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Palais erwacht langsam wieder

Ein Dresdner Antiquitätenhändler mit spanischen Wurzeln saniert das marode Haus an der Bautzener Töpferstraße. Ein großer Abschnitt ist nun geschafft.

© Robert Michalk

Von Frances Scholz

Bautzen. Der Putz bröckelt ab, der Zaun ragt schief in Richtung Gehweg, Teile der Grundmauer kommen zum Vorschein. Auf den ersten Blick sieht das Palais an der Töpferstraße ziemlich verfallen aus. Doch schaut man genauer hin, so erkennt man einige Veränderungen. Die Fenster und der Dachsims wurden restauriert. Und das Dach selbst wurde neu eingedeckt – mit Ziegeln aus dem 18. Jahrhundert. Möglich macht diese Verwandlung José Manuel Ladrón de Guevara. Der Dresdner mit den spanischen Wurzeln hat das Palais und dessen Nebengebäude schon 2011 gekauft und restauriert sie seitdem Stück für Stück. „Ich habe damals eine Anzeige im Internet gesehen und mich sofort in das Haus verliebt“, sagt er. José Manuel Ladrón de Guevara legt bei der Sanierung viel Wert auf Details. Alles soll möglichst originalgetreu sein. „Für die historischen Dachziegel bin ich mehr als 3 000 Kilometer hin- und hergefahren. Den Großteil habe ich aus Halle aber auch von Scheunen hier aus der Umgebung. Insgesamt haben wir 10 000 solcher alten Dachziegel gekauft“, sagt José Manuel Ladrón de Guevara. Das Ergebnis beeindruckte auch die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes. Denn an dessen Vorgaben müssen sich der gebürtige Spanier und seine Familie bei der Sanierung des Bautzener Palais halten.

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„Das Haus wurde 1761 erbaut und gehörte einst einer Patrizierfamilie“, weiß der Antiquitätenhändler und Restaurator. Das Palais wurde auf den Mauern eines Vorgängerbaus errichtet. Das reizvolle Bürgerhaus hatte einen großzügig angelegten Garten, Brunnen, eine Remise und ein kleines Werkstattgebäude. „Es war damals wohl eine Art Sommerlustschlösschen. Es gab ein Herren- und ein Damenzimmer. Und der Garten reichte früher bis vor zur Steinstraße“, sagt der Dresdner. Diese Sonderstellung verlor das Gebäude allerdings, als darin Wohnungen hergerichtet wurden. Die Räume wurden geteilt und an mehrere Familien vermietet. Bis weit in die 1980er Jahre lebten hier mindestens drei Mietparteien. Doch danach stand es knapp 30 Jahre leer. „Als wir damals mit der Sanierung anfingen, war das Innere des Palais total verschachtelt durch die Aufteilung in Wohnungen. Auch ein Teil der Decke war eingestürzt“, erinnert sich der Bauherr.

Eigenheim in der einstigen Remise

Mittlerweile erinnert im Inneren nichts mehr an diesen Zustand. Die eingezogenen Wände wurden entfernt, die Decke wieder dichtgemacht. Trotzdem gibt es noch viel Arbeit für José Manuel Ladrón de Guevara. „Aber das ist total spannend. Denn man entdeckt immer wieder neue Dinge. Wie zum Beispiel die Wandmalereien. Es ist aufregend sich vorzustellen, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Es ist eigentlich ein Stück lebendige Geschichte“, sagt er. Dazu gehören auch Plumpsklos in der ersten Etage. Eines wollen der Dresdner und seine Familie sogar stehenlassen. „Wir wollen ein Stück Vergangenheit für die Nachwelt erhalten. So kann man Kindern aus den Kindergärten und Schulen zeigen, wie man früher gelebt hat.“ Geplant ist aber noch viel mehr in dem Palais. Konzerte, Ausstellungen, Veranstaltungen oder auch als Kulisse für Fotoprojekte könnte das Haus dienen. „Wir sind offen für jeden Vorschlag, der zum Charakter des Palais passt“, sagt er. Schon im Sommer 2013 diente es der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für eine Fotoausstellung historischer Gebäude.

Fördermittel beantragen

Das Palais selbst als Eigenheim nutzen können José Manuel Ladrón de Guevara und seine Familie nicht. „Denn eine Heizung in dem Haus ist undenkbar. Unter den Fensterbänken befinden sich alte Malereien. Dort dürften wir nie eine Heizung anbauen.“ Doch weit weg wohnen werden sie von ihrem Palais nicht. Denn in knapp vier Wochen will die Familie in die ehemalige Remise einziehen. „Sie war früher ein Pferdestall. Das Gebäude haben wir ausbauen lassen“, sagt der Dresdner, der bereits seit einem Jahr mit seiner Familie in Bautzen wohnt. „Ich habe noch eine Galerie und Restaurierungswerkstatt in Dresden und pendel unter der Woche. Ich bin aber auch insgesamt viel unterwegs“, sagt er. Denn José Manuel Ladrón de Guevara restauriert alte Möbel. Museen oder Schlossbesitzer zählen zu seinen Kunden. „Trotzdem sind wir eigentlich jeden Tag auf der Baustelle des Palais. Denn es gibt viel zu koordinieren“, sagt er.

In diesem Jahr will die Familie noch die frühere Werkstatt wieder herrichten. Außerdem will José Manuel Ladrón de Guevara Fördermittel für die Sanierung der Fassade des Palais beantragen. „Dann könnten 2017 die Arbeiten daran beginnen.“ Bis es so weit ist, gibt es auf der barocken Baustelle noch viele andere Dinge zu tun.

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