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Orchesterproben im Kraftwerk

Das Heinrich-Schütz-Konservatorium mietet weitere Räumlichkeiten und es stehen weitere Interessenten fest.

© Marion Doering

Von Katalin Valeš

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Es riecht nach Linoleum, Steinen und Staub. Von den Wänden bröckelt großflächig der Putz. Beim Betreten des riesigen, lichtdurchfluteten Raums mit der Glasdecke hallen die Schritte. In der Mitte steht erhaben ein massiver Holzschreibtisch mit roten Telefon und den fest eingebauten Messgeräten. Die ehemalige Schaltzentrale im Kraftwerk Mitte würde sich gut als Kulisse für einen Historienfilm eignen. Die Schaltwand aus Metall ist fast komplett original erhalten aus den 1920er-Jahren.

Doch bald werden in der historischen Schaltwarte Instrumente und Kinderstimmen zu hören sein. Denn künftig soll in der ersten Etage des Lichtwerks der neue Orchesterproberaum des Heinrich-Schütz-Konservatoriums (HSKD) untergebracht sein. Vor sieben Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, das 1994 stillgelegte Kraftwerk wieder mit Leben zu füllen. Seitdem entsteht im Herzen der Stadt Stück für Stück ein kulturelles Zentrum. Das besondere Flair soll erhalten bleiben, versichert Frank Neuber, der als Bereichsleiter für die Liegenschaften der Drewag zuständig ist: „Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Schaltwarte ein Kronjuwel. Unser Ziel ist es, dass auch bei neuer Nutzung die alte noch erkennbar bleibt. Vielleicht stellen wir aber den Schreibtisch auf Rollen, damit der auch mal zur Seite geschoben werden kann.“ Eine besondere Herausforderung wird für die Planer die Akustik sein. Derzeit wird noch an einem Konzept gearbeitet, um den Spagat zwischen Denkmalschutz und den neuen Nutzungsplänen zu schaffen. Denkbar wären laut Neuber Akustiksegel oder andere Elemente, um mithilfe des Stoffs die Schallwellen zu brechen. Auf anderen Etagen sind Chorräume, Tanzsäle und weitere Musikprobenräume geplant.

Immer wenn 70 Prozent eines Gebäudes vermietet sind, wird weiter saniert. Jetzt ist es wieder soweit. Am Dienstag haben Drewag und HSKD den Mietvertrag unterzeichnet. Über die Höhe der Miete wurde Stillschweigen vereinbart. Kein Geheimnis sind hingegen die Kosten für die Sanierung des gesamten Gebäudes Lichtwerk. Dafür investiert die Drewag knapp 14 Millionen Euro. Die Stadt fördert den Umbau mit 3,6 Millionen Euro.

„Wenn es keine Bauverzögerungen gibt, ziehen wir 2021 ein“, sagt Musikschulleiterin Kati Kasper optimistisch. Bereits 2015 hat das Konservatorium 1 150 Quadratmeter im Haus gegenüber auf dem Kraftwerksareal angemietet, jetzt kommen noch einmal 1 550 Quadratmeter hinzu. „Die beiden Gebäude werden durch einen Kellergang unterirdisch miteinander verbunden. Das ist gerade in der kalten Jahreszeit gut, sowohl für die Instrumente als auch für die Tanzschühchen der Kinder“, freut sich Kati Kasper. Sie hofft, dass das Konservatorium von der Nähe zu anderen Kultur- und Kreativeinrichtungen profitiert. Außer der Musikschule sollen weitere Einrichtungen im Gebäude Platz finden. So wird zum Beispiel die ehemalige imposante Kranhalle nebenan in absehbarer Zeit zum großzügig gestalteten Foyer der Puppentheatersammlung.

Außerdem stehen weitere Sanierungsvorhaben fest. So soll im Frühjahr mit dem Umbau des Speichers begonnen werden. Einziehen wird hier ein Programmkino mit zwei Sälen für 30 bzw. 40 Personen. Das ehrgeizige Ziel: 2500 Vorstellungen im Jahr. In die Reaktanz zieht ein Medienkulturzentrum ein, in dem unter anderem eine Trickfilmschule und ein Filmpädagogischer Verein untergebracht werden sollen. Die ehemalige Villa wird künftig eine interkulturelle Begegnungsstätte beherbergen. Die Sanierungskosten pro Gebäude liegen hier laut Neuber bei zwei bis drei Millionen Euro. Bezugsfertig sein soll der Speicher bereits Ende 2019, die Villa und die Reaktanz im Jahr 2020. Neuber geht davon aus, dass die Bauarbeiten an den verbleibenden Bestandsgebäuden spätestens im Jahr 2025 abgeschlossen sein werden. „Pünktlich zum Kulturhauptstadtjahr – das wäre doch was“, sagt er.

Am Samstag, dem 1. September, laden die bereits ansässigen Nutzer im Kraftwerk Mitte die Öffentlichkeit zum Sommerfest ein. Höhepunkte sind der Kostümverkauf der Staatsoperette und der Auftritt der Banda Internationale.