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Obercunnersdorfer Wohnhaus abgebrannt

Die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen auf andere Gebäude übergriffen. Der Bewohner konnte sich selbst retten.

© Matthias Weber

Von A. Beutler und R. Altmann-Kühr

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Obercunnersdorf. Um das Haus von Peter und Inge Drewanz müssen in den frühen Morgenstunden des Donnerstages gleich mehrere Schutzengel geflogen sein. Denn, dass die Flammen aus dem Haus in der Klippelgasse Nummer 14 – nur einen Steinwurf entfernt – nicht auf ihr Heim übergegriffen haben, ist ein Wunder. „Die Funken flogen direkt in unsere Richtung“, sagt Peter Drewanz. Und sie haben durchaus Spuren hinterlassen, die man aus der Ferne nicht gleich sieht. Die Hitze hat die metallenen Fensterrahmungen verzogen und hier und da an den Dachschindeln geknabbert.

Zum Großteil verschlungen hat das Feuer hingegen das Brandhaus selbst. Glücklicherweise konnte sich der 78-jährige Bewohner selbst retten: Die herbeigeeilten Feuerwehrkameraden fand ihn im Garten vor. Er wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, informiert die Polizei. Alle sieben Ortswehren der Gemeinde Kottmar sind zu diesem Alarm, der gegen 4.45 Uhr eingegangen war, ausgerückt. Hinzu kamen Kameraden der Feuerwehr aus Ebersbach-Neugersdorf. Sie wurden angefordert, weil die Ebersbacher Wehr eine Drehleiter besitzt. Und die war nötig, um von oben, übers Dach den Brand zu löschen, schildert Gemeindewehrleiter Ralf Röhle die Situation im engen Gassengewirr Obercunnersdorfs. Insgesamt eilten 80 Kameraden zum Einsatz in die Klippelgasse. Sie waren bis 9.30 Uhr mit den Löscharbeiten beschäftigt. „Im Laufe des Einsatzes wurden die Kräfte dann nach und nach minimiert“, erzählt Röhle. Die letzten Schläuche des Einsatzes liegen auch am Nachmittag noch am Rand der schmalen Straße.

Die Feuerwehrleute sind auch die Helden der drei Obercunnersdorfer Herren, die sich am frühen Nachmittag an der Brandruine versammelt haben. Ein Mann aus der Nachbarschaft, der vor seiner Schicht am frühen Morgen noch die Abfalltonne vor die Tür brachte und dabei das Feuer entdeckte, habe den Notruf gewählt, erzählt ihnen Peter Drewanz. „Dem schnellen Einsatz der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist“, sagt einer von ihnen und schüttelt nachdenklich den Kopf. Nicht einmal auf das direkt angebaute Umgebindehaus nebenan haben die Flammen übergegriffen. „Vielleicht lag es ja daran, dass man früher die Balken mit Lehm ummantelt hat“, mutmaßt Peter Drewanz. Denn während vom Dachstuhl des Brandhauses nur noch ein paar verkohlte Balken in den Himmel ragen, ist die Wand des Nebendaches weitgehend intakt. Auf 100 000 Euro Schaden beziffert auch die Polizei nach ersten Schätzungen den entstandenen Schaden. Wie es überhaupt zu dem Brand kommen konnte, wird nun ein Sachverständiger untersuchen.

Dass der ältere Herr bald wieder in sein Haus zurückkehren wird, kann sich indes niemand vorstellen: Die Fenster starren wie schwarzumrandete Augen ins Leere. Im Inneren ist nichts Brauchbares mehr zu erkennen – alles verkohlt und zerfallen. Die Decke ist herabgebrochen. Nur die Esse ragt kerzengerade aus dem zerstörten Dachstuhl heraus. Die Flammen wüteten so stark, dass auch einer der Anwohner, der etwas unterhalb der Klippelgasse wohnt, eine verkohlte Buchseite in seinem Garten gefunden hat – mit mathematischen Formeln drauf. Und zu riechen ist das Feuer auch Stunden danach noch rund um die Klippelgasse.

Der flache Anbau im hinteren Teil des Gartens sieht hingegen noch intakter aus. Dort soll sich der Mann, der allein wohnte, zuletzt vor allem aufgehalten haben, berichten Nachbarn. Wie alt das Haus ist, können die Anwohner nur schwer schätzen. Ein klassisches Umgebindehaus – so wie das Nachbargebäude – ist es aber früher einmal gewesen, bevor es in den 80er Jahren massiv ausgebaut worden ist. Der Kratzputz aus DDR-Zeiten zeigt es deutlich.

Ein Stück zurück liegen auch die letzten großen Feuer im Ort: 1971 brannte das Landkaufhaus, an dessen Stelle heute die Kaufhalle steht. Und 1999 zerstörten Flammen die Erikabaude, sagt Inge Drewanz. Viele Obercunnersdorfer können sich daran noch gut erinnern. Wie lange der neuerliche Fall im Dorf-Gedächtnis haften bleiben wird, bleibt abzuwarten. In der Kaufhalle ist die ereignisreiche Nacht jedenfalls Gesprächsthema. Denn viele im Ort hatten die Sirene und der Qualm aus dem Schlaf geweckt.