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„Ostern ist zuerst Hoffnung“

Altbischof Jochen Bohl macht sich Gedanken über Sachsen und Deutschland. Seine Osterbotschaft ist ganz einfach.

© Steffen Füssel

Landkreis. Jochen Bohl (67) ist Radebeuler, war von 2004 bis 2015 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Er war stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Seine Meinung ist weiter oft gefragt. Er hält Vorlesungen in Leipzig. Die SZ sprach mit ihm übers Osterfest.

Herr Bohl, wie verbringen Sie Ostern?

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Seit vielen Jahren mal wieder im Ausland. Meine Frau und ich sind in Spanien. Wir werden Ostern einen katholischen Gottesdienst besuchen. Evangelische Gemeinden gibt es hier kaum.

Ostern ist Aufbruch – in der Natur. Die Menschen nehmen sich was vor. Ist der Aufbruch als Christ noch intensiver?

Ostern ist das christliche Hauptfest. Das wichtigste überhaupt. Die Kreuzigung Jesu am Karfreitag ist ja eine historische Tatsache. Die Auferstehung zu Ostern ist eine Aussage des Glaubens. Damit ist immer der Gedanke verbunden, dass wir in unserem Leben zur Hoffnung berufen sind. Dass wir aufbrechen und nicht in den Dunkelheiten der Welt beharren sollen. Das hat mir in meinem Leben bisher sehr geholfen.

Sie sind außerhalb Deutschlands. Mit dem Abstand von draußen – wie verändert sich da die Sicht? Was ist anders?

Ich war ja auch als Bischof oft auf Reisen. Die sächsische Landeskirche hat gute Beziehungen zu Kirchen in anderen Teilen der Erde. In der Sichtweise der anderen betrachtet ist Deutschland eines der besten Länder, die es gibt. Viele Menschen beneiden uns um den Wohlstand, vor allem die soziale Sicherheit. In Brasilien bin ich immer wieder angesprochen worden, auch auf das 7:1 und was die Deutschen als Team zustande bringen. Das hat nicht nur was mit Fußball zu tun. Deutschland ist schon ein Land mit einem hohen Ansehen. Und es ist gut, wenn man reisen kann und auch die andere Wahrnehmung mitbekommt.

Was machen wir Deutschen richtig und was machen wir falsch?

Eine große Frage. Wir setzen uns manchmal zu sehr unter Druck. Im Süden Europas sehen die Menschen vieles gelassener. Im Urlaub genießen wir dieses Lebensgefühl ja auch. Vielleicht ist das eine Schwäche des deutschen Nationalcharakters, dass wir nicht besonders entspannt sind. Wir machen aber auch vieles richtig. Wegen unserer Wirtschaft werden wir überall sehr bewundert. Die deutschen Produkte werden geschätzt. Das Musikleben, die Literatur, das Geistige, was Deutsche geleistet haben und leisten, das spielt in der Anerkennung eine große Rolle. Mit der Sicht gerade aus Spanien kann ich sehr deutlich sehen, was im Sozialen in Deutschland noch gut funktioniert. Hier gibt es mehr und schlimmere Armut als bei uns.

Sie sind im Westen Deutschlands aufgewachsen. Haben sich dort auch politisch engagiert. Inzwischen sind Sie lange im Osten und kennen beiderseits die Menschen gut. Was denken Sie, warum wird im Osten Deutschlands derzeit so viel Unmut laut?

Die letzte Bundestagswahl war weithin eine Protestwahl. Viele Menschen sind mit großen Teilen der Bundespolitik nicht einverstanden. Das Hauptproblem ist die Flüchtlingsfrage und wie damit umgegangen wird. Die Menschen im Osten Deutschlands sind da offenbar kritischer als im Westen.

Der neue Ministerpräsident in Sachsen Michael Kretschmer geht derzeit in viele Bürgerversammlungen, schickt auch seine Minister ins Land und verspricht mittlerweile einiges. Was halten Sie davon?

Ich finde das sehr richtig. Die Bundestagswahl war ja insbesondere in Sachsen eine Denkzettelwahl. Und wenn die Regierung jetzt das Gespräch mit den Menschen sucht und sich auch die Argumente und die Sorgen der Leute genau und eben aus erster Hand anhört, dann ist das sicher das Beste, was man machen kann. Was daraus entsteht, werden die nächsten Wahlen zeigen.

Kirche hat mit ihren Aussagen eine hohe Glaubwürdigkeit unter den Bürgern. Die Vertreter äußern sich aber selten. Wäre es nicht nötig – gerade in Zeiten wie jetzt –, sich mehr und deutlicher mit einer Meinung zu melden?

Es ist nicht so einfach, das richtige Maß zu finden. Derzeit gibt es ja Leute, die jeden Tag etwas in die Welt twittern. Wenn jede Woche eine Sau durchs Dorf getrieben wird, sieht dann keiner mehr hin. Ich finde, man muss sich nicht so oft äußern. Was Vertreter der Kirche sagen, sollte gerade wegen der Glaubwürdigkeit Bestand haben und muss begründbar sein. Mit der Aufregung in der Mediengesellschaft geht die Kirche etwas distanziert um. Ich denke, das ist schon richtig. Manchmal braucht es auch einfach etwas Zeit, um sich eine Meinung bilden zu können.

Wenn Sie Ostern doch auf der Kanzel stehen würden, was wäre in drei Sätzen Ihre Osterbotschaft?

Das Leben wird derjenige gewinnen, der mit Hoffnung auf seine Zukunft blickt. Und nicht nur von heute auf morgen. Sondern auch im Sterben und über den Tod hinaus.

Interview: Peter Redlich