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Oberschule kehrt nach Herrnhut zurück

Das Zinzendorf-Gymnasium bereitet neuen Bildungsweg vor. Wird er zur Konkurrenz umliegender Schulen?

© Thomas Eichler

Von Steffen Gerhardt

Herrnhut. Nach elf Jahren könnte es im August 2016 wieder so weit sein, dass in Herrnhut Oberschüler unterrichtet werden. Die Schulstiftung der Evangelischen Brüder-Unität möchte eine Oberschule zu gründen. Dazu stellte sie im Dezember den Antrag für einen Oberschulzweig bei der Sächsischen Bildungsagentur Dresden. Die Oberschule soll in das Zinzendorf-Gymnasium integriert werden als zweite Schulform. Aber so neu ist die Idee für den Schulträger nicht, berichtet Schulleiterin Undine Bensch: „Der Gedanke der Erweiterung des Schulstandortes Herrnhut existiert schon eine Weile und ist nur der logische Schritt in der Schulentwicklung.“ Die brüderischen Schulen in Tossens und Königsfeld arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich nach diesem Konzept. Dazu kam für die Herrnhuter, dass mit dem im August in Kraft getretenen Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft sich die Bedingungen für Schulgründungen änderten. „Sie sind so günstig wie seit Langem nicht mehr. Das gab den Anstoß, Gedanken Taten folgen zu lassen“, sagt die pädagogische Leiterin.

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Der Antrag ist gestellt. Nun bleibt seine Genehmigung und deren Zeitpunkt abzuwarten. „Wir hoffen, mit Beginn des neuen Schuljahres 2016/17 starten zu können.“ Die beiden Schulleiterinnen Undine Bensch und Katrin Filschke wollen mit einer fünften Klasse beginnen. Mit jedem neuen Schuljahr kommt eine weitere hinzu, sodass in fünf Jahren alle Klassenstufen an der einzügigen Oberschule belegt sind. Wie das Gymnasium soll sie auch eine freie, evangelische Schule sein, die im selben Haus untergebracht ist. Das hat mehrere Vorteile, wie Katrin Filschke als Verwaltungsleiterin sagt: „Der zweite Bildungsgang ermöglicht uns, jeden Schüler zu seiner Leistungsspitze und somit zu seinem persönlichen Bildungsziel zu führen. Weiterhin bietet diese Entwicklung die Chance, das evangelische und diakonische Profil zu stärken und somit einen Beitrag zum Aktionsplan Inklusion der Stadt Herrnhut zu leisten.“

Die Stadt ist davon überzeugt, dass eine Oberschule Herrnhut und seine Ortsteile weiter aufwertet. Denn es ist elf Jahre her, dass die letzten damaligen Mittelschüler ihr Gebäude in Berthelsdorf für immer verließen. Für Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) ging mit der Schulschließung eine über mehr als dreihundert Jahre währende Schultradition zu Ende. „Gegen den Willen der damaligen Gemeinde Berthelsdorf und der Stadt Herrnhut“, wie er betont. Seitdem werden die Herrnhuter Schüler hauptsächlich in Bernstadt, Löbau, Oderwitz und Ostritz unterrichtet.

Sagt die Bildungsagentur ja, dann könnten ab September die ersten Fünftklässler fast vor ihrer Haustür lernen und müssten mit dem Schulbus nicht mehr über Land fahren. Das Interesse dafür ist schon jetzt spürbar, sagt Katrin Filschke. Die Resonanz zum Tag der offenen Tür am Sonnabend im Gymnasium war ungebrochen gut. Zu dem gymnasialen Bildungsgang kamen auch Fragen der Eltern zur Oberschule – und ob die Kapazitäten reichen. Das tun sie, erklärt Undine Bensch. „Für ein bis zwei Klassen haben wir Platz in unserem Schulhaus. Wenn weitere Klassen dazu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten in Herrnhut, die wir momentan prüfen.“

Auch wenn zunächst nur rund 20 Kinder die evangelische Oberschule besuchen werden, bleibt das Herrnhuter Vorhaben nicht ohne Folgen für umliegende Schulen. Zumal die Schülerzahlen sehr schwanken, wie die SZ aus dem Schul- und Sportamt des Landkreises erfuhr. Für den Planungsraum Herrnhut/Bernstadt prognostiziert das Amt für die Oberschule Bernstadt und die Freie Schule „Schkola“ in Ostritz 68 Schüler in diesem Jahr. Im Jahr darauf sackt die Kurve auf 57 ab, um 2017 auf 71 zu steigen. Für die darauffolgenden drei Jahre, bis 2021, wird mit etwas über 60 Schülern pro Jahr gerechnet.

Der Bernstädter Schulleiter sieht keinen Grund zur Panikmache. „Herrnhut wird den bestehenden Schulstandorten keinen Abbruch bringen“, ist sich Peter Selle sicher. Gegenwärtig lernen rund 330 Oberschüler an seiner Schule – und die künftigen Schülerzahlen bringen die Zweizügigkeit nicht in Gefahr. Wie es an der Oberschule Oderwitz damit aussieht, konnte die SZ nicht in Erfahrung bringen. Schulleiter Bernd Runge will sich zu dem Herrnhuter Vorhaben nicht äußern.

Schaut man auf den Einzugsbereich, könnten die betreffenden Oberschulen alle ihr Auskommen haben. Hinzu kommt, so das Schulamt, dass Ersatzschulen in der Regel einen größeren Einzugsbereich haben als öffentliche Schulen. Herrnhut könnte von den Grundschulen in Großhennersdorf, Ruppersdorf, Schönau-Berzdorf und Hirschfelde/Ostritz zehren.

Abgesichert wird der Unterricht zum Großteil von Lehrern aus dem eigenen Haus. „Hier befinden wir uns momentan in der Planung und in Gesprächen mit unseren Lehrkräften. Weitere Einstellungen sind aber durchaus möglich“, sagt Katrin Filschke. Momentan werden 350 Schüler von 41 Lehrern am Zinzendorf-Gymnasium unterrichtet. Insgesamt beschäftigt die Schulstiftung 50 Mitarbeiter. Und noch etwas möchte die Verwaltungsleiterin mitteilen: „Mit dem Abitur 2015 verließ uns der letzte einzügige Jahrgang. Das Gymnasium hat somit den vollständigen zweizügigen Ausbau erreicht.“