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Operieren in 3-D

Am Freitaler Klinikum entsteht ein Hybrid-OP-Saal. Was klingt wie aus Science Fiction, bringt den Patienten eine Menge.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

Freital. Wenn es nach Hans-Joachim Florek gehen würde, wäre jetzt schon wieder November. Ein kleiner Zeitsprung ein paar Monate voraus würde dem Chefarzt für Gefäßchirurgie der Weißeritztal-Kliniken einen Arbeitsplatz wie aus einem Science-Fiction-Film bescheren. Nur dass dies, was jetzt am Freitaler Krankenhaus passiert, eigentlich schon Gegenwart ist. Aber eben auch noch Neuland für viele Einrichtungen. Die Klinik beginnt in dieser Woche mit der Errichtung eines Anbaus. In dem soll ein neuer, fünfter OP-Saal entstehen. Und der hat einen Namen wie aus einer anderen Galaxie: Hybrid-OP-Saal.

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Im neuen OP-Saal operieren Chefarzt Florek und seine Kollegen mit modernster Röntgentechnik der Firma Siemens.

Jahrzehntelang gab es nur eine erfolgreiche, aber für Patienten wie Ärzte anstrengende und belastende Methode: „Bauch aufschneiden, operieren, Bauch zunähen“, zählt Florek auf. Der Spezialist für Gefäßchirurgie hilft Menschen, bei denen wichtige Hauptblutgefäße zu platzen drohen und fädelt in die Adern filigrane Prothesen, auch Stents genannt, ein. Diese verstärken die Wände der Blutgefäße. Die Methode ist mit den Jahren schon so weit verfeinert worden, dass Mediziner wie Florek gar nicht mehr riesige Narben hinterlassen. Vielmehr schneiden sie kleinere Öffnungen und setzen ihre Stents. Mithilfe von Röntgenbildern und Ultraschalltechnik platzieren sie die Prothesen in Millimeterarbeit an die richtige Stelle. Nun kommt der Sprung in die neue Dimension.

Florek sitzt in seinem Büro und zeigt auf Fotos. Zu sehen ist darauf der OP-Tisch – wie gehabt. Er ist aber von modernster Technik umgeben. Es fällt ein riesiger Arm auf, an dessen Ende ein U-förmiger Apparat rotiert – das Röntgengerät. „Das schwenkt dann um den Patienten, der bereits narkotisiert ist, herum und liefert scharfe 3-D-Bilder“, erklärt Florek. Diese würden anschließend per Hochleistungsrechner animiert und auf einem großen Bildschirm im OP angezeigt.

Vorbei ist damit die Zeit der grau-weißen Röntgenaufnahmen und wackeligen Ultraschall-Bilder, die das Körperinnere nur im 2-D-Format abbilden. Das sei im Prinzip immer noch recht gute Technik und werde nach wie vor an vielen Krankenhäusern genutzt. Florek: „Aber die Zukunft sieht anders aus.“

Um die 30 Kliniken in Deutschland, schätzt Hans-Joachim Florek, haben bereits die neuen Hybrid-OP-Säle. Florek selbst, der als Ausbilder mehrmals im Jahr in anderen Häusern zu Gast ist, hat vor etwa drei Jahren erstmals in einem Hybrid-OP-Saal gearbeitet. „Ich muss sagen, das war ein Ereignis. Ich war danach völlig euphorisch.“ Seitdem habe er dafür gekämpft, in Freital so einen OP-Saal einzurichten.

Die Operationen, die Florek durchführt, dauern derzeit noch fünf bis sechs Stunden. Mit der neuen Technik und aufgrund der scharfen Bilder, die noch zielgenaueres Arbeiten ermöglichen, wird die OP-Zeit um etwas mehr als die Hälfte reduziert. Auch die Röntgenstrahlung, für Patienten wie Mediziner eine Belastung, verringert sich um etwa 60 Prozent.

Die Bauarbeiten für den Hybrid-OP-Saal am Freitaler Klinikum haben in dieser Woche begonnen. Errichtet wird der Anbau nahe der Krönertstraße an der Stirnseite des Hauses N. In der ersten Etage des Anbaus wird der Hybrid-OP-Saal eingerichtet. Er soll nicht nur den Gefäßchirurgen, sondern auch den Kollegen aus der Wirbelsäulenchirurgie dienen.

Gegen Jahresende wird der neue OP-Saal in Betrieb gehen. Bis dahin soll das Personal – neben Chefarzt Florek drei weitere Gefäßchirurgen, drei OP-Schwestern und zwei Gefäßassistentinnen – entsprechend geschult werden. Hans-Joachim Florek kann den Start kaum erwarten: „Das ist die Zukunft, und wir Freitaler sind mit dabei.“