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Ostrale muss Fläche räumen

Die ehemaligen Futterställe im Ostragehege sind marode und dürfen nicht genutzt werden.

© Sven Ellger

Von Nora Domschke

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Fast 30 000 Menschen zog es im vergangenen Herbst zur Ostrale ins Ostragehege – ein neuer Besucherrekord. Zeitgenössische Kunst kommt an bei den Dresdnern. Und doch ist fraglich, wie es mit dem Verein und der internationalen Ausstellung – immerhin die drittgrößte ihrer Art in Deutschland – weitergeht. Mitte Februar erhielt Ostrale-Chefin Andrea Hilger eine schriftliche Aufforderung, den kompletten Außenbereich vor den ehemaligen Futterställen im Ostragehege zu räumen. Dort hatte der Verein ein hölzernes Kassenhaus und eine riesige Rampe aufgebaut, die beide in der Zeit der Ausstellung von den Besuchern genutzt werden.

„Die Räumung kommt überraschend“, sagt Andrea Hilger verärgert. War sie doch der Meinung, dass es noch eine Lösung gibt für jenes Problem, dass schon seit 2014 bekannt ist. Der Mietvertrag war nämlich befristet – bis zum 31. Dezember 2017. Dass die Ausstellung, die in diesem Jahr zum ersten Mal eine geplante Pause einlegt, 2019 nicht mehr in den Futterställen stattfindet, war also schon länger klar. Hintergrund für die Befristung ist der bauliche Zustand der langgestreckten Gebäude an der Straße Zur Messe. Allerdings geht es dabei weniger um den maroden Zustand, erklärt Annemone Belger von der Stesad. Die städtische Tochtergesellschaft verwaltet die Flächen für die Gesellschaft für Immobilienwirtschaft Dresden und fordert nun die Räumung.

Auf SZ-Anfrage teilt Annemone Belger mit, dass für die Nutzung der alten Stallgebäude die Genehmigung abläuft. „Diese sind ja ursprünglich für Tiere und nicht für Menschen gebaut worden.“ Selbst, wenn die Hallen nur als Lager genutzt werden, müsse das Bauaufsichtsamt die Genehmigung neu erteilen. „Und damit ist derzeit nicht zu rechnen.“ Dafür müsste der Komplex zunächst aufwendig und teuer saniert werden. Eine erste Kostenschätzung ergab eine Investition von mehr als 13 Millionen Euro. Dabei hatte der Stadtrat im 2016 beschlossen, die Ostrale im bewährten Domizil zu erhalten. Das umfasst auch eine Sanierung. Noch muss der Verein aber nicht alle Flächen räumen. Für einen Teil der Ställe sei noch einmal die Verlängerung der Nutzungsgenehmigung beim Bauaufsichtsamt beantragt worden. Eine Entscheidung dazu steht noch aus. Das bestätigt auch Andrea Hilger. Fest steht schon jetzt: Die Heuböden, auf denen noch etliche Kunstwerke untergebracht sind, können definitiv nicht mehr genutzt werden. Das stellt Andrea Hilger vor ein Problem. „Ich weiß nicht, wohin mit den Sachen.“ Dazu kommt, dass auf den Böden die zeitgenössischen Kunstwerke stehen, die die Ostrale demnächst in der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, in Valletta auf Malta, zeigen will. Bis zum 16. März sollen die Böden sowie ein Teil der Ställe allerdings beräumt sein.

Auch Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Kleppsch (Linke) zeigt sich von der Räumung überrascht. „Aber ich bin auch vom Vorstoß der Ostrale überrascht, da es erst in der vergangenen Woche Gespräche mit den Verantwortlichen gab, in denen wir über das weitere Vorgehen gesprochen haben“, sagt sie gegenüber der SZ. Als Alternative sei die Messe Dresden als Interimsstandort für 2019 in Aussicht gestellt worden – allerdings nur für zwei Monate. „Viel zu kurz“, sagt Andrea Hilger. Auch, weil die Vorbereitungen dafür sehr lange dauern. Für drei Monate Ausstellung sei bislang noch einmal so viel Zeit für Auf- und Abbau nötig gewesen.

Deshalb soll es jetzt auch noch einmal Gespräche mit Messe-Chef Ulrich Finger geben, sagt Annekatrin Kleppsch. Weil die Hallen im kommenden Jahr schon gut gebucht sind, steht für die Ostrale nur der Zeitraum vom 29. Juni bis zum 31. August zur Verfügung. Ulrich Finger versteht die Messe als Partner für die Ostrale und habe deshalb unter anderem die Hallen 3 und 4 für die Ausstellung 2019 reserviert. „Gegenüber den Futterställen sind da sicherlich Einschränkungen erforderlich“, räumt er auf Anfrage ein. Aber das Ambiente biete auch völlig neue Möglichkeiten. Einen längeren Zeitraum für die Ostrale könne er im kommenden Jahr aber nicht ermöglichen.

Obwohl die Ostrale immer mehr Menschen anzieht, ist ihre Zukunft ungewiss. Zwar steht der Schweinedom nach dessen Sanierung als neues dauerhaftes Domizil in Aussicht. Andrea Hilger ist aber skeptisch, ob dort der Platz für Ausstellung, Lager und Werkstätten ausreicht.

Jacqueline Muth, kulturpolitische Sprecherin der Linken, setzte ebenfalls auf die Futterställe als Standort. „Wir wollen die Ostrale erhalten, aber auch eine gute Lösung für die Futterställe finden.“ Grünen-Stadträtin Christiane Filius-Jehne sieht auch im kleineren Schweinedom ein geeignetes Domizil. Dort wäre eine Nutzung innen und außen denkbar. (mit SZ/awe, jv)