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Sport

Corona: Die Folgen im sächsischen Sport

Die Volleyballerinnen des Dresdner SC gehen in Kurzarbeit. Es gibt neue, weitere Absagen - aber Ausnahmen für Kaderathleten. Ein Überblick im Freistaat.

Gesprächsbedarf beim DSC: Wegen der Folgen der Corona-Pandemie ist bei den Volleyballerinnen und allen Vereinsmitarbeitern Kurzarbeit angesagt.
Gesprächsbedarf beim DSC: Wegen der Folgen der Corona-Pandemie ist bei den Volleyballerinnen und allen Vereinsmitarbeitern Kurzarbeit angesagt. © Archiv: Thomas Kretschel

Dresden. Die Volleyballerinnen des Dresdner SC lassen nichts unversucht, um die finanziellen Folgen der jäh abgebrochenen Saison in der Volleyball-Bundesliga zu minimieren. Nachdem der Pokalsieger frühzeitig die Verträge mit den meisten internationalen Profis in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig aufgelöst hatte, bestätigte DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann am Montag auf Nachfrage von saechsische.de, dass die Spielbetriebs GmbH für alle Geschäftsstellenmitarbeiter, das Management, das Trainerteam um Chefcoach Alexander Waibl und für die Profis mit noch laufenden Verträgen nun Kurzarbeit beantragt habe. 

Außerdem habe der Verein Stundungsanträge beim Sozialversicherungsträger, beim Finanzamt und bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) eingereicht. „Belastbare und seriöse Zahlen, wie hart uns die Krise wirtschaftlich tatsächlich trifft, erwarten wir erst in mehreren Wochen. Es ist auch nicht die Frage, ob es für den DSC weitergeht. Aber die nächsten Wochen sind entscheidend, in welcher Form“, stellte Zimmermann klar.

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Auch der Fußball-Drittligist Chemnitzer FC hat sich bei der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz für Kurzarbeit registrieren lassen. Der CFC reagierte damit auf den Ligastopp bis voraussichtlich 30. April. Betroffen sind die Drittliga-Mannschaft, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sowie die hauptamtlichen Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums.

2020 keine Tennis-Bundesliga

Derweil setzten sich die Absagen großer und kleiner Sportveranstaltungen unvermindert fort, zunehmend trifft es nun die für Ende April und Mai geplanten Termine - zwangsläufig auch in Sachsen. 

Nach der erfolgreichen Auftaktsaisondes TC Blau-Weiß Blasewitz in der 1. Tennisbundesliga der Damen wird es in diesem Jahr keine Wiederholung auf der Anlage im Dresdner Waldpark geben. Am  Montag beschloss der Deutsche Tennis-Bund (DTB) die Absage der 1. Bundesliga der Damen für dieses Jahr.  "Wir sind natürlich alle tieftraurig, dass wir in diesem Jahr keine Bundesliga haben werden. Aber ich denke, es ist unter diesen Umständen die richtige Entscheidung", sagt der Blasewitzer Teammanager Sven Grosse. "Es stand zur Debatte, im Juli und August zu spielen während der Herrenliga, dagegen haben sich viele Club ausgesprochen. Auch wir hätten in dieser Zeit - direkt in den Sommerferien - zu wenige Zuschauer gehabt. Finanziell wirft uns diese Entscheidung glücklicherweise nicht um, da die Spielerinnen ihr Honorar nur erhalten, wenn sie spielen. Nun hoffen wir, dass wir nächstes Jahr wieder voll angreifen dürfen und wir werden auch mit Andrea Petkovic sprechen, ob sie 2021 für uns spielen will."

Gesperrte Sport- und Spielplätze: Die Corona-Krise führt zu verschärften Maßnahmen - und reihenweise Absagen von Veranstaltungen, Spielen und Turnieren. Der gesamte Trainingsbetrieb ruht.
Gesperrte Sport- und Spielplätze: Die Corona-Krise führt zu verschärften Maßnahmen - und reihenweise Absagen von Veranstaltungen, Spielen und Turnieren. Der gesamte Trainingsbetrieb ruht. © dpa/Uwe Anspach

Nachdem am Wochenende bekannt gegeben wurde, dass die Eishockey-Weltmeisterschaft (vom 8. bis 24. Mai in der Schweiz ) erstmals seit 1946 ausfallen muss, hat das auch Konsequenzen für geplante Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft im Freistaat. Die Partien am 23. April in Dresden sowie am 25. April in Crimmitschau, jeweils gegen Weißrussland finden nicht statt. "Viele Fans haben sich auf das Spiel der Eishockey-Nationalmannschaft gefreut und sich bereits voller Vorfreude Tickets gesichert. Deshalb ist es das Ziel, die Spiele in die nächste Saison – sprich ins Jahr 2021 – zu verschieben", teilte der deutsche Eishockey-Verband mit.

