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Pack die Badehose ein!

Bei 30 Grad im Schatten genießen die Gäste im Bischheimer Bad die Wassertemperatur um 20 Grad ganz besonders.

© Bernd Goldammer

Von Bernd Goldammer

Bischheim. Pack die Badehose ein, nimm das kleine Schwesterlein und dann nix wie raus nach Häslich! Ein Schlager von Horst Bradtke und dem gebürtigen Weißwasseraner Gerhard Froboes bekommt gerade wieder besondere Aktualität. Okay, ein klein wenig abgewandelt. Das Freibad in Bischheim ist nicht der Wannsee. Aber der Schlager aus den Fünfzigern und Sechzigern geht vielen Badfreunden auch im Kamenzer Raum wieder durch Kopf und Beine. Gesungen hat ihn Froboes Tochter Conny im Tonfall der „Berliner Göre“. Es muss an der sengenden Hitze liegen, dass der fast vergessene Song gerade wieder hochkommt.

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Schwimmmeister Silvio Berger hat im Bischheimer Bad jetzt viel zu tun.
Schwimmmeister Silvio Berger hat im Bischheimer Bad jetzt viel zu tun. © Bernd Goldammer

Wer an der Bischheimer Kulturmühle vorbei ist, hat es fast geschafft. Nur noch wenige Schritte sind es noch bis zum kühlen Nass. Ein leckeres Abendessen in der Kulturmühle rundet den Rückweg des Badetages ab. Wer davon nicht genug bekommen kann, schlägt seine Zelte gern für ein verlängertes Wochenende auf dem Campingplatz am Freibad auf. Hier gibt es sogar Finnhütten. Wer sich beeilt, kann sich für 2019 noch einmieten. Vier freie Caravanstellplätze sind allerdings sofort nutzbar. Eingeläutet wird die Schwimmerzeit schon im Januar. Manchmal lag da noch Schnee auf dem Eis im Wiesengrundbad. Für die harten Schwimmer aus der Region ist das kein Hindernis. Tee mit Rum, Kaffee und Glühwein wärmen sie durch, nachdem sie ihre Strecke absolviert haben.

Die Sommerhitze hat viel geändert. Bier, Limonade und Wasser sind die drei beliebtesten Getränke. Die Leute sehnen sich im Moment nach Wasser zur inneren und äußeren Anwendung. Die Preise sind alle moderat. Es scheint, als ob das Teil der Bischheimer Erfolgsgeschichte ist. Hier steht alles in einem vernünftigen Verhältnis zueinander. Bischheim zeigt sich auf diesen Quadratkilometern von seiner schönsten Seite. Kinder lieben dieses Bad ganz besonders. Auch, weil sie hier ihren Bewegungsdrang richtig ausleben können. Und die kleinen Anfänger finden hier ein großzügig angelegtes Nichtschwimmerbecken. Im 1000 Quadratmeter großen Schwimmerbecken tummeln sich die, die gelernt haben, aus eigener Kraft über Wasser zu bleiben. Wer beim Baden blaue Lippen bekommen hat, kann sich bei 30 Grad Lufttemperatur in fünf Minuten wieder auf normale Körpertemperatur bringen.

Die Liegewiese ist groß. Vernünftig ist es, nicht allzulange in der Sonne herum zu liegen. Deren Langzeitbestrahlung ist ungesund. „Die Dosis macht das Gift“, sagt ein Apotheker-Sprichwort. Neben Basecap und Sonnenbrille sollte auch eine Sonnencreme mit passendem Lichtschutzfaktor zum Badegepäck gehören.

„Den ganzen Tag über wird hier Ball über die Leine oder Volleyball gespielt“, sagt Schwimmmeister Silvio Berger. Er kennt das Freibad schon seit frühster Kindheit. Tausende Male ist der Bischheimer die Wasserrutsche ins Schwimmerbecken hinuntergerutscht. Jetzt ist das selten geworden. Sein Platz ist nun unterm Rettungssonnenschirm. Mit einem Auge kassiert er die Eintrittsgelder, mit dem anderen beobachtet er das Geschehen im Schwimmerbecken wie ein Luchs.

Siebzig Jahre alt ist das Freibad Wiesengrund inzwischen. Geplant und vorbereitet wurde es in der Weimarer Demokratie. Eingeweihen konnten es die Bischheimer erst in der Diktatur. Plan der Demokraten war es auch, durch diese Bademöglichkeit die Menschen der Region zusammenzubringen. Ein stärkeres „Wir“-Gefühl sollte entstehen. Fernsehen gab es damals nicht, und längst nicht jeder Haushalt der ländlich geprägten Gemeinde hatte ein Radio. In den Fünfzigern und Sechzigern tönte die damals achtjährige Conny Froboesbes mit ihrem Lied schon aus dem Kofferradio ...