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Otto lüftet Geheimnis um Millionenprojekt

Mit seiner Online-Plattform Collins will der Handelskonzern eine neue Dimension des Einkaufens im Internet erreichen. Das wollen aber auch andere.

© dpa

Von Eckart Gienke

Benjamin Otto wirkt etwas angespannt, als er in Hamburg das neueste Projekt des Familienkonzerns öffentlich vorstellt. Die Otto Group hat in Collins einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, der 38-Jährige hat ein Jahr mit mehreren Dutzend hoch bezahlten Experten an dem Start-up gearbeitet. Es ist das erste Mal, dass der Gründerenkel selbst die Leitung eines Otto-Projektes übernommen hat. Die Erwartungen der Handelsbranche hätten also kaum höher sein können. Herausgekommen ist eine Online-Plattform für ein junges Publikum, die bekannte Elemente aus der Handels- und Internet-Welt verbindet.

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Benjamin Otto spart nicht mit großen Worten. „Wir glauben, dass die digitale Generation gerade dabei ist, den Handel zu revolutionieren“, sagt er. Die Otto Group hat die massenweise Verbreitung von internetfähigen Smartphones und Tablets schon seit Längerem aufmerksam registriert. Jüngere Menschen gingen nicht mehr ohne ihr Smartphone aus dem Haus und seien „always on“, also ohne längere Pause im Internet unterwegs. Sie organisierten ihr Leben mit dem Smartphone.

Das macht sich auch im Handel deutlich bemerkbar. Jeder zweite Deutsche kauft im Internet ein, Jahr um Jahr wächst der Online-Handel mit zweistelligen Zuwachsraten. Die Online-Umsätze erreichen in diesem Jahr mehr als 40 Milliarden Euro, der Anteil am gesamten Umsatz des Einzelhandels liegt bei über zehn Prozent. „Aber Einkaufen im Internet macht nicht so richtig Spaß“, sagt Tarek Müller, der konzeptionelle Kopf hinter dem Projekt und zweite Mann an der Spitze. Das gelte vor allem für Frauen.

Um diese Meinung zu belegen, berichtet Müller von einem Experiment in den USA: Ein Mann und eine Frau bekamen den Auftrag, eine bestimmte Boutique in einer Shopping-Mall aufzusuchen und eine Hose zu kaufen. Der Mann kam nach sechs Minuten zurück und hatte etwas mehr als 60 Dollar ausgegeben. Die Frau brauchte mehr als dreieinhalb Stunden, hatte das gesamte Shopping-Center durchstreift und mehr als 800 Dollar ausgegeben. „Für einen Mann ist Einkaufen ein Job, der erledigt werden muss“, sagte Müller. „So ist auch Online-Einkaufen.“

Das soll sich mit der Seite aboutyou.de ändern: Speziell junge Frauen sollen dort stöbern und suchen und finden können, personalisiert und individuell. Dazu gibt es Apps, die jedoch nicht heruntergeladen werden müssen, sondern einfach auf der Seite angeklickt werden. Diese Apps werden überwiegend nicht von Collins programmiert, sondern von externen Entwicklern, die sich nur anmelden und dann ihre Entwürfe einschicken müssen. Bei Erfolg winkt eine Umsatzbeteiligung. Das gab es bislang im E-Commerce noch nicht. „Die besten Ideen entstehen auf Dauer nicht in einem Unternehmen allein“, sagt Müller. „Wir bieten kreativen Köpfen eine Plattform, auf der sie ihre Ideen verwirklichen können.“

Für die Otto Group, die längst den größten Teil ihrer Handelsumsätze über das Internet abwickelt, hat das Projekt strategische Bedeutung. Neue Wettbewerber sind im Online-Markt am Start, die Märkte wandeln sich rasend schnell. Collins ist das größte einzelne Investment von Otto in diesem Bereich, insgesamt investiert der Konzern innerhalb von drei Jahren rund 300 Millionen Euro in den elektronischen Handel. Benjamin Otto und sein Team stehen unter hohem Erfolgsdruck. Doch der Konzernerbe gibt sich cool: „Ein so hohes Investment ist auch ein Risiko. Aber wir wissen schon heute, dass die Entscheidung richtig war, dieses Unternehmen zu gründen.“ (dpa)