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Oktoberfest auf Sächsisch am Lugturm

Es gibt Bier, Weißwürste und Schweinshaxen. Und Karten für die nächste Veranstaltung.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

Heidenau. Die im Frühjahr auf dem Turm gehisste Sachsenfahne ist schon etwas zerfleddert. Der Regen und Sturm der vergangenen Tage hat weiter an ihr gezerrt. Beide sind auch schuld, dass zum Oktoberfest unter der Sachsenfahne kaum Leute in Dirndl und Lederhose kamen. Vereinzelt sind ein paar graue Filzhüte mit Gams- oder sonstigen Federn auf den Köpfen vorwiegend ebenfalls ergrauter Männer zu sehen.

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Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) brauchte am Freitag zwei Schläge, um das Bier aus dem Fass in die Maßkrüge fließen zu lassen. Nur erlebten das aufgrund des Wetters nicht viele. Am Sonnabend waren es mehr, so viele sogar, dass der breite Kistenlader-Transporter der Obstbauern zu tun hatte, zwischen den parkenden Autos auf der Straße hindurchzukommen.

Die Schweinshaxen und die Weißwürste sind gefragt, mehrfach ordert der Caterer aus Dresden Nachschub. Auch Jens Genschmar schleppt, in bayrischer Oktoberfest-Kleidung, Bierfass um Bierfass heran. Der Lugturm ist für den Dresdner und seine Familie so etwas wie das zweite Zuhause geworden. Jede freie Minute sind sie hier. Viel ist seit März hier rund um den Turm und die ehemalige Gaststätte geworden. Da war noch alles zugewachsen, verwildert. Heute schon kaum noch vorstellbar. Immer wieder sprechen ihn Leute darauf an.

Zwischendurch gibt er reservierte Karten für Silvester aus und nimmt weitere Reservierungen an. 180 Leute werden Platz haben, über die Hälfte ist schon vergeben und mehr als doppelt so viele werden wohl um Mitternacht zu Heidenaus Balkon kommen, um die Feuerwerke in der Sächsischen Schweiz und Dresden zu erleben.

Bis Silvester gibt es noch das Kürbisfest am letzten Oktoberwochenende und den Weihnachtsmarkt vom 8. bis 10. Dezember. Das Kürbisfest wird vielleicht noch verlängert, weil ja dann gleich Halloween ist. Und da biete sich für die Kinder was an. Die mögen das Gelände mindestens genau so wie die Erwachsenen. Die teilen hier ihre Erinnerungen mit anderen und mit Genschmar.

Ein Ehepaar aus Niedersedlitz hat ihm am Sonnabend eine alte Ansichtskarte des Lugturms von 1911 mitgebracht und bei dieser Gelegenheit auch gleich ihre Silvesterkarten abgeholt. Sie stehen mit dem Schirm an einem der drei aus Paletten und Resten vom Zaunbau gezimmerten Tischen und sagen: Bei schönem Wetter kann jeder. Zumindest sind nun etliche da, wenngleich die Zahl der Besucher nicht mit der bei schönem Wetter vergleichbar ist. Vielleicht verstörte auch der Name Oktoberfest manche.

Als es am Sonnabend schon dunkel ist, kommt dann doch noch einer in Lederhosen, Socken und Trachtenjunker. Das ist kein verirrter Bayer, sondern ein Dohnaer. Heiko Scholz ist mit seiner Familie gekommen. Seine Frau hat das Dirndl zu Hause gelassen, zu kalt. Er stellt sich mit seinen zwischen Hosensaum und Sockenrand und nackten Beinen ans Feuer.

Dass er hier viele in Tracht trifft wie beim Original-Oktoberfest, hat Scholz nicht geglaubt. Die Familie ist das vierte oder fünfte Mal am Lugturm. Weil es cool und gut ist, was hier gemacht wird. „Wenn Hilfe gebraucht wird, würde ich mit zupacken“, sagt Scholz. Sein bayrisches Kostüm hat er aber nicht extra fürs Lugturm-Oktoberfest gekauft, das hatte er schon von einem Österreich-Urlaub länger. Bei Dorffesten dort ist man damit gut ausgestattet, sagt er. Und so genau sieht man am Lugturm nicht hin, Oktoberfest hin, Österreich her.