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Papst pilgert für den Frieden ins Heilige Land

Benedikt XVI. will sichbei seiner Reise für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten einsetzen.

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Von SZ-KorrespondentPaul Kreiner, Rom

Papst Benedikt XVI., nunmehr 82 Jahre alt, hat sich eine strapaziöse Reise vorgenommen wie sein Vorgänger Johannes Paul II. in jüngeren Tagen. Vom heutigen Freitag an wird Benedikt acht Tage unterwegs sein im „Heiligen Land“ – zuerst in Jordanