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Paket löst sich in Luft auf

Ein Zusteller gibt ein Päckchen in Klipphausen bei einer Nachbarin ab. Die will es nicht erhalten haben.

© Symbolbild/Jörg Sarbach

Von Jürgen Müller

Meißen. Das ist allgemein üblich: Wenn Paketzusteller den Adressaten nicht zu Hause antreffen, geben sie die Sendung möglichst bei einem hilfsbereiten Nachbarn ab. Der quittiert dafür, der Empfänger wird zusätzlich schriftlich informiert, wo sich seine Sendung befindet. Doch das klappt nicht immer. Trifft der Bote auf einen unfreundlichen, egozentrischen Zeitgenossen, dem seine Mitmenschen schnuppe sind, hat er ein Problem.

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Dann muss er ein zweites Mal zustellen. Auf einem Vierseithof in einem kleinen Ort der Gemeinde Klipphausen allerdings ist man hilfsbereit. Und so nimmt dort eine 27-jährige Frau kurz vor Weihnachten 2014 ein Paket mit einem Notebook im Wert von 800 Euro für eine Nachbarin entgegen. Als die Empfängerin das Päckchen bei ihr holen will, ist es nicht da. Sie habe zwar quittiert, der Bote habe es aber im Haus an einem bestimmten Ort abgelegt, sagt sie .

Doch auch da ist es nicht. Die Frau fragt den Zusteller. Der versichert, das Paket bei der Nachbarin abgegeben zu haben. Die Empfängerin erstattet Anzeige bei der Polizei. Die rückt zwar an, verzichtet aber auf eine Suche. „Die Wohnung war derart unaufgeräumt, da hätten wir in Gruppenstärke anrücken müssen“, sagt ein Polizist.

Der 27-Jährigen wird eine weitere Straftat zur Last gelegt. Sie kaufte in einem Baumarkt eine Gartenschere für rund 70 Euro und bezahlte mit EC-Karte. Als das Geld vom Konto abgebucht war, ließ sie es von der Bank prompt wieder zurückbuchen. Samt Gebühren entstand dem Baumarkt so ein Schaden von knapp 82 Euro.

Schuld seien nicht sie, sondern ihre fünf Kinder gewesen, sagt die Angeklagte. Die hätten in der Wohnung gelärmt, sie habe nur nebenbei Online-Banking gemacht und sich nicht richtig konzentrieren können. Weil sie die Lastschrift angeblich nicht zuordnen konnte, habe sie eine Rückbuchung veranlasst.

Auch das Paket will sie nicht unterschlagen haben. Sie habe zwar für den Erhalt quittiert. „Der Bote ist mit dem Paket wieder runtergegangen und hat es abgelegt“, behauptet sie. Der bestreitet das vehement. Die Verteidigerin versucht, dem Zusteller Fehler nachzuweisen, rückt ihn fast in die Rolle des Täters. Ob er gegen Dienstvorschriften verstoßen habe, ob er in einem solchen Falle von seinem Arbeitgeber zur Rechenschaft gezogen werde und ob er sich vor Regressforderungen schützen wolle, fragt sie den Zeugen, der sich mit Antworten möglicherweise selbst belasten würde.

Richterin Ute Wehner greift dennoch nicht ein, so dass Staatsanwalt Andreas Ball diese Art der Befragung beendet: „Diese Fragen sind unzulässig“. Dennoch hat er Zweifel, dass sich die Tat so wie angeklagt abgespielt habe. Dies sei jedenfalls nicht nachzuweisen, sagt er und fordert Freispruch. Die Verteidigerin setzt noch einen drauf, unterstellt dem Zeugen, falsch ausgesagt zu haben, um arbeitsrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Die Richterin spricht die Angeklagte frei. Die hat Glück, dass ihr das Gericht die Tat nicht zweifelsfrei nachweisen kann. Dabei hatte sich die Angeklagte kurz vor Schluss noch verplappert. Sie werde nie wieder ein Paket annehmen, hatte sie gesagt. Aha. Hat sie doch gar nicht. Oder etwa doch?

Auch für die Sache mit dem Baumarkt wird sie nicht bestraft. Das Verfahren wird wegen „geringer Schuld“ eingestellt. Das Geld hat sie inzwischen bezahlt. Nicht gleich, sondern erst nachdem sie die Anklageschrift in den Händen hielt.

Das Paket bleibt bis heute verschwunden, es hat sich wohl in Luft aufgelöst. Den Schaden hat das Versandhaus, das der Geschädigten das Geld gutschrieb.