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OB setzt nach Wahl auf Weltoffenheit

Sowohl Görlitz’ Rathaus-Chef Siegfried Deinege als auch Landrat Lange suchen nach Ursachen für den Triumph der AfD.

© Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

Görlitz. Der Görlitzer OB Siegfried Deinege (parteilos) wertet es als Achtungszeichen, dass die AfD bei der Bundestagswahl stärkste Kraft in der Region geworden ist. Die Arbeitsplatzverluste durch die Schließung der volkseigenen Betriebe nach 1990 seien in Ostsachsen bisher nicht ausgeglichen worden. Wohlstand und soziale Sicherheit seien seitdem nicht so stark gewachsen wie die Freiheit. „Damit verbunden sind anhaltend große Zukunftsängste aufgrund von Arbeitslosigkeit in ostsächsischen Familien“, so der OB. Zudem seien viele Familienstrukturen aufgebrochen worden, weil Menschen der Arbeit hinterziehen mussten. „Die Wähler vor Ort reagieren auf diese Lage – manche auch mit einer Protestwahl“, sagt Deinege. Er selbst werde sich immer unmissverständlich dafür einsetzen, dass sich Görlitz tolerant, weltoffen und vielfältig entwickelt. Nur so würden Herausforderungen bewältigt, Ängste abgebaut und Zukunftschancen aller Bürger gesichert. Er werde immer mit Vertretern demokratisch gewählter Parteien zusammenarbeiten. Das schließt die AfD ein.

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Auch Landrat Bernd Lange (CDU) bewegt das Thema. „Das Wahlergebnis war für uns überraschend und nicht schön“, sagt er. Mit dem Ausscheiden von Michael Kretschmer aus dem Bundestag verliere der Landkreis viele wichtige Netzwerke in alle Richtungen. Jetzt müsse er sich auf andere Netzwerke konzentrieren, sich breiter aufstellen. Konkrete Namen will Lange aber nicht nennen. Die CDU habe Fehler gemacht, die analysiert werden müssten. Das betreffe Themen wie Sicherheit an der Grenze, Kohleausstieg, Klimawandel, Kommunalfinanzierung und Bildung. Gerade beim Lehrermangel sei allen die Mitschuld der CDU klar: „Dort ist eine Korrektur nötig.“ Bereits bei einer Wahlkampfveranstaltung hatte Lange gesagt, seine Partei müsse aufpassen, dass ihr die Arroganz der Macht bei der Wahl nicht auf die Füße falle. „Das ist nach wie vor meine Meinung“, sagt Lange. Er wolle damit nicht sagen, dass irgendwer arrogant war. „Aber wir haben Stimmen verloren, das heißt, wir haben Vertrauen verloren.“ Letzteres passiere durch Nicht-Zuhören: „Und das ist arrogant.“