Eine Absage mussten auch die Sportakrobaten des Dresdner SC hinnehmen, auch ihre Weltmeisterschaft wurde gestrichen. Der Wettbewerb, gab der Weltverband bekannt, könne nicht wie geplant Ende Mai in Genf stattfinden wird. 20 DSC-Akrobaten sind dafür nominiert gewesen. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

Sachsens Topklubs bündeln ihre Kräfte in der Krise

Die sächsischen Spitzenklubs haben mittlerweile die Initiative „TeamSport Sachsen“ ins Leben gerufen, der sich 21 Vereine aus den Sportarten Basketball, Eishockey, Volleyball, Fußball, Handball und American  Football angeschlossen haben. Damit sollen zum einen die Interessen des Sports effektiv gebündelt, zum anderen Behörden und Entscheidungsträger entlastet werden, da nicht mehr jeder Verein einzeln vorsprechen muss. Ein erstes Treffen mit der Landesregierung fand bereits statt.

"Das war ein sehr konstruktiver Austausch, bei dem unsere Belange sehr ernst genommen wurden. Gleichzeitig konnten wir wichtige Informationen und Denkanstöße liefern, die nun kurzfristig geprüft werden. Wir werden mit den Landespolitikern im regelmäßigen Austausch bleiben und sind uns sicher, dass wir diese Herausforderung mit vereinten Kräften meistern können", sagte Karsten Günther, Geschäftsführer des SC DHfK Leipzig. 

Die sächsischen Top-Klubs haben sich zur Initiative Teamsport Sachsen zusammengeschlossen.
Die sächsischen Top-Klubs haben sich zur Initiative Teamsport Sachsen zusammengeschlossen. © PR

Bereits beschlossen wurden Ausnahmen für die bestehenden Nutzungsverbote öffentlicher und privater Sportanlagen, die ausschließlich für  Bundeskader sowie Bundesliga-Profis aus  Sommermannschaftssportarten gelten und nur auf Antrag erteilt werden.

Bereits zuvor hatte der Landessportbund Sachsen (LSB) an die Solidarität von Vereinsmitgliedern appelliert. "Wenn sie es sich leisten können, weiterhin Mitglied in einem Verein zu sein oder sogar zu werden, dann unterstützen sie bitte gerade jetzt den organisierten Sport", erklärte Präsident Ulrich Franzen. Auf viele Vereine kämen in den nächsten Wochen und Monaten finanzielle Probleme zu. Obwohl Einnahmen aus Eintrittsgeldern oder Teilnahmegebühren für Kurssysteme fehlen werden, müssten sie weiter für Miete oder Unterhalt ihrer Sportstätten aufkommen.

In Stuttgart kam es nach Angaben des Sportbürgermeisters zuletzt zu Rückforderungen von Mitgliedsbeiträgen. Dem LSB Sachsen seien bisher keine solchen Forderungen bekannt, hieß es dort. Man wisse aber um die Sorgen in den Vereinen. 

Handball-Bundesliga der Frauen beendet die Saison

Nun hat die Handball Bundesliga Frauen (HBF) reagiert - und die bislang  unterbrochene Saison in der 1. und 2. Bundesliga aufgrund der Corona-Krise vorzeitig abgebrochen. Ob es einen Meister geben wird, steht noch nicht fest. Ebenso soll über mögliche Auf- und Absteiger sowie die Vergabe der internationalen Startplätze zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Betroffen vom vorzeitigen Saisonschluss ist auch der HC Rödertal aus Großröhrsdorf, und die Konsequenzen sind acht Spieltage vor dem eigentlichen Ende verheerend. „Der Verein befindet sich in der wohl schwierigsten Situation seit seiner Gründung. Wichtigstes Ziel ist es, das Überleben des Vereins zu sichern. Die Situation ist dramatisch, aber wir werden alles tun, damit es weitergehen kann", sagt Rödertals Vereinsvorsitzender Andreas Zschiedrich.

