merken

Oberschule statt oberschlau?

Für den Nachwuchs im Landkreis Meißen ist das Gymnasium längst kein Muss mehr. In Kitas und Schulen fehlen weiterhin Pädagogen.

Es muss nicht immer ein Studium sein. So denken viele Heranwachsende und ihre Eltern mittlerweile.
Es muss nicht immer ein Studium sein. So denken viele Heranwachsende und ihre Eltern mittlerweile. © Ben Mullins/Unsplash

Der Landkreis liegt bei der Zahl der Schulen im sächsischen Trend: Sie stagniert seit 2007 – im Gegensatz zur Zahl der Schüler, die seit damals um über 3 000 gestiegen ist. Das zeichnet sich auch an den Grundschulen im Landkreis ab. Diese können seit dem Schuljahr 2007/2008 einen Zuwachs von zwölf Prozent verzeichnen, aktuell gibt es in der Region 8 555 Grundschüler. Auffällig: Das Modell der Oberschule hat deutlich an Attraktivität gewonnen. Während nur geringfügig mehr Schüler die Gymnasien im Landkreis besuchen als noch 2007 ( etwa 500), erlebte die mittlere Bildungsstufe hier mit 32 Prozent mehr Schülern (plus 2000) einen wahren Run, der nur in Dresden getoppt werden konnte (plus 40 Prozent).

Sorgen bereitet hinsichtlich dieser Zuwächse der sächsische Lehrermangel, der auch vor dem Landkreis nicht halt macht. Zum Ende des vergangenen Jahres waren hier 1 951 Lehrer beschäftigt, 2007 waren es noch 2 162 gewesen. Ein leichter Rückgang, der angesichts der hohen Schülerzahlen trotzdem schmerzt. Das Missverhältnis ist klar ein ländliches Problem: Viele Nachwuchslehrer zieht es nach Dresden und Leipzig, hier stiegen die Zahlen.

Anzeige
Ihre neue Küche – Zuhause mit dem Profi planen!
Ihre neue Küche – Zuhause mit dem Profi planen!

Bei der Küchenplanung zu Hause kommt der Experte direkt zu Ihnen - und nicht umgekehrt. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier!

Alle zwei Jahre veröffentlicht das Frankfurter Leibniz-Institut einen Bericht, der den aktuellen Stand des deutschen Bildungswesens untersucht. Im Auftrag der sächsischen Staatsregierung werden diese Ergebnisse dann von einer Gruppe wissenschaftlicher Experten für den Freistaat aufbereitet. In der letzten Ende Januar erschienenen Analyse wurden auch die sächsischen Regionen auf Herz und Nieren überprüft.

Dabei zeigte sich eine Tendenz: Nach Jahren des Geburtenrückganges bekommen die Sachsen seit 2011 wieder deutlich mehr Kinder. Die Folge: Im Vergleich mit vor 15 Jahren ist die landesweite Zahl an Schülern pro Jahrgang um etwa 4 000 gestiegen. Weil in Sachsen immer mehr Menschen erwerbstätig sind und dabei eine Vollzeitstelle ausüben, ist auch der Bedarf an Kita-Plätzen deutlich größer geworden. Im Landkreis Meißen stieg die Zahl der Betreuungsplätze in Kindertagesstätten von 2007 bis 2017 um etwa ein Drittel. Für diesen Bedarf, so kritisiert die Studie, sei der sächsische Betreuungsschlüssel in den Kitas jedoch immer noch viel zu niedrig, in allen Altersgruppen schneidet das Land schlechter ab als der Bundesschnitt.

Erzieher müssen sich in und um Meißen durchschnittlich um zwölf Kinder kümmern, das ist etwas schlechter als der sächsische Durchschnitt, der bei 11,8 liegt. Vor allem die freien Träger retten die Statistik: Eltern, die ihre Sprösslinge in eine private Einrichtung schicken, können damit rechnen, dass sich die Erzieher um ein Kind weniger kümmern müssen als an staatlichen Kitas. Obwohl die Wissenschaftler noch Optimierungsbedarf sehen, gibt zumindest der Vergleich zu 2007 Anlass für Beruhigung: Damals war eine Betreuungsperson im Landkreis nämlich noch durchschnittlich für 13,1 Kinder verantwortlich, an staatlichen Kitas sogar für 14. Allgemein seien keine systematischen Stadt-Land-Unterschiede bei der sächsischen Kinderbetreuung erkennbar, heißt es in der Studie. Bei der Betreuungsquote der Unter-Drei-Jährigen haben sich die Kreise Dresden, Meißen sowie Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sogar nahezu angeglichen. Alle drei Landkreise konnten hier zwischen fünf und neun Prozent zulegen.