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OB Raschke möchte für CDU antreten

Meißens Rathauschef sucht vor der Wahl die Rückendeckung des Stadtverbandes. Dort trifft er auf einen alten Bekannten.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

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Meißen. Mit einer Überraschung startet Meißen am 1. März in das OB-Wahljahr. Wie der Stadtverband der Christdemokraten mitteilt, möchte die Partei an diesem Abend in der Winzergenossenschaft ihren Kandidaten für den Posten des Rathauschefs nominieren. Dabei wiederholt sich die Konstellation des Finales der Oberbürgermeisterwahl 2011. Olaf Raschke (parteilos) tritt gegen den Vorsitzenden der CDU-Stadtratsfraktion Falk Werner Orgus an.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen der Endrunde vor sieben Jahren und dem aktuellen Duell der beiden Konkurrenten: Während am 18. September 2011 alle Meißner abstimmen konnten, zählen bei der Nominierung in der Weinerlebniswelt nur die Stimmen der CDU-Stadtverbandsmitglieder. Diese müssen sich entscheiden: Sprechen sie sich mit Olaf Raschke für den Kandidaten mit dem Amtsinhaber-Bonus und den größten Chancen aus? Oder geben sie dem langgedienten und treuen Parteisoldaten Falk Werner Orgus den Vorzug? Tritt der erste Fall ein, wäre das ein offener Schlag ins Gesicht des Fraktionschefs. Bei der zweiten Variante müsste Raschke mit einer ersten, wenn auch kleinen Niederlage in den Wahlkampf ziehen und würde aller Wahrscheinlichkeit nach als unabhängiger Kandidat antreten.

Wahlkampf hat bereits begonnen

Dass Orgus sich den Spitzenplatz bei den Christdemokraten nicht kampflos würde nehmen lassen, deutete sich bereits in den letzten Wochen an. Der 45-Jährige hatte zunehmend härtere Töne gegen den Rathauschef angeschlagen. In seiner jüngsten Haushaltsrede sprach er so von „Vertuschungsaktionen des amtierenden Stadtoberhauptes“ und warf Raschke vor, die Digitalisierung an den städtischen Schulen zu verschlafen. Das klang bereits deutlich nach Wahlkampf.

Ausgehend vom Ergebnis von 2011 könnte Raschke dem erneuten Wettbewerb mit Orgus gelassen entgehen sehen: Der 54-Jährige trat seine zweite Amtsperiode mit einer überwältigenden Mehrheit von rund 81 Prozent der abgegebenen Stimmen an. Orgus erreichte rund 13 Prozent. Ihm muss dabei zugutegehalten werden, dass er seinen Hut vergleichsweise spät in den Ring warf. Neben ihm hatten sich nur noch je ein Kandidat der NPD und der Sächsischen Volkspartei beworben.

2018 stellt sich die Ausgangslage allerdings kritischer dar für den Oberbürgermeister. Für den Bau des Aldi am Neumarkt, die Kita-Pläne in der Spaarer Weinbaulandschaft und das Lavieren in der Abrissfrage an der Fährmannstraße musste der Verwaltungschef in letzter Zeit viel Kritik einstecken. Der Fakt, dass er zusammen mit dem damaligen Finanzbürgermeister Hartmut Gruner die Stadt nach dem Abgang von Thomas Pohlack vor der Zwangsverwaltung rettete, ist mittlerweile in den Hintergrund getreten. Der Lokalpolitiker gilt als baufreudiger Macher, der gern Straßen saniert und Grundsteine legt, langfristig für Meißen jedoch keine Vision verfolgt.

Erschwerend kommt hinzu: 2018 versucht nicht nur Orgus, sich von Raschkes satter Mehrheit einen Anteil abzuknapsen. Weitere Kandidaten sind zu erwarten. FDP-Politiker Martin Bahrmann hat so am Mittwoch angekündigt, bei der ebenfalls am 1. März stattfindenden Nominierungsveranstaltung der Liberalen anzutreten. Dezidiert um eine Alternative zum derzeitigen Rathauschef zu bieten, hat sich die Initiative „Meißen kann mehr“ zusammengefunden. Sie möchte ebenfalls mit einem eigenen Spitzenmann oder einer eigenen Spitzenfrau ins Rennen gehen.

AfD wartet zunächst ab

Offen ist derzeit, wie sich die Alternative für Deutschland verhält. Nach Angaben des Meißner AfD-Mitglieds Heiko Knorr ist noch nichts entschieden. Die Partei wolle zunächst abwarten, was am 1. März in der Winzergenossenschaft passiere. Es sei denkbar, dass der Kreisverband einen anderen Kandidaten unterstütze. Gleichfalls bestehe die Möglichkeit, einen eigenen Vertreter zu benennen.

Eine Absage kommt dagegen von der Linken. Deren Stadtvorstandschef Tilo Hellmann teilte am Mittwoch mit, wenn alle Kandidaten benannt seien, werde entschieden, wen die Linke einladen und anschließen eventuell unterstützen wolle.