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Olympia am anderen Ende der Welt

Südlich des Äquators fanden noch nie Winterspiele statt. Das könnte sich ändern. Ushuaia erwägt eine Bewerbung.

Von Juan Garf

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Weiter südlich geht es kaum noch.
Ushuaia, 3 000 Kilometer von Buenos Aires in Richtung Südpol entfernt, erwägt gemeinsam mit der argentinischen Hauptstadt eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele im Jahr 2026. „Als Marketing-Strategie ist die Bewerbung gut“, sagt Martin Bianchi, Event-Koordinator der örtlichen Tourismus-Agentur Infuetur. „Wenn man die Winterspiele aber tatsächlich ausrichten will, dann muss man sich schon sehr ernst daransetzen.“

Ein Eisbrecher verlässt den Hafen von Ushuaia. Die argentinische Stadt befindet sich in der Inselwelt von Feuerland an der Südspitze Südamerikas. Foto: dpa/Prensa Defensa/telam
Ein Eisbrecher verlässt den Hafen von Ushuaia. Die argentinische Stadt befindet sich in der Inselwelt von Feuerland an der Südspitze Südamerikas. Foto: dpa/Prensa Defensa/telam © dpa

Argentinien brachte sich in der vergangenen Woche überraschend ins Spiel. Angesichts der Probleme bei den Kandidaten Calgary, Stockholm und Mailand zusammen mit Cortina d’Ampezzo könnten die Südamerikaner eine Alternative darstellen. Zunächst blieb unklar, ob Buenos Aires und Ushuaia Olympia in acht Jahren haben wollen, oder es eher darum geht, die bisherigen Bewerber unter Druck zu setzen, damit sie sich etwas mehr ins Zeug legen.

Bisher war eine Kandidatur der Argentinier bloß für die Winterspiele im Jahr 2030 im Gespräch. Auch für die nächsten Olympischen Winter-Jugendspiele im Jahr 2024 interessieren sie sich, nachdem die Olympischen Sommer-Jugendspiele im vergangenen Monat in ihrer Metropole stattfanden. „Nach diesem überwältigenden Erfolg kann keiner mehr daran zweifeln, dass Buenos Aires auch künftig eine großartige Stadt für Olympische Spiele sein könnte“, sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Eigentlich will das IOC die Winterspiele wieder verstärkt in traditionelle Wintersportgebiete vergeben – auch, um die Kosten gering zu halten. In Ushuaia dagegen wäre noch einiges zu tun. „Die Infrastruktur im Skigebiet Cerro Castor ist modern und gut, müsste aber ausgeweitet werden“, sagt Bianchi, der 2006 bei den Spielen in Turin als Skilangläufer startete. „Die Loipen müssten noch stärker ausgebaut werden. Skischanzen oder Bob-, Schlitten- und Skeletonbahnen gibt es nicht.“

Bei den Aktiven ist die Region beliebt. Im europäischen Sommer kommen regelmäßig Profis zum Training nach Cerro Castor, beispielsweise Sportdelegationen aus Frankreich, Italien, der Slowakei und Russland. 2015 trafen sich etwa 700 Skilehrer zum Kongress Interski in der Provinzstadt am Ende der Welt.

„Wir haben in Feuerland die beste Landschaft und den besten Schnee Südamerikas. Ushuaia ist mit Skandinavien vergleichbar – einer der wenigen Orte der Welt, an dem es Schnee praktisch auf Meereshöhe gibt“, sagt Bianchi. „Der Schnee in Feuerland ist Breitengrad-, kein Höhenschnee. Dadurch gibt es auch die großen Flächen für den Skilanglauf, die es nicht in den reinen Berggegenden gibt. In Europa gibt es immer weniger Schnee.“

Ushuaia bedeutet in der Sprache der seit Langem ausgestorbenen indigenen Yamana „Die Bucht, die das Land bis zum Westen durchdringt“. Es ist einer der südlichsten Orte der Welt. Er liegt auf dem Breitengrad 54 – vergleichbar mit Kiel oder Moskau auf der Nordhalbkugel. Die Durchschnittstemperatur im kältesten Wintermonat liegt bei einem Grad Celsius. Das ist allerdings dort im Juli. Schnee liegt normalerweise von Juni bis Oktober.

Falls die Winterspiele tatsächlich erstmals auf der Südhalbkugel stattfinden, müsste der Olympia-Kalender geändert werden. Das ist wohl das größte Manko von Argentinien: Die Begeisterung für Olympische Winterspiele dürfte sich bei den Fans in den USA und Europa im Hochsommer in Grenzen halten. (dpa)