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Offensive für Mary Wigman

Endlich geht es los. Der Verein für das Erbe der Dresdner Ausdruckstänzerin plant erstmals Kunst fürs breite Publikum – an Wirkungsstätten der legendären Frau.

© Nora Otte

Von Bernd Klempnow

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Männer sind ja doch die besseren Tänzer. Zumindest eignen sich ihre größeren Hände für effektvolle Bilder des Ausdruckstanzes – wie das Foto zeigt. Die zwei gestalten die Choreografie „Exzess und Stille“ von der Dresdnerin Nora Otte, die damit an das Wirken von Mary Wigman (1886 – 1973) erinnern will. Die war eine der Wegbereiterinnen des rhythmisch-expressiven Ausdruckstanzes, der von Dresden aus zwischen 1920 und 1935 eine Blütezeit hatte. Demnächst ist „Exzess und Stille“ live und für jedermann in Dresden zu erleben: wenn der Verein „Villa Wigman“ am 22. September den ersten Wigman-Tag für eine breite Öffentlichkeit durchführt. Von 11 bis 20 Uhr sind an Wirkungsstätten der Künstlerin Aktionen geplant. Per Bus geht es quer durch die Stadt.

„Nach ersten, eher internen Veranstaltungen für Tänzer, Studenten und Schüler gehen wir nun in die Offensive“, sagt Isolde Matkey von jenem Verein, der sich um das ideele Erbe der Legende bemüht. Die Initiative versucht, die ehemalige Wigman-Schule an der Bautzner Straße als Produktionsort und als jener zur Beschäftigung mit dem Modernen Tanz zu profilieren. Das Gebäude, von 1920 bis 1942 Schule der Wigman, ist neben dem Festspielhaus Hellerau und der Palucca Schule die kulturhistorisch bedeutsamste Tanzstätte Sachsens.

Gut 100 Mitwirkende gestalten am 22. September Kunstaktionen an elf Stationen etwa auf dem Marktplatz der Gartenstadt Hellerau, auf dem Platz vor dem Festspielhaus, am Georg-Arnhold-Bad und am Bahnhof Neustadt. Start und Ziel der dreistündigen Busreise ist die Villa Wigman: 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr geht es los. „Wir wollen mit vielen Partnern wie dem Schütz-Konservatorium, Societaetstheater und Festspielhaus Hellerau nicht nur auf existierende oder verschwundene Stätten, die mit Wigman verbunden sind, aufmerksam machen“, so Matkey. „Uns interessieren ebenso ihre künstlerischen Motive und Themen ihrer Arbeit und Biografie. Woraus entwickelten sich Form und Stil, welchen Einfluss hatte das Bauhaus, wie war das Körperverständnis jener Zeit?“ Deshalb gibt es „Exzess und Stille“ am Albertplatz, wo die Wigman im damaligen Alberttheater oft aufgetreten war. Einen Stopp gibt es am Postplatz, wo einst das Palasthotel gestanden hatte, in dem die Künstlerin 1919 logierte. Hier tanzte die spätere Schülerin Gret Palucca ihr vor – angeblich so sprungstark, dass sie mit dem Kronleuchter kollidierte. Ebenso wird das Wohnhaus und Atelier der Fotografin Charlotte Rudolph angesteuert. Sie hatte in ihren berühmten Aufnahmen die besondere Ästhetik der Wigman festgehalten. Die moderierte Busfahrt kostet 28 Euro, ermäßigt 18 Euro. Doch auch, wer zufällig an den Stationen vorbeikommt, sei eingeladen, zuzuschauen. „Solche Aktionen sollen helfen, das historische Gedächtnis lebendig zu halten. So, wie in Dresden die Komponisten Wagner und Strauss viel gespielt werden, sollte auch das moderne Erbe des Tanzes gepflegt werden.“

Infos/Tickets an allen Vorverkaufsstellen, im Societaetstheater, www.villa-wigman.de und www.reservix.de

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