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Ökobetrieb in XXL

Im Vogtland will ein riesiger Landwirtschaftsbetrieb auf Bio umstellen. Dabei werden aus 3 000 Stallkühen glückliche Weidetiere.

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© dpa

Von Claudia Drescher

Riesige Ställe, meterlange Hallen: Noch ist das Agrarunternehmen im vogtländischen Eichigt das komplette Gegenteil von dem, was man sich unter einem Biobauernhof vorstellt. „Aber in einem Jahr werden Sie das hier nicht wiedererkennen“, sagt Christian Pfeffer. Er koordiniert die bislang größte Umstellung eines sächsischen Landwirtschaftsbetriebs auf Bio-Richtlinien. Bislang war nach Angaben von Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) ein Betrieb mit 1 000 Hektar der größte Umsteller im Freistaat.

Zwei Jahre lang habe Agrofarm 2000 nun Zeit, um sich auf einer Fläche von insgesamt 4 000 Hektar von konventionellen Methoden zu verabschieden, berichtet Mitarbeiter Pfeffer. In dieser Zeit müsse man ökologisch produzieren, dürfe die Ernte aber nur als konventionelle Erzeugnisse zu entsprechenden Preisen verkaufen.

Bis spätestens April 2018 müsse die Haltung der derzeit rund 3 000 Rinder artgerecht sein – grüne Weideflächen statt trister Ställe. Komplettumbau inklusive. Auch Getreide, Mais, Erbsen oder Lupinen müssten dann den Anforderungen des Anbauverbands Bioland entsprechen, erläutert Pfeffer weiter. Bioland ist mit mehr als 6 200 Betrieben Deutschlands Platzhirsch in Sachen Ökolandbau. Bundesweit gibt es knapp 25 000 Biobauern.

„Nach erfolgreicher Umstellung werden wir einer der größten Biobetriebe Deutschlands sein“, schildert Pfeffer. Die Idee, eine von der Existenz bedrohte Agrargenossenschaft mit rund 100 Mitarbeitern zu übernehmen, geht auf Thomas Greim zurück. Er ist Gründer des Biogroßhändlers Dennree, der neben einer eigenen Biomarke inzwischen auch mehr als 200 Bio-Supermärkte in Deutschland und Österreich betreibt. Da der Hauptsitz seines Unternehmens im nordbayerischen Töpen nur etwa 30 Kilometer von Eichigt entfernt sei, habe er die Chance ergriffen. „Mein Herz schlägt schon ein Leben lang für die Landwirtschaft“, begründet der Oberfranke seine Entscheidung.

Auch für Sachsens Landwirtschaftsminister Schmidt ist Bio zumindest ein Teil der Antwort auf die kriselnde Landwirtschaft. Die Entwicklung im Freistaat sei positiv, auch wenn man das einst von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 20 Prozent Ökolandbau nur in moderaten Schritten erreichen könne.

Derzeit bewirtschaften in Sachsen 556 Betriebe 37 500 Hektar Ökofläche. Das entspricht einem Anteil von nur 4,1 Prozent an der gesamten Anbaufläche. Damit liegt das Bundesland deutschlandweit an drittletzter Stelle. „Aber die Tendenz ist steigend, und in einzelnen Bereichen wie dem Obstanbau liegen wir bereits weit vorn“, sagt der Minister.Doch der Wechsel sei ein langwieriger und schwieriger Prozess, für den die Landwirte die richtige Motivation mitbringen müssten. Das dürfte den Vogtländern aber nicht schwerfallen. Greim ist seit 1974 in der Biobranche und hat sich in dieser Zeit vom Ein-Mann-Betrieb und Bio-Pionier zum Mittelständler mit mehr als 4 600 Mitarbeitern gemausert. (dpa)