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Ort der stillen Töne

Das Fachkrankenhaus hat jetzt eine Palliativstation mit elf Betten. Zuvor mussten einige Hürden genommen werden.

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© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig. Gegen Luftnot und Schlaflosigkeit hilft der Duft von Lavendel, bei Grapefruit kommt der Appetit zurück und Bergamotte soll Ängste vertreiben. Abgestimmt auf jeden Patienten kümmert sich Eva Richter auf der Palliativstation um die richtige Raumbeduftung. Die Kranken dürfen vorher an Duftstreifen schnuppern, um herauszufinden, was sie mögen. „Die Nase sucht sich die Düfte, die sie braucht“, sagt die Expertin. Auch wenn durch die Aromatherapie kein Patient geheilt wird, macht sie den Aufenthalt für einige sicher angenehmer und lindert Symptome. Eines der wichtigsten Ziele der Palliativmedizin. Diese wendet sich an Menschen mit unheilbaren, weit vorangeschrittenen Erkrankungen, die nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben.

Gestern wurde im Fachkrankenhaus Coswig die neue Palliativstation feierlich eingeweiht. Rund 500 000 Euro hat der Umbau in der dritten Etage im Haupthaus gekostet. Fördermittel hat die Klinik dafür keine erhalten. Entstanden ist eine hell und freundlich wirkende Station mit elf Betten in Einzel- und Zweibettzimmern. Zudem gibt es einen Raum der Stille, wo Patienten schwierige Diagnosen erhalten oder Angehörige Abschied nehmen können. Daneben befindet sich das Wohnzimmer mit Fernsehbereich und Kochmöglichkeit. Auf Wunsch können Angehörige mit in den Patientenzimmern oder in Gästezimmern der Klinik übernachten.

„Hier ist es ruhiger“, beschreibt Manja Zeidler, stellvertretende Stationsleiterin, den größten Unterschied zu ihrem vorherigen Arbeitsplatz, der Onkologie. Sie und die Kollegen hätten jetzt mehr Zeit für die Patienten, können mit ihnen zum Beispiel auch mal auf die Terrasse gehen, die zur Station gehört.

Seit vielen Jahren schon sollte eine solche Station eröffnet werden, wie Chefarzt Dr. Dirk Koschel erklärt. Doch erst der vierte Antrag auf die Aufnahme im Krankenhausplan sei bewilligt worden. „Zuvor mussten wir jahrelang argumentieren und überzeugen“, so Koschel. Denn die Palliativbetten verursachen einen höheren Aufwand und damit auch eine andere Vergütung.

Neue Stellen geschaffen

Dr. Susanne Riha wird die Station leiten. Zwar wurde auch ohne eigene Station im Krankenhaus Palliativmedizin betrieben. Aber die Oberärztin ist froh, dass es nach einem jahrelangen Kampf endlich einen festen Ort dafür gibt.

Im Bereich der Psychologie und Physiotherapie sind mit der Palliativstation neue Stellen geschaffen worden. „Den Großteil des Personalbedarfs konnten wir jedoch mit eigenen Mitarbeitern decken“, erklärt Chefarzt Koschel. Für das Team sei die psychische Belastung bei der Arbeit auf der Station höher. Deshalb sei es wichtig, dass es auf den Teamsitzungen nicht nur um die Probleme der Patienten geht, sondern auch andere Dinge besprochen werden.

Aber auch wenn die Menschen im Sterben liegen: „Dies ist keine Sterbestation“, betont der Chefarzt. Ins Coswiger Fachkrankenhaus kommen häufig Patienten, die aufgrund ihrer schweren Erkrankungen unter Luftnot, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen leiden. Das Leben zuhause gestaltet sich für sie zunehmend schwieriger. Die Behandlung auf der neuen Station zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und so die Lebensqualität zu verbessern. Später können die Betroffenen wieder nach Hause oder sie werden in eine Pflegeeinrichtung beziehungsweise in ein Hospiz verlegt. Bei der Palliativmedizin geht es nicht um die Lebenszeitverlängerung. „Ein bis zwei Wochen weniger, sind vielleicht besser, wenn diese ohne Symptome sind“, beschreibt Dirk Koschel die Arbeit auf der Station.

Die ersten Patienten sind schon Ende 2015 verlegt worden. Die elf Betten sind seitdem fast immer belegt und sind laut Dirk Koschel nur ein Anfang. „Palliativmedizin wird in Zukunft eine größere Rolle spielen und wir werden mehr Bedarf haben.“ In Coswig erhalten jährlich rund 400 Männer und Frauen die Diagnose Lungenkrebs in einem oft nicht mehr behandelbaren Stadium. Diese Krebsart gehört bei beiden Geschlechtern zu den tödlichsten. Es sind aber nicht nur die Krebspatienten, die unter Atemnot leiden und in Coswig behandelt werden. Betroffen sind auch Patienten mit Raucherbronchitis oder die an Herzinssuffizienz leiden. „Wir haben permanent Patienten mit unheilbaren Erkrankungen. Deshalb ist eine Lungenklinik ohne Palliativstation in Zukunft undenkbar“, so Koschel.