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Familie

Panik in der Nacht: Der Nachtschreck

Sie schreien, toben und wüten: Kinder, die einen Nachtschreck erleben, sind häufig völlig außer sich. Und das, ohne wirklich wach zu sein.

Was steckt hinter dem Phänomen Nachtschreck? Und wie geht man damit um?
Was steckt hinter dem Phänomen Nachtschreck? Und wie geht man damit um? © Adobe Stock/Nick Fedirko (Symbolfoto)

Nachtschreck ist kein Alptraum

Auch wenn ein Nachtschreck auf den ersten Blick aussehen kann wie ein Alptraum, müsse man ihn deutlich davon abgrenzen, erklärt Hoch: "Bei einem Nachtschreck geraten die Kinder aus der Tiefschlafphase heraus in einen ängstlichen Zustand, ohne wirklich aufzuwachen. Ihre Herzfrequenz ist erhöht, und sie sind in der Regel trotz geöffneter Augen nicht ansprechbar. Am nächsten Tag können sie sich an nichts erinnern."

Ganz anders also als beim Alptraum, der Kinder in der Regel aufwachen lässt und von dem sie häufig detailliert berichten können. Noch ein Unterschied zum Alptraum: Der Nachtschreck schlägt üblicherweise in der ersten Nachthälfte zu. Alpträume treten eher gegen Ende der Nacht auf.

Seit Isabellas erstem Nachtschreck sind mehr als zwei Jahre vergangen - und die Panik kommt immer mal wieder. "Manchmal ist ein paar Monate Ruhe und dann schreit sie gleich zwei Nächte hintereinander", erklärt Sonja Putzer. Mittlerweile weiß sie: Ein Nachtschreck ist völlig harmlos. "Aber das war nicht immer so. Klar haben wir uns viele Gedanken gemacht und uns gefragt, ob unsere Tochter nachts etwas Traumatisches aufarbeiten muss. Das war quälend für uns."

Mehr Struktur und weniger Stress können helfen

Diese Frage beschäftigt viele Eltern von Nachtschreck-Kindern, weiß Anna Lena Tietze, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Havixbeck (Nordrhein-Westfalen). "Ein Nachtschreck ist kein Zeichen für eine Traumatisierung des Kindes", beruhigt sie. "Eltern müssen sich keine Vorwürfe machen, etwas im Umgang mit ihrem Kind falsch gemacht zu haben. Es wird vermutet, dass der Nachtschreck auch eine genetische Komponente hat."

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Warum sind Erwachsene selten betroffen? "Weil vermutet wird, dass der Nachtschreck etwas mit der noch nicht abgeschlossenen Gehirnentwicklung der Kinder zu tun hat", sagt Schlafmediziner Hoch. Dennoch könnten Eltern etwas gegen die Angstattacken tun: "Es ist sinnvoll, vor dem Schlafengehen eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Kinder brauchen Strukturen. Es hilft ihnen sehr, wenn sie in einem behüteten Elternhaus aufwachsen, das ihnen viel Sicherheit gibt."

"Man sollte versuchen, Stress aus dem Leben der Kinder zu nehmen", rät auch Anna Lena Tietze. "Wenn sie anfällig für einen Nachtschreck sind, können übermäßig viele oder auch unvorhergesehene, aufregende Erlebnisse ihn auslösen." Das beobachtet auch Sonja Putzer bei ihrer Tochter: "Wenn sie am Tag sehr aufgewühlt ist und viel Neues erlebt, kommt es schneller zum Nachtschreck." Sie weiß jetzt, wie sie reagieren muss.

Schlaftagebuch führen

"Die meisten Eltern möchten natürlich unbedingt helfen, sie möchten die Kinder am liebsten wach bekommen und sie beruhigen", sagt Anna Lena Tietze. "Doch das ist nicht der richtige Weg." Das Aufwecken könne das Gegenteil bewirken und das Kind verängstigen. Sinnvoller sei es, leise und beruhigend auf es einzureden, es in den Arm zu nehmen, wenn es das zulässt, und dafür zu sorgen, dass es sich nicht verletzen kann. Am folgenden Morgen solle man den Nachtschreck nicht thematisieren.

Doch was, wenn der Nachtschreck überhand nimmt? "Wenn das Kind jede Nacht mit dem Schreck zu kämpfen hat, dieser länger als 15 Minuten anhält und das Kind tagsüber unausgeglichen und müde ist, sollte man mit dem Kinderarzt Rücksprache halten", sagt Bernhard Hoch. In seltenen Fällen könne zum Beispiel eine Epilepsie dahinterstecken. Hoch rät allerdings, vorher ein Schlaftagebuch zu führen, in dem jeder Nachtschreck vermerkt wird.

Sonja Putzer kann mittlerweile gelassener mit dem Nachtschreck von Isabella umgehen. "Wir haben es jetzt schon so oft erlebt, dass wir wissen, was sie in diesem Moment braucht", sagt sie. "Isabella möchte zum Beispiel nicht angefasst werden. Auch wenn uns das schwer fällt, halten wir uns daran. Es ist einfach wichtig, da zu sein und selbst nicht in Panik zu geraten. Damit ist unserem Kind am meisten geholfen. Und morgens ist die Welt dann wieder in Ordnung." (dpa/tmn)

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