins Gericht, dann lieber gar keinen, heißt es unter anderem. Etliche Pulsnitzer sehen ihr Bäumchen aber positiv und stellen sich schützend davor. Pulsnitz „hat einen einzigartigen und schönen Weihnachtsbaum, der nicht der Norm entspricht, seid doch alle stolz darauf“, heißt es in einem Kommentar. So müssen auch die Kritiker einiges einstecken. Im Internet läuft sich die Debatte heiß. Auf jeden Fall ist der Baum ziemlich einzigartig. Vielleicht ziehe die ungewöhnliche Fichte ja gerade deshalb noch ein paar Besucher zusätzlich in die Stadt, vermutet ein Beobachter. Und eine Pulsnitzerin erinnert daran, was der Baum für die Kinder aus der Kita Kunterbunt bedeutet, die jahrelang in seinem Umfeld spielten. Sie freuen sich, „dass ihr Baum dieses Jahr den Marktplatz schmückt. Erwachsene sollten wieder anfangen, öfter die Welt mit Kinderaugen zu sehen.“ So stellt eine andere Beobachterin fest: „Na und. Ist er schief und hässlich ... Die Kinder haben Freude daran, dass es ihr Baum geworden ist.“ Bestimmt würden sie noch in paar Jahren von ihrem Weihnachtsbaum schwärmen, dass dieser auf dem Markt stand und das zählt. Die Pragmatiker sind unterdessen entspannt: Nichts sei heutzutage perfekt, warum soll es dann der Baum sein. Es gebe Schlimmeres. Oder: „Hauptsache, er fällt nicht um.“ Und es bleibt die Hoffnung: „Wenn er leuchtet, wird er top aussehen.“