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Österreicher wittern Verschwörung

Die Katarer stehen erstmals im Viertelfinale einer WM. Die bizarren Begleitumstände ihres Erfolges lösen bei Handballern aber Kopfschütteln aus.

Von Christoph Stukenbrock

Die hoch bezahlten Stars in den katarischen Trikots hüpften nach dem Abpfiff ausgelassen über das Spielfeld und feierten ihren ersten Viertelfinalzug bei einer Handball-WM mit La Ola. Da braute sich in den Katakomben das Unheil zusammen. „Ich glaube, Katar wird Weltmeister“, sagte Patrekur Johanesson, isländischer Teamchef der unterlegenen Österreicher, mit ernstem Gesichtsausdruck und voller Sarkasmus – und brachte die allgemeine Gemütslage dadurch auf den Punkt.

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Die zusammengekaufte Multi-Kulti-Truppe des Gastgebers überzeugte beim hart erkämpften 29:27 gegen Österreich spielerisch keinesfalls. Die bizarren Begleitumstände ihres Erfolges sorgten für einen faden Beigeschmack. Die Verlierer witterten eine Verschwörung und übten heftige Kritik am Auftritt der Referees.

„Ich habe noch nie in meinem Leben eine Halbzeit erlebt, in der es so viele Offensivfouls gegeben hat“, monierte Kapitän Viktor Szilagyi vom Bundesligisten Bergischer HC. Nach der österreichischen Halbzeitführung habe das kroatische Schiedsrichtergespann seine Linie geändert. „Vielleicht muss man das erwarten. Ich kann das schwer akzeptieren“, sagte er und nährte somit den Verdacht, die Unparteiischen bevorteilten die katarische Auswahl bei der Endrunde in ihrem Land. Das Viertelfinale der Gastgeber morgen gegen Deutschland dürfte dadurch unter strengster Beobachtung stehen.

Während sich der ehemalige Bundesliga-Spieler Johanesson lieber nicht zur Leistung der Referees äußern wollte, nahm Torhüter Thomas Bauer vom Bundesligisten TBV Lemgo kein Blatt vor den Mund. Nach dem Schlusspfiff stürmte er auf die beiden Schiedsrichter Boris Milosevic und Matija Gubica zu und geigte ihnen lautstark seine Ansicht. „Ich habe ihnen nur mitgeteilt, dass sie zu Beginn die besten Unparteiischen des Turniers waren – und nach den letzten fünf Minuten das Gegenteil“, sagte Bauer. Die österreichische Kronen Zeitung titelte gestern: „Österreich von Referees und Katar aus WM gekickt!“

Die Hausherren feierten derweil den größten Erfolg in der Geschichte des katarischen Handballs. „Die Menschen und die Regierung haben diesen Sieg verdient“, betonte ihr spanischer Trainer Valero Rivera: „Wir sind jetzt unter den besten acht Mannschaften der Welt. Das ist fantastisch und ein Geschenk, in Katar zu arbeiten.“

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Auch die einheimischen Medien zelebrierten den Erfolg ihrer Retortenauswahl. „Wunderbares Katar schreibt Geschichte“, titelte die Tageszeitung The Peninsula. Die Mannschaft, in der bloß vier gebürtige Katarer spielen, schaffte als erstes asiatisches Team nach Südkorea den Viertelfinaleinzug. Da soll noch lange nicht Schluss sein. „Der erste Traum ist wahr geworden. Jetzt müssen wir weitermachen“, erklärte Rivera. Der beste Torschütze Zarko Markovic versprach: „Wir können noch mehr.“ (sid)