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Nicht wie die Karnickel

Papst Franziskus hat mit einer Bemerkung über Sexualität mal wieder die Lacher auf seiner Seite. Aber seine Haltung zu Familienplanung zeigt, dass die katholische Kirche in dieser Frage konservativ bleibt.

© dpa

Von Paul Kreiner, SZ-Korrespondent in Rom

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Rom. In die zur Erhabenheit neigende päpstliche Gestik hat Franziskus den Okay-Daumen eingeführt; auch sprachlich beschreitet er Wege, auf die sich keiner seiner Vorgänger gewagt hätte. Franziskus mag die hohen Lehr- und Leerformeln nicht; statt abgehoben und dogmatisch korrekt zu theologisieren, drückt er sich nicht selten offen aus.

Die einwöchige Reise nach Sri Lanka und auf die Philippinen, von der Franziskus am Montagabend zurückgekehrt war, wird wegen der neuen päpstlichen Ausdruckskunst in Erinnerung bleiben. Auf dem Rückflug gefragt, was die Kirche zum Bevölkerungswachstum auf den Philippinen sage, antwortete Franziskus: „Manche Menschen glauben – entschuldigen Sie den Ausdruck – , dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen“, sagte der Papst mit Blick auf das Verhütungsmittelverbot in der katholischen Kirche. „Nein! Es geht um verantwortungsvolle Elternschaft. Das ist das Schlüsselwort.“

Zur heiklen Frage nach Verhütungsmitteln sagte Franziskus aber nichts Direktes. „Gott gibt dir Mittel und viele, viele legitime Auswege“, dieser Satz war auf eine konkrete Katholikin gemünzt, die „sieben Kaiserschnitte hinter sich hatte und zum achten Mal schwanger“ war. Das habe er, Franziskus, eben nicht mehr für verantwortungsvolle Elternschaft gehalten und sie gefragt: „Wollen Sie etwa sieben Kinder als Waisen zurücklassen?“

Die Faust, die Karnickel und andere Papst-Perlen

„Nein, ich wollte nicht Papst werden. Ein Mensch, der Papst werden will, liebt sich nicht selbst.“ (Zum Papstamt)

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“ (Zum Thema Meinungsfreiheit und deren Grenzen)

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“ (Über eine der 15 Krankheiten der Kurie)

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“ (Über Tratsch und Lästerei)

„Wenn jemand schwul ist, und er den Herren sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen.“ (Über homosexuelle Priester)

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“ (Zu den Oberflächlichkeiten des modernen Lebens)

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“ (Zur Familienplanung von Katholiken)

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Die katholische Lehre verbietet künstliche Verhütungsmittel wie die Pille oder Kondome. Natürliche Verhütung wie zum Beispiel durch Eisprungkontrolle ist dagegen erlaubt. Viele Gläubige halten die Einstellung der katholischen Kirche zur Empfängnisverhütung für veraltet. Auf einer Familiensynode im Herbst soll das Thema Sexualität eine zentrale Rolle spielen.

Kaninchenzüchter haben Franziskus für seine „Karnickel“-Äußerung kritisiert. Man dürfe nicht allen Kaninchen pauschal erhöhtes Sexualverhalten unterstellen, sagte Erwin Leowsky, Präsident des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter. Die sexuellen Ausschweifungen träfen nur auf frei lebende Tiere zu. Die Fortpflanzung bei Zuchtkaninchen verlaufe in geordneten Bahnen. (mit dpa)

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