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Geld und Recht

Online-Kredit, unkompliziert und doch seriös

Begünstigt durch das wachsende Online-Banking werden immer mehr Kredite im Internet vergeben.

© Gu Hyeok Joeng

Mit Getreidekörnern fing alles an: Um 3000 v. Chr. wurde in Mesopotamien an Bauern Saat verliehen, die sie nach der Ernte zuzüglich Zinsen zurückgeben mussten. Heutzutage gilt dies als Geburtsstunde des Kreditwesens. Als im 7. Jahrhundert in Griechenland die ersten Münzen geprägt wurden, entstanden Geldwechsel- und Leihgeschäfte. Seitdem hat sich viel getan. Vor knapp zweihundert Jahren etablierten sich in Europa große Kreditbanken. Die Entwicklung des Internets sorgt nun für eine stetige Verlagerung der Geld- und damit auch Kreditgeschäfte in den Online-Bereich. In Deutschland stieg deren Anteil von acht Prozent im Jahr 1998 auf 55 Prozent in 2014.

Unterschiede zwischen Internet und Bankfiliale

Seit einigen Jahren bieten verstärkt Online-Kreditportale wie CHECK24.de, KREDITEXPERTE.de oder smava.de ihre Dienste an. Anfangs wurden diese von den Betreibern der Banken belächelt. Sie glaubten nur, wer bei ihnen keinen Kredit mehr bekomme, versuche es im Internet. Entsprechend schlecht wäre die Zahlungsmoral. Die Geldhäuser mussten aber feststellen, dass Kunden nicht nur wegen schwacher Bonität durch ihr Raster fallen, sondern auch wegen hoher bürokratischer Hindernisse. Nun verfolgen die Banken genau, was sich online tut. Denn selbst das Argument des ominösen Geschäftes wurde hinfällig, da die Kreditvergabe im Internet deutlich sicherer geworden ist. Wo liegen die Unterschiede von Online- und Bankkrediten?

Bei beiden erhält der Kreditnehmer einen Betrag, den er über eine bestimmte Laufzeit mit Zinsen zurückzahlen muss. Diese sind bei einer Internetvergabe jedoch meist niedriger, da die Anbieter geringere Kosten haben. Auch ist online die Konkurrenz größer und dadurch die veranschlagte Gewinnmarge kleiner. Und der Überblick über den Markt sowie die verschiedenen Anbieter ist besser. Vergleichsportale zeigen übersichtlich alle verfügbaren Produkte auf. In der Filialbank hingegen muss für jedes Angebot eine Kreditanfrage gestellt werden, die wiederum einen negativen Einfluss auf das Schufa-Score haben kann. Das Internet hat für Verbraucher neue Wege für einen qualifizierten Kreditvergleich eröffnet. Bei den großen Vergleichsportalen müssen die Daten nur einmal eingegeben werden und der Verbraucher erhält sofort im Anschluss Kreditangebote, sofern auf Grundlage der Daten Banken Kredite gewährt werden können. Zudem haben Filialbanken feste Öffnungszeiten an einem bestimmten Ort. Das Internet ist rund um die Uhr verfügbar. Der Kredit lässt sich bequem von zu Hause aus beantragen. Der Vorteil der Filialbanken ist die persönliche Beratung. Bei einem Online-Kredit sollte man wissen, wonach man sucht – in der Regel ist dies ein Raten- beziehungsweise Konsumentenkredit. Aber auch Baufinanzierung oder Umschuldung sind gängige Varianten.

Vorsicht vor schwarzen Schafen

Die Vergleichsportale vermitteln Kredite von seriösen Direktbanken und informieren zu etwaigen Themenkomplexen und Fragestellungen. Man sollte genau vergleichen und unter Umständen mehrere Angebote einholen, da die Konditionen auf Standardfaktoren beruhen. Meist weichen die eigenen finanziellen Umstände aber davon ab. Um ein Angebot zu erhalten, muss eine Liste ausgefüllt werden. Abgefragt werden Einkommenshöhe und Lebenshaltungskosten wie Miete oder Versicherungen. Auch darf sich die Direktbank bei der Schufa nach der Bonität des Interessenten erkundigen. Das Angebot muss den effektiven Jahreszins beinhalten. Denn die Effektivverzinsung gibt die tatsächlichen Kreditkosten an und ermöglicht somit eine Vergleichbarkeit der Angebote.

Vorsicht ist geboten, wenn mit einer „schnellen Soforthilfe“ geworben wird. Ebenso unseriös ist der versprochene Verzicht auf die Schufa-Anfrage. Damit locken Portal-Betreiber, die lediglich die Vermittlungsgebühr einstreichen wollen. Denn sie leiten die Anfrage nur an die Direktbanken weiter und entscheiden über Kreditvergabe und -konditionen. Auch sollte man sich nicht auf eine Zusendung der Vertragsunterlagen per Nachnahme einlassen. Denn so wird die Vermittlungsgebühr vor der Prüfung der Unterlagen fällig. Generell gilt: Nichts zahlen, bevor der Kredit gewährt wurde.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin Cornelia Fiedler.

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