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Bautzen

Die Oberlausitz will mehr Familien locken

Das Tourismus-Jahr begann rekordverdächtig. Dann kam Corona. Für den Neustart fließt jetzt eine Menge Geld in Werbung - denn es gibt viel aufzuholen.

Vor allem Familien verbringen gern einen erlebnisreichen Tag im Saurierpark Kleinwelka. Doch auch der Freizeitpark am Bautzener Stadtrand spürt Langzeit-Folgen der Corona-Einschränkungen.
Vor allem Familien verbringen gern einen erlebnisreichen Tag im Saurierpark Kleinwelka. Doch auch der Freizeitpark am Bautzener Stadtrand spürt Langzeit-Folgen der Corona-Einschränkungen. © Archivfoto: Steffen Unger

Bautzen.  In Corona-Zeiten liegt Urlaub im eigenen Land mehr denn je im Trend, und die Oberlausitz soll davon profitieren. Dazu steckt die regionale Marketing-Gesellschaft  (MGO) ihrem Geschäftsführer Olaf Franke zufolge mehr als 50.000 Euro in eine Werbekampagne auf verschiedenen Internet-Kanälen. "Einen schiefen Turm können die Leute nicht nur in Pisa sehen, den gibt es auch in Bautzen. Berge gibt es nicht nur in den Alpen, Seen nicht nur in Mecklenburg. Wir müssen die vielfältigen Reize der Oberlausitz in die Köpfe hineinbekommen", sagte Franke am Mittwoch vor Journalisten in Bautzen.

In ihrer Internet-Kampagne habe die MGO zunächst Aktivsportler wie Radwanderer angesprochen. Zurzeit würden Liebhaber von Parks und Schlössern umworben. Ab kommende Woche sollen vor allem Familien für einen Sommerurlaub in der Oberlausitz gewonnen werden. "Bisher galt die Region als Kurzurlaubsziel für Frühjahr und Herbst, das wollen wir ändern", erklärte Franke.

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Eine halbe Million Übernachtungen fehlen

Das Tourismus-Jahr habe in der Oberlausitz rekordverdächtig begonnen. Dann hätten die Einschränkungen wegen Corona wie überall für einen Einbruch gesorgt. Von März bis Mai fehlten der Region rund eine halbe Million Übernachtungen von Besuchern. Gab es sonst rund um Ostern in der Region kaum noch ein freies Bett in Hotels und Pensionen, blieben die Zimmer diesmal leer.

Insgesamt entgingen der Branche seit März Einnahmen von mehr als 60 Millionen Euro. Bautzens Landrat und MGO-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Harig (CDU) sprach von "erheblichen Summen, die der Tourismusbranche hier verloren gegangen sind". Mittlerweile nehme der Wirtschaftszweig wieder Fahrt auf, die zunehmende Nachfrage der Gäste stimme optimistisch.

Im Saurierpark Kleinwelka zum Beispiel liegen die Besucherzahlen an guten Tagen wieder über dem langjährigen Durchschnitt, bilanzierte Volker Bartko, Chef der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen. Allein am Pfingstmontag hätten Tausende Gäste, die teils viele Kilometer mit dem Auto angereist waren, bis zu drei Stunden Wartezeit vor dem Saurierpark in Kauf genommen. Doch die Einnahmen seit der Wiedereröffnung am 20. Mai hätten die Verluste von einer dreiviertel Million Euro seit März noch nicht wettgemacht.

Branche braucht einen langen Atem

Für die Zukunft macht sich Bartko Sorgen, weil viele Menschen durch die Corona-Krise ihre Arbeit verlieren oder in Kurzarbeit geschickt würden. Sie müssten mehr als bisher überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

Rüdiger Schaper machte deutlich, dass die Branche bis zum Vor-Corona-Niveau viel Zeit und einen langen Atem braucht. Schaper leitet das Kindererholungszentrum Querxenland in Seifhennersdorf, mit 540 Betten die größte Gruppenunterkunft in der ganzen Oberlausitz. Im Querxenland waren für dieses Jahr schon rund 52.000 Übernachtungen vertraglich fixiert. Doch 30.000 davon wurden Beginn der Corona-Pandemie storniert, wodurch rund eine Million Euro an Einnahmen fehlen.

Seit Mitte Mai dürften wieder Familien übernachten, ab Juli auch  Kindergruppen. Doch ob ab September auch wieder Klassenfahrten erlaubt seien, stehe noch in den Sternen, so Schaper. Eigentlich verdiene das Querxenland bis Herbst genug Geld, um über den Winter zu kommen. Doch 2020 könne nichts angespart werden.

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