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Obi übernimmt Baumarkt in Seidnitz

Nach der Schließung im Februar wird der Standort im Sommer neu eröffnet. Für die Anwohner bedeutet das kürzere Wege.

© Sven Ellger

Von Tobias Wolf

Für viele Anwohner von Seidnitz und Gruna dürfte diese zu den Nachrichten des Jahres gehören: Der im Februar geschlossene Max-Bahr-Baumarkt wird wieder geöffnet. Allerdings unter neuem Namen. Was in der jüngsten Sitzung des Blasewitzer Ortsbeirats als Randnotiz beinahe unterging, ist am Standort Bodenbacher Straße zumindest schon zu erahnen. Die bundesweit aktive Obi-Kette hat gestern die alten Bahr-Schilder abbauen lassen. Großformatige Werbeschilder künden schon von der Neueröffnung.

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Es habe diesen Monat bereits Gespräche zwischen Obi und dem Ortsamt gegeben, sagte Ortsamtsleiterin Sylvia Günther im Ortsbeirat. Demnach wolle die Baumarkt-Kette schon Mitte Juni mit dem Verkauf starten. Dies sei gut für die angrenzenden Stadtteile, die auf eine Nahversorgung angewiesen sind. Der Standort sei in der Vergangenheit von den Kunden immer gut angenommen worden, so Günther weiter. Denn die nächsten Baumärkte gibt es in Leuben, Prohlis oder Weißig – zu weit für viele Anwohner. Sie freuen sich darüber, dass der geschlossene Markt nun wieder eröffnet. So wie Heinz Martin aus dem Wohngebiet an der Liebstädter Straße.

„Bahr war zwar nicht am billigsten, dafür aber direkt in der Nachbarschaft“, sagt der 71-Jährige. „Wozu soll ich meine Zeit damit vertrödeln, sonst wie weit zu fahren.“ Vor allem für den alltäglichen Kleinbedarf habe er den Baumarkt genutzt: Glühlampen, Holzleisten, Malerzubehör und einmal im Jahr den Weihnachtsbaum. „Für meine Frau war die Schließung sogar richtig bitter, weil sie immer Pflanzen und Erde dort geholt hat“, sagt Martin.

Auch der Discounter Aldi neben der früheren Bahr-Filiale dürfte von der Neueröffnung durch die Obi-Kette profitieren. Der etwas versteckt liegende Lebensmittelmarkt ist auf die Kundschaft angewiesen, die der große Baumarkt anzieht.

Noch im Februar hatten viele Kunden die Max-Bahr-Filiale gestürmt, um Schnäppchen zu machen. Bei Rabatten bis zu 90 Prozent auf viele Waren kamen an Spitzentagen sogar ein Drittel mehr Besucher als sonst. Gleichzeitig sank die Stimmung der Mitarbeiter in den Keller, auch weil die Geschäftsleitung in der Hamburger Zentrale bis zum Schluss keine Zukunftsperspektiven mehr bieten konnte.

Dabei war die Max Bahr-Kette selbst nicht einmal insolvent. Im vergangenen Sommer hatte die Edelsparte des Praktiker-Konzerns in Sachsen noch sieben Bahr-Märkte mit rund 350 Beschäftigten. Im Gefolge der Praktiker-Pleite musste schließlich auch das Tochterunternehmen Max Bahr Insolvenz anmelden. Zudem hatte es Probleme mit dem Eigentümer der bundesweiten Bahr-Märkte gegeben, weil dieser offenbar mehr Miete verlangt hatte.

Genützt hat die Rabattschlacht am Jahresanfang den 35 Beschäftigten nichts. Für sie kommt die jetzt verkündete Eröffnung dennoch nicht zu spät. Denn Obi will an der Bodenbacher Straße 70 neue Arbeitsplätze schaffen. Frühere Bahr-Mitarbeiter dürften sich gern darum bewerben, sagt Obi-Sprecherin Elena Ottaviano gegenüber der Sächsischen Zeitung. Auch eine Bäckerei-Filiale soll in den Eingangsbereich des Marktes einziehen. Die Baumarkt-Kette betreibt in Dresden bislang nur eine Filiale in Weißig sowie mehrere Märkte im Umland.

Mit der Eröffnung an der Bodenbacher Straße haben die Anwohner wieder bessere Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil. Erst im Dezember hatte Marktkauf im Seidnitz-Center seine Pforten geschlossen. Bis Ende Juni muss er ausgezogen sein. Welcher Anbieter danach einziehen wird, ist noch unklar. Sicher ist nur, dass es nicht vor dem Herbst sein wird, weil der Markt wieder neu eingerichtet werden muss.