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Offiziell verpönt, privat salonfähig

Das Begräbnis der Tito-Witwe Jovanka hat die Nostalgie um das einstige Jugoslawien wieder kräftig angeheizt.

Von Thomas Brey, Belgrad

Tausende waren am Wochenende zur Beerdigung der „Königin des kommunistischen Jugoslawiens“ gekommen. Sie gaben der vor einer Woche gestorbenen Tito-Witwe Jovanka (88) in Belgrad das letzte Geleit: Mit jugoslawischen Fahnen samt Staatswappen mit den lodernden knallroten Flammen und dem Gründungstag Jugoslawiens am 29.11.1943. Der vom einstigen Partisanenführer Josip Broz Tito gegründete Staat aller Südslawen ist in blutigen Bürgerkriegen auseinandergebrochen. Doch in einigen der sieben Nachfolgestaaten ist die Jugo-Nostalgie höchst lebendig.

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Genaue Umfragen dazu gibt es natürlich nicht. Doch die Ausstellung „Jugoslawien vom Anfang bis zum Ende“ wurde an manchen Tagen in Belgrad regelrecht gestürmt. Dargestellt wird die „gute alte Zeit“ in den 60er- und 70er-Jahren. Zu Zeiten des Kalten Krieges gefiel sich das Land als Brücke zwischen Ost und West. Mit Krediten aus beiden Lagern und eigenem Fleiß wurde das rückständige Agrarland in das Industriezeitalter katapultiert. Sinnbild war der in Lizenz im Werk „Rote Fahne“ montierte Fiat 750. Mit einer Million Exemplaren wurde der „Fica“ Ikone des blühenden Jugoslawiens.

Der Selbstverwaltungssozialismus

Spätestens bis in die 70er-Jahre waren breite Schichten in fast allen Teilen Jugoslawiens zu bescheidenem Wohlstand gekommen: mit Wohnungen in den neu gebauten Satellitenstädten, dem „Fica“, jährlichen Urlauben an der Adria, Auslandsreisen ohne Visa und passablen Einkommen. Der Staat sorgte mit seinem sogenannten „dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus“ fürs Auskommen der meisten. Der „Selbstverwaltungssozialismus“ tat niemandem weh und ließ viele private Freiräume. Wer politisch nicht gegen die sozialistische Tito-Ideologie opponierte, genoss fast alle Freiheiten.

Heute sind große Teile der Bürger in den Nachfolgestaaten verarmt, ihre Staaten sind überschuldet, der Lebensstandard ist niedrig, die Arbeitslosigkeit dagegen immens hoch. Da kann man schon mal träumen, wenn zum Beispiel die einstigen jugoslawischen Pop-Idole wie Goran Bregovic (Frontmann der Gruppe „Bijelo Dugme“) oder der Liedermacher Djordje Balasevic auftreten – immer vor vollen Häusern.

Die offizielle Politik scheut vor Allem zurück, was auf eine neue Gemeinsamkeit der früheren jugoslawischen „Brudervölker“ hinauslaufen könnte. Doch überall sind bis heute die Relikte aus dieser Zeit gegenwärtig: In der kroatischen Hauptstadt Zagreb gibt es in der Innenstadt ebenso noch den „Marschall-Tito-Platz“ wie eine entsprechende Hauptstraße in Sarajevo.

Wallfahrt zu Titos Geburtsort

Der kommunistische „Jugendtag“ am 25.  Mai wird auch heute noch von Tausenden begangen. Und Titos Geburtsort im kroatischen Kumrovec wird immer mehr zu einer Wallfahrtsstätte der Jugonostalgiker – übrigens zum Leidwesen der örtlichen Behörden. Gerade erst gründeten sie dort sogar wieder eine neue Kommunistische Partei. Doch was heute meist vergessen wird: Der Aufbau des Landes mit seiner modernen, viertgrößten Armee Europas wurde auf Pump finanziert. Die riesigen Staatsschulden waren später einer der Auslöser für die vielen Kriege beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens. (dpa)