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Ostritz startet Ampeltest

In der Lasterdiskussion sollen jetzt Rotphasen helfen. Drohen an der B 99 dann Motorenlärm und lange Staus?

© Rafael Sampedro, Montage: SZ

Von Jan Lange

Renate Rachner hat am Donnerstagabend eine Menge Einladungen ausgesprochen. Die Ostritzer Stadträte, die Bürgermeisterin und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollten doch mal bei ihr zum Kaffee vorbeikommen, sie würde sogar Mittagessen kochen. Das Ganze hat natürlich einen ernsten Hintergrund. Die Eingeladenen sollen den massiven Lkw-Verkehr miterleben, den die Anwohnerin der B 99 in Ostritz jeden Tag ertragen muss. Sie wüssten laut Frau Rachner doch überhaupt nicht, wovon sie reden. Schon seit Monaten beklagen sich die Anlieger der Bundesstraße über den stark zugenommenen Lastverkehr. Sebastian Rikl, der Wortführer der Protestler, sieht keine Fortschritte, wie er in der Stadtratssitzung erklärte.

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Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) bewertet das anders. Nach ihren Worten seien fast alle Forderungen, die in einer früheren Einwohnerversammlung aufgestellt wurden, umgesetzt oder eingeleitet. So wurde die Tempo-30-Zone bis zur Kirchstraße verlängert. Eine zusätzliche Straßenmarkierung mit einem Tempo-30-Schild sei zwar geprüft worden, aber nach Ansicht der Verkehrsbehörden nicht erforderlich. Auch die Geschwindigkeit werde in regelmäßigen Abständen kontrolliert, erklärt die Rathauschefin. Dabei finden auch an Sonn- und Feiertagen sowie nachts Kontrollen statt. Genauso werde das Feiertags- und Sonntagsfahrverbot für Lkw überprüft.

Eine Verkehrsinsel an der Einmündung Kirchstraße sei dagegen nicht realisierbar, berichtet die Bürgermeisterin weiter. Da es sich um eine Bundesstraße handelt, kann die Stadt selbst nicht darüber entscheiden. Die Verkehrsbehörde des Kreises und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) sind bei solchen Veränderungen zuständig. Und die Mitarbeiter der übergeordneten Behörden machen ihre Entscheidungen in der Regel an Zahlen fest. So wie beim geforderten Fußgängerübergang an der Kirchstraße. Hier müssten 70 bis 100 Fußgänger pro Stunde die Straße überqueren – dieser Wert wird aber nicht erfüllt.

Auch die Situation, dass sich zwei Lkw im Gegenverkehr durch die Engstelle in Ostritz quälen, soll bald verbessert werden. Durch eine Ampel werde dieser Begegnungsverkehr unterbunden. Allerdings sorgt die Lichtsignalanlage für wenig Begeisterung unter den betroffenen Ostritzern. Einer der rund 30 Anwohner der B 99, die in die Stadtratssitzung gekommen waren, fragte, wer denn überhaupt eine Ampel gefordert habe. Sie verursache nur mehr Lärm. Verwaltungsleiterin Manuela Golde verwies darauf, dass ein Schild aufgestellt werde, den Motor bei Rot auszumachen. Die Polizei werde dies auch überprüfen. Außerdem soll es eine unterschiedliche Tag- und Nachtschaltung geben, damit die Wartezeiten in der Dunkelheit verkürzt werden.

Fast wäre die Ampel in Fahrtrichtung Zittau vor dem Haus von Renate Rachner aufgestellt worden. Doch die 67-Jährige habe das noch rechtzeitig verhindern können. „Dann wäre es in meinem Wohnzimmer dunkel und ich würde aus unserer Zufahrt weder raus noch rein kommen“, sagt Frau Rachner. Neben ihrem Haus gebe es zwei leerstehende Gebäude, fügt sie hinzu. Dort, vor der Görlitzer Straße 57 – Rachners wohnen in der Nummer 55 – werde die Ampel nun auch aufgestellt, erklärt Verwaltungsleiterin Manuela Golde.

Für die Kraftfahrer, die von der gegenüberliegenden August-Bebel-Straße auf die B 99 einbiegen wollen, hat das jedoch Folgen. Sie können künftig nur noch nach rechts in Richtung Görlitz abbiegen. Bisher kann man in beide Richtungen, also auch nach Zittau fahren.

Die Ampelanlage werde erst einmal probeweise für zwei Monate aufgestellt, kündigt die Ostritzer Bürgermeisterin nach dem Gesprächen mit den Verkehrsbehörden an. Die Anwohner müssen also nicht befürchten, dass sich nun für immer die Lkws vor ihren Häusern stauen. Wie Stadtrat Thomas Göttsberger (Wählervereinigung Siedlung) habe vom Landkreis die Aussage erhalten, dass man die ersten Tage schauen wolle, wie die neue Regelung funktioniert. Wenn es nicht klappt, könne man sich nach seinen Worten im Landratsamt auch Veränderungen vorstellen. Göttsberger legte den B 99-Anwohnern deshalb ans Herz, zu gucken, ob es Probleme gibt und diese weiterzumelden. Auch die entstehenden Schäden sollten die Hauseigentümer genau dokumentieren. Bei eventuellen Forderungen gegenüber dem Lasuv wegen Sachbeschädigung seien die Anwohner in der Beweispflicht. Sebastian Rikl ist der Meinung, dass die Verursacher nur schwer zu finden seien. „Da müsste schon einer ins Haus fahren“, meint er. Die Schäden werde er aber trotzdem aufnehmen.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Stadtrat dann über die weitere Strategie gegenüber dem Lasuv beraten. Am Freitag wollte sich Marion Prange nicht zu den Ergebnissen der Diskussion äußern. Diese sollen in der nächsten Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag bekannt gemacht werden.