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Ostdeutsche Wirtschaft wächst stabil

Die ostdeutsche Wirtschaft ist noch lange nicht auf Westniveau. Experten machen dafür auch den demografischen Wandel verantwortlich.

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© dpa

Dresden. Die ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin können nach einer Prognose des Dresdner Ifo-Institutes in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent rechnen. Damit reichen sie an die Entwicklung in ganz Deutschland (1,8 Prozent) nahezu heran. Für 2017 sagte das Institut am Dienstag im Osten einen Zuwachs von 1,3 Prozent voraus (bundesweit: 1,6). „Die Lücke in der Wirtschaftskraft bleibt mit rund 30 Prozentpunkten weiterhin ganz erheblich; es besteht daher weiter wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf in den ostdeutschen Bundesländern“, erklärte der stellvertretende Ifo-Leiter in Dresden, Joachim Ragnitz.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers ist es derzeit noch zu früh, die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens für die ostdeutsche Wirtschaft abzuschätzen. Angesichts der geringen Exportverflechtung dürften die Auswirkungen aber niedrig bleiben und frühestens 2017 eintreten. Ragnitz wies darauf hin, dass Großbritannien nicht von heute auf morgen aus der EU austrete und auch die Exporte nicht über Nacht einbrächen. Eine gewisse Reduzierung der Exporte sei aber zu erwarten. „Wir machen uns da nicht so schrecklich viele Sorgen“, fasste Ragnitz die Prognose zusammen.

Laut Prognose kann die Ost-Wirtschaft 2016 und 2017 auf eine steigende Zahl von Erwerbstätigen hoffen. Allerdings liegen die Zuwächse mit 0,3 beziehungsweise 0,4 Prozent deutlich unter den Werten für Gesamtdeutschland (1,2 beziehungsweise 0,9 Prozent). Mit einer schnellen Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt sei nicht zu rechnen, hieß es. Es gebe bereits heute arbeitslose Flüchtlinge. Ragnitz hat noch einen weiteren Trend ausgemacht: Viele Migranten verlassen den Osten in Richtung Westen, weil die Verdienstmöglichkeiten dort besser sind.

Deutliche Worte richtete Ragnitz an die Adresse der ostdeutschen Wirtschaftsminister. Die agierten eher zurückhaltend und seien bislang mit keinen großen Initiativen aufgefallen: „Derzeit setzt die Wirtschaftspolitik keine Impulse.“ Ragnitz erinnerte daran, dass die bisherigen Förderinstrumente in absehbarer Zeit auslaufen und durch andere ersetzt werden müssen. Dabei empfahl er den ostdeutschen Ländern, weniger Geld in die Förderung der Infrastruktur zu stecken als vielmehr in Forschung, Entwicklung und Innovation. (dpa)