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Ordnung und Vernichtung im Museum

© SZ-Archiv

Eine Ausstellung über die Rolle der Polizei im NS-Staat ist erstmals in Sachsen öffentlich zu sehen – mit starkem Riesa-Bezug.

Von Christoph Scharf

Riesa. Ein Mann parkt in Riesa sein Auto falsch – und bekommt Ärger mit der Polizei. Diese Szene könnte heute spielen, wenn sie nicht noch eine Wendung nehmen würde. Der Falschparker, selbst hochrangiger Jurist, beschwert sich bei den Uniformierten: „Sie kümmern sich um mich. Wissen Sie nicht, was da oben läuft!?“ Die Polizisten mögen sich doch bitte damit beschäftigen, dass zur selben Zeit in Riesa vor jüdischen Geschäften randaliert wird.

Doch das scheint die Ordnungshüter wenig zu interessieren. Man schreibt das Jahr 1935. Aktenkundig wird weniger die Pöbelei vor jüdischen Geschäften, als vielmehr die verdächtige Gesinnung des Falschparkers. Denn der Mann, der in Riesa das Parkverbot missachtet hat, ist nicht irgendwer – sondern Direktor des Landgerichts in Leipzig. „Daraufhin schickten die Riesaer Polizisten eine Gesinnungsanfrage nach Leipzig“, sagt Maritta Prätzel, Chefin des Riesaer Stadtmuseums. „Sie wollten wissen, ob der Jurist politisch noch tragbar sei oder ob er womöglich eine ‚judenfreundliche Gesinnung‘ habe.“

Sonderausstellungen sind Tradition

Der Aktenvorgang dazu ist bald in einer neuen Sonderausstellung im Haus am Poppitzer Platz zu sehen. Sie trägt den Titel „Ordnung und Vernichtung“ und beschäftigt sich mit der Rolle der Polizei unter den Nationalsozialisten. Anlass ist der Gedenktag an die NS-Opfer am 27. Januar, zu dem traditionell in Riesa Sonderausstellungen gezeigt werden. Die Idee zu dieser Schau kam von der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain – die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist Mitveranstalter.

Die Wanderausstellung basiert auf einem Projekt der Deutschen Hochschule der Polizei und dem Deutschen Historischen Museum Berlin. Eine Sachsen-Variante fand sich in der Polizeihistorischen Sammlung der Polizeidirektion Dresden. „Sie ist erstmals öffentlich in Sachsen zu sehen“, sagt Maritta Prätzel. Die Schau zeigt, welchen Beitrag die Polizei zum NS-Regime leistete. Nicht nur die Gestapo, sondern auch die Kriminalpolizei und die uniformierte Polizei verfolgten Gegner der Nationalsozialisten – etwa den Riesaer Pfarrer Rudolf Stempel, der festgenommen und ins KZ Hohnstein eingeliefert wurde.

Eröffnet wird die Ausstellung am 26. Januar um 19 Uhr. Am 30. Januar, 16 Uhr, gibt es eine öffentliche Führung. Zu sehen ist die Schau bis zum 13. März, jeweils dienstags 13-19 Uhr, Mi-Fr 10-18 Uhr, Sonntag 14-17 Uhr. Eintritt: 2,50 Euro, nur Sonderausstellung 1,50 Euro.