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Online-Shopper verstopfen Zollämter

Wer weltweit im Internet einkauft, sollte sich mit deutschen Einfuhrbestimmungen auskennen. Sonst wird es teuer oder anders unangenehm.

© dpa

Von Frank Christiansen

Bei den Zollämtern fliegen immer wieder die Fetzen. „Das gibt manchmal richtig Ärger“, berichtet die Düsseldorfer Zollbeamtin Dagmar Böttcher. 34.000 Pakete sind im dortigen Bezirk allein 2013 „gestrandet“ und mussten von den Empfängern abgeholt werden – oft mit happigen Nachschlägen an Zöllen und Einfuhr-Umsatzsteuer. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl solcher Pakete mehr als verdoppelt. „Die allermeisten waren von Online-Shoppern“, berichtet Böttcher. Bundesweite Zahlen gibt es nicht, aber hochgerechnet auf Deutschland wären das rund 1,6 Millionen Pakete.

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„Wir haben da enorme Steigerungsraten“, bestätigt Wolfgang Brüggen, Leiter des Zollamtes Düsseldorf-Nord. Um den Andrang bewältigen zu können, hat man allein für Düsseldorf inzwischen eine zweite Abholstelle einrichten müssen. Bei einer Wartezeit von bis zu drei Stunden liegen dann manchmal die Nerven blank. „Das sind Dramen, die sich da abspielen“, berichtet Zollbeamtin Dorothee Klapdor.

Viele sind völlig überrascht, wenn auf die Online-Order ein Zollbescheid folgt, weil die Ware von außerhalb der EU anlandet: „Sie bestellen in England, aber die Ware kommt trotzdem aus China.“

Ingrid C. kennt die Prozedur schon: „Ich komme öfter, ich bin Profi – seit meine Töchter im Internet bestellen.“ Diesmal ist es eine Jeans, die in dem Paket zum Vorschein kommt. Der Rest ist Formsache und Frau C. schnell verschwunden – samt Jeans.

Doch es gibt auch die anderen Fälle: Schnäppchenjäger, die sich gar nicht mehr beruhigen können, wenn ihnen der Zoll den tatsächlichen Preis ihres Einkaufs präsentiert. Oder die merken, dass sie umsonst angestanden haben, weil ihnen die Rechnung fehlt. „Da muss trotz allen psychologischen Geschicks schon mal Verstärkung hinzukommen.“

Pendlerströme zu Beamten

Was auf die einzelnen Warenarten an Zoll erhoben wird, füllt eine ganze Datenbank, und über die Zuordnung lässt sich trefflich streiten. „Lebensmittel sind teuer – 25 Prozent, Notebooks dagegen null Prozent.“ Außerdem kommt für Waren aus Nicht-EU-Ländern die Mehrwertsteuer hinzu, die beim Zoll Einfuhrumsatzsteuer heißt. Ab einem Warenwert von 22 Euro ist sie zu entrichten, Versandkosten und Zoll werden dabei mitgezählt.

Auch die Anfahrt und Öffnungszeiten von 7.15 Uhr bis 16.15 Uhr konterkarieren das bequeme Online-Shopping. Ist keine Rechnung und keine Inhaltsangabe außen am Paket angebracht oder wird deren Richtigkeit bezweifelt, wird der Empfänger auch wegen Kleinstartikeln zum Zoll zitiert: „Ich musste schon wegen ein paar Deo-Stiften hin und wegen LED-Fahrradleuchten für fünf Euro. Da musste ich dann erklären, dass es sich nicht um gefährliche Laser-Pointer handelt“, berichtet Tobias B. aus Düsseldorf. Aber die Zollbeamten dürfen die Pakete nicht alleine öffnen – wegen des Post-Geheimnisses und der Gefahr von Regressforderungen, sollte die Ware beschädigt werden oder etwas fehlen. Deswegen werden die Pendlerströme zu den Zollämtern wohl analog zum Online-Versandhandel weiterwachsen. Besonders ärgerlich wird es, wenn das Schreiben vom Zoll während des Urlaubs ins Haus flattert: Nach zwei Wochen gehen die Pakete zurück an den Absender. (dpa)