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Packen für die Ukraine

Am Sonnabendmorgen startet die Freitaler Tafel mit einem Hilfstransport. Zwei Autos werden gefüllt bis unters Dach.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. „Ich bin aufgeregt und ich habe auch Bammel“, sagt Karin Rauschenbach ehrlich. „Denn ich weiß gar nicht, was auf uns zukommt“, so die Chefin der Freitaler Tafel. Sie und andere Helfer tragen am Donnerstag kistenweise Spenden aus dem Tafel-Gebäude an der Dresdner Straße nach draußen. Sie stapeln die Boxen in zwei Transporter. Jeder Kubikzentimeter des Innenraums wird genutzt.

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Denn am Sonnabendmorgen ist es so weit. Gegen 3 Uhr am frühen Morgen will sich Rauschenbach zusammen mit fünf Mitfahrern auf den Weg in das rund 1 500 Kilometer entfernte Shytomir in der Ukraine machen. Das Ziel: Ein Waisenhaus, ein Seniorenheim in der Stadt und mehrere Familien in der Umgebung sollen mit Kleidung, Spielsachen und Hygieneartikeln versorgt werden. Eine Woche später wollen die Helfer wieder zurück in Freital sein.

Die Idee für die Aktion hatte Rauschenbach gemeinsam mit Myla Richter, die in Freital den Salon „4 Haareszeiten“ betreibt und aus Shytomir, 130 Kilometer westlich von Kiew gelegen, stammt. Um den Menschen wenigstens ein bisschen zu helfen, nimmt sie seit Jahren Spenden auf ihre Heimatbesuche mit. In diesem Jahr wurde die Aktion ausgebaut.

Die Vorbereitungen dafür begannen bereits im Februar. Seitdem wurden in der Tafel und in Richters Friseurladen Spenden angenommen. Wie Rauschenbach erzählt,, hätten die Freitaler vor allem Kleidung vorbeigebracht, auch Kinderfahrräder und Spielzeug. Nutellagläser, Babynahrung und Inkontinenz-Hosen bekam sie von einer anderen Tafel. Der Landesverband der Tafeln unterstützte die Aktion ebenfalls. Und von einem Großhandel erhielt sie allein rund hundert Kilogramm Nudeln. Das alles wurde in den vergangenen Wochen sorgfältig in insgesamt rund hundert Transportkisten verpackt.

„Und die Leute haben in den vergangenen Tagen immer noch mehr Sachen gebracht“, sagt die Tafelchefin. Alles könne man gar nicht in den beiden Fahrzeugen unterbringen. „Das, was übrig bleibt, können wir aber entweder in der Tafel gebrauchen oder auf die nächste Spendenfahrt mitnehmen“, sagt Rauschenbach.

Für sie ist es selbstverständlich, zu helfen – obwohl die Kunden der Tafel selbst nicht im Überfluss leben. „Aber wir haben hier so einen Überfluss an Lebensmitteln. Da wäre es sträflich, wenn wir nicht jemanden anderen davon profitieren lassen können.“ Es tue niemandem weh, von dem, was man habe, Teile abzugeben.

Den Initiatoren ist es wichtig, zu betonen, dass auch älteren Menschen geholfen werden soll. Gerade einmal 50 Euro Rente bekommen manche Senioren in der Ukraine vom Staat – bei Lebensmittelpreisen, die nicht viel günstiger sind als in Deutschland. Ohne Unterstützung von Verwandten oder eben durch solche Spendenaktionen könne man nicht überleben. In den Kinderheimen ist die Lage ähnlich angespannt. Der andauernde Krieg in der Ostukraine lässt viele Waisen zurück. Der Staat scheint überfordert.

Tafelchefin Karin Rauschenbach wünscht sich, dass es nicht bei dieser einen Spendenfahrt bleibt. Sie kann sich sogar eine Kooperation mit dem Waisenhaus oder dem Seniorenheim in der Ukraine vorstellt. „Mir schwebt vor, dass wir daraus eine Tradition machen, die immer weitergegeben wird.“