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Niesky

Paketzusteller fährt einen Rentner um

Der 71-Jährige überlebt den Zusammenstoß in Weißwasser nicht. Nun musste sich der Fahrer vor dem Amtsgericht verantworten.

Symbolbild
Symbolbild © dpa

Von Jost Schmidtchen

Am 30. Oktober 2018 um 13 Uhr übersah ein 37-jähriger Paketzusteller aus Hoyerswerda beim Rückwärtsfahren in die Hauseinfahrt Gutenbergstraße 35 bis 41 in Weißwasser einen Fußgänger. Der geriet unter den Transporter, an den Unfallfolgen verstarb er einige Tage später.

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Der Unfall, so laut Anklageschrift, war vermeidbar gewesen. Nun musste sich der Paketzusteller wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht verantworten. Den Sachverhalt räumte der Angeklagte ein. Er hat den Fußgänger nicht gesehen, obwohl er in die beiden Rückspiegel schaute. Die waren nach Aussage des Sachverständigen der Dekra in bester Beschaffenheit. Als er das Ereignis mitbekam, habe er voll gebremst, da war es aber zu spät. Der 71-jährige Fußgänger lag auf dem Gehweg, war noch ansprechbar, konnte aber nicht mehr aufstehen. Der Angeklagte befindet sich bis heute in psychologischer Behandlung, kann seinen Beruf aber weiter ausüben. Die drei Zeugen von der Polizei waren beim Unfall selbst nicht dabei. Einer sicherte die Unfallstelle und rief den Gutachter von der Dekra Bautzen nach Weißwasser, eine weitere Zeugin hatte nur die Fahrzeugzulassung und den Fahrer zu überprüfen und der dritte Zeuge hatte den Auftrag, den Angeklagten in Hoyerswerda in seiner Wohnung zu befragen. Der medizinische Sachverständige, der den Toten obduzierte, sprach zusammengefasst von mehreren schweren Verletzungen verschiedenster Art am ganzen Körper.

Der Sachverständige von der Dekra kam zu dem Schluss, dass der Unfall vermeidbar war. Nach seinen Berechnungen ist der Paketzusteller rückwärts mit 16 km/h in die Grundstückseinfahrt gefahren, viel zu schnell, auch wenn das Fahrzeug mit einer Rückwärtsfahranlage ausgestattet ist, die einen Piepton erzeugt. Den hört man sowohl draußen als auch im Fahrzeug. Der Rentner konnte wohl nicht damit rechnen, dass der Transporter so schnell zurückstößt. Zudem ist der Transporter mit einer Rückfahrkamera ausgestattet, die die Bilder auf einem Monitor im Fahrerhaus wiedergibt. Hätte der Angeklagte da drauf geschaut, hätte er hinter sich den Gehweg in ganzer Fahrzeugbreite gesehen und damit auch den dann verunglückten Fußgänger. Der wurde von hinten angestoßen und stürzte vorwärts mit dem Kopf auf das Pflaster. Der Paketzusteller ist nicht vorbestraft und machte geltend, dass in seiner Branche hoher Arbeitsdruck herrsche. Das ließ Amtsgerichtsdirektor Martin Hinrichs gelten, auch das Geständnis sprach für den Angeklagten. Zum Unfallzeitpunkt hatte er zwei Punkte in Flensburg wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen. Eben der Arbeitsdruck. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte der Amtsgerichtsdirektor den Angeklagten antragsgemäß zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen à 30 Euro (3 600 Euro). Für den hoch verschuldeten Angeklagten ein bitteres Urteil.

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