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Oderwitzer übernachtet im Himmel

Der Kletterer Volker Heinrich ist mit seinem Bruder Lutz bei einer Exotik-Tour im Iran unterwegs gewesen.

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© privat

Von Mario Sefrin

Oderwitz. Auf einer exotischen Tour ist in den vergangenen drei Wochen Volker Heinrich vom Klettergebiet am Oderwitzer Spitzberg unterwegs gewesen. 30 Jahre nach ihrer gemeinsamen Skiabfahrt vom Kasbek im Kaukasus war der 73-jährige Oderwitzer mit seinem 64 Jahre alten Bruder Lutz beim Expedition-Biwakieren auf dem 5671 Meter hohen Berg Damavand im Iran. Nun steht für beide noch der Chiripo, der höchste Berg des mittelamerikanischen Landes Costa Rica, auf dem Programm, informiert Volker Heinrich.

Die Gipfelbiwak-Tour ist für den Oderwitzer etwas Besonderes gewesen. „Es ist eine andere Dimension des Bergsteigens, besonders wenn es hohe allein stehende Berge sind, wie der Kilimandscharo, der Elbrus, der Fudschijama oder eben der Damavand im Iran“, sagt Volker Heinrich. „Bei einer normalen Besteigung eines Fünftausenders kommt man auf dem Gipfel an und ist mehr oder weniger fertig, macht ein paar Fotos und selbst, wenn man ideale Wetterbedingungen hat, steigt man wieder ab. Man will wieder runter und das möglichst bei Tageslicht und heil.“ Beim Gipfelbiwak sei das anders, sagt Volker Heinrich. „Man hat Zeit, 15, 20 Stunden. Man ruht sich aus, isst, trinkt und erholt sich von den Strapazen des Aufstiegs. Erst jetzt ist der Kopf frei und man begreift, wo man eigentlich ist, weit, weit oben, weg von der einen sonst umgebenden Umwelt, weg von den Problemen.“ Das schönste Gefühl stelle sich aber während der Dämmerung ein, schwärmt der bekannte Oderwitzer Kletterer. „In der Regel bildet sich zwei-, dreitausend Meter unter einem eine Wolkendecke. Wie eine schwebende Scheibe trennt sie ab von allem Irdischen. Wenn es dann ganz dunkel ist, ist diese Scheibe schwarz und man sitzt im Himmel, inmitten unzähliger Sterne.“ Ein einzigartiges Gefühl, dass man nur in dieser einzigartigen Situation erleben kann, so Heinrich. „Um dieses Glücksgefühl zu erleben, es zu genießen, deshalb biwakieren wir ganz oben.“ Auf Damavand haben die beiden Heinrich-Brüder ihr Gipfelbiwak in einer Höhe von 5604 Metern aufgeschlagen.

Um sich auf das Biwakieren auf dem Damavand vorzubereiten, waren Volker und Lutz Heinrich mehrere Wochen im Iran. Dabei haben sie mehrere Touren in der iranischen Bergwelt unternommen, um sich an die Gegebenheiten vor Ort zu gewöhnen. Und sie haben viele Einheimische kennengelernt, wurden immer wieder zum Tee und zum Essen eingeladen.

Inzwischen haben die Heinrich-Brüder die Besteigung des größten Vulkans Persien erfolgreich beendet. Der heilige Berg der Perser – genannt auch Frostiger Berg – habe mit jetzt noch Minus 16 Grad Celsius in der Nacht den Biwak nicht leicht gemacht, hat Heinrich per E-Mail an seine Frau Halina geschrieben. Dabei bekam Volker Heinrich auch von Einheimischen zu hören, dass er einen Weltrekord aufgestellt habe: Er hat als erster 73-Jähriger auf dem Damavand biwakiert. „Damit hat er das Ansehen von Deutschen im Iran sehr gestärkt“, sagt seine Frau. Nach dem Biwak im Iran sind die Brüder mittlerweile wieder vom Damavand abgestiegen und haben mit dem Flugzeug den Iran verlassen.