Der Oberelbe-Marathon am 26. April fällt ersatzlos aus

Sie hatten mit einem Rekord von 6.000 Läufern auf dem Elberadweg gerechnet, und mehr als 3.000 waren bereits angemeldet. Nun steht fest: Auch der VVO-Oberelbe-Marathon, der am 26. April stattfinden sollte, muss in diesem Jahr ausfallen. „Nach den aktuellen Anweisungen der Behörden für die nächsten Wochen blieb uns keine andere Wahl“, sagt Rennleiter Uwe Sonntag auf SZ-Nachfrage. Ein Jahr Vorbereitung sei damit futsch.

Der VVO-Oberelbe-Marathon in diesem Jahr muss ausfallen. Die Organisatoren denken jetzt alternativ an einen Lauftreff im Sommer.
Der VVO-Oberelbe-Marathon in diesem Jahr muss ausfallen. Die Organisatoren denken jetzt alternativ an einen Lauftreff im Sommer. © Thomas Kretschel

Den Verlust schätzt Sonntag auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Einen Alternativtermin wird es nicht geben. „Mit einer Verlegung würden wir anderen Laufveranstaltungen im Herbst das Wasser abgraben. Das ist nicht unser Stil“, sagt Sonntag. Zudem wisse niemand, wie sich die Situation entwickelt. Eine womöglich erneute Absage wäre kaum zu stemmen. „Eine Rückzahlung der Startgebühren ist angesichts der weit fortgeschrittenen Organisation nicht möglich“, sagt Sonntag. Beispielsweise seien die Medaillen bereits da und müssten bezahlt werden. Jetzt sucht Sonntag nach Partnern, mit denen er im Sommer vielleicht einen Lauftreff im kleineren Rahmen anbieten kann.

Fußballverbände setzen Spielbetrieb bis 19. April aus

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) setzt den Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie bis nach Ostern aus. Wie der NOFV mitteilte, wird die ursprünglich bis 22. März geltende Unterbrechung bis zum 19. April ausgeweitet. Aufgrund der Sperrung einer Vielzahl von Sportanlagen durch die zuständigen örtlichen Behörden sei entsprechend dieser Festlegungen auch kein Trainings- und Freundschaftsspielbetrieb möglich, heißt es in einer Verbandserklärung. Der sächsische Fußballverband hat sich der Unterbrechung des Spielbetriebs bis 19. April unmittelbar danach angeschlossen.

Internationales Meeting der Wasserspringer ist abgesagt

Abgesagt ist auch die zehnte Auflage des internationalen Wasserspringen-Meetings Youth Diving Meets in Dresden (geplant vom 23. bis 26. April). Die Nationalmannschaft der Wasserspringer hat zudem nach nur einem Tag das Trainingslager in Dresden abgebrochen.

Der Leipzig-Marathon, ebenfalls für den 26. April geplant, ist ersatzlos gestrichen worden. Und es gibt weitere Konsequenzen: Die Basketballer brechen mit sofortiger Wirkung die Saison ab. Alle Teams können in ihrer Liga verbleiben, das betrifft auch die Dresden Titans. ProA-Tabellenführer Chemnitz darf in die Bundesliga aufsteigen.

Landessportbund empfiehlt Vereinen die Zwangspause

Um eine weitere und großflächige Ausbreitung des neuartigen Virus zu verhindern, hat der Landessportbund Sachsen (LSB) bereits empfohlen, den organisierten Trainings- und Wettkampfbetrieb in sächsischen Vereinen und Verbänden vorerst und auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

„Der organisierte Sport im Freistaat steht als größte Bürgerorganisation des Landes nicht nur für Gesundheit, Fitness und Leistung, sondern auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verantwortung. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden, indem wir uns einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus entschieden entgegenstellen. Das geht in der aktuellen Situation am besten durch eine deutliche Einschränkung privater Aktivitäten und physischer sozialer Kontakte", erklärte LSB-Präsident Ulrich Franzen.

Die Einschränkungen betreffen demnach sowohl den Spiel- und Trainings- als auch den Wettkampfbetrieb der sächsischen Vereine und Verbände. Der LSB schließt sich damit den Empfehlungen der Bundesregierung und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an. Veranstaltungen des Landessportbundes Sachen wie der Sportjugendtag sowie der für Anfang April geplante Hauptausschuss wurden bereits abgesagt. Auch Bildungslehrgänge und Gremiensitzungen werden vorerst nicht stattfinden. 

Der LSB empfiehlt zudem, Trainingslager sowie die im Juni stattfindenden Kreis-Kinder- und Jugendspiele ebenfalls abzusagen. Flexible Lösungen in Sachen Sportförderung werden derzeit erarbeitet, sodass Vereinen und Verbänden durch die Einschränkung ihrer Aktivitäten keine Nachteile entstehen sollen. 

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