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Papierfabrik in finanzieller Schieflage

Das Hainsberger Unternehmen meldet Insolvenz beim Amtsgericht an. Der Betrieb soll aber unvermindert weitergehen.

© Andreas Weihs

Von Tobias Winzer

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Freital. Eines der größten Freitaler Unternehmen steckt in finanziellen Problemen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat die Papierfabrik Hainsberg mit Sitz an der Dresdner Straße beim Amtsgericht Dresden Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen mit 120 Mitarbeitern soll nun in einem sogenannten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung saniert werden.

Geschäftsführer Dietrich Arnhold bestätigte eine entsprechende Pressemitteilung. Er geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren in spätestens einem halben Jahr beendet wird und sein Unternehmen dann die finanziellen Probleme hinter sich gelassen hat. Der Betrieb laufe ungemindert weiter, so Arnhold.

Dass die Chancen für das Unternehmen wohl nicht ganz so schlecht stehen, lässt sich schon an der Art des Insolvenzverfahrens ablesen. Dass sich Firmen in Eigenverwaltung sanieren können, ist nur möglich, wenn trotz aktueller Zahlungsprobleme begründete Aussichten auf eine nachhaltige Besserung besteht. Die Unternehmensspitze um die beiden Geschäftsführer Dietrich Arnhold und Krystyna Saworska bleibt unverändert im Amt und ist voll handlungsfähig. Sie bekommen aber einen sogenannten Sachwalter an die Seite gestellt, der sie überwachen wird und die Gläubiger-Interessen vertritt. Ferner erhält die Papierfabrik für die Zeit des Insolvenzverfahrens einen dritten Geschäftsführer.

Wie Arnhold berichtete, hängen die finanziellen Probleme mit einer Havarie im Produktionsgebäude im Jahr 2014 zusammen. „Auf Deutsch gesagt, ist da ein Brocken von der Decke gekommen“, so Arnhold. Die Schäden mussten seinen Angaben zufolge bei laufendem Betrieb beseitigt werden. Das führte dazu, dass sich die Arbeiten in die Länge zogen und letztlich viel teurer wurden. Außerdem fielen etwa zur gleichen Zeit zwei Großaufträge für die Papierfabrik weg. Die fehlenden Einnahmen seien zwar mittlerweile durch andere Aufträge wieder kompensiert worden. „Aber damals hat das schon wehgetan“, so Arnhold. Diese Finanzierungslücke habe sich bis jetzt nicht schließen lassen.

Verhandlungen sind angelaufen

Laut dem 68-Jährigen hat die Papierfabrik Schulden bei mehreren Gläubigern. Zum einen sind immer noch Rechnungen für die Bauarbeiten nach der Havarie offen. Zum anderen konnte Arnhold andere Rechnungen nicht bezahlen, um wenigstens einen Teil der Reparaturkosten zu begleichen. „Über die Höhe der Verbindlichkeiten wollen wir öffentlich nichts sagen. Aber es ist kein kleiner Betrag – sonst wären wir den Schritt nicht gegangen.“

Mut macht dem Unternehmer, dass die Papierfabrik im laufenden Geschäft Gewinne erzielt. „Wir haben eine befriedigende Auftragslage. Alle Maschinen sind ausgelastet.“ In dem Sanierungsverfahren gehe es nun darum, sich mit den Gläubigern zu verständigen. Dabei könnten sie zum Beispiel auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten oder der Papierfabrik eine längere Frist zur Zahlung einräumen. Arbeitsplätze seien nach jetzigem Stand nicht gefährdet, so Arnhold.

Das Amtsgericht bestellte Rechtsanwalt Nils Freudenberg von der Dresdner Kanzlei Tiefenbacher zum Sachwalter. Als sogenannter Sanierungsgeschäftsführer fungiert Andreas Elsäßer von der badischen Beratungsfirma Schultze & Braun. „Die Papierfabrik Hainsberg muss und wird sich finanziell neu aufstellen“, wird Elsäßer in einer Pressemitteilung zitiert. „Wir verhandeln bereits mit mehreren Finanzierungspartnern über Alternativlösungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Gespräche in den kommenden Wochen erfolgreich abschließen.“ Das Unternehmen sei durch die Investitionen der vergangenen Jahre hervorragend aufgestellt und besetzt einen attraktiven Nischenmarkt, in dem es einen hervorragenden Ruf genießt. „Mit der finanziellen Restrukturierung wird es uns gelingen, das Unternehmen dauerhaft erfolgreich am Markt zu positionieren.“

Die traditionsreiche Papierfabrik wurde 1838 gegründet und erwirtschaftet heute mit Recyclingdruckpapieren in den vier Produktgruppen Druckpapiere, Büropapiere, Briefumschlagpapiere und Spezialverpackungspapiere einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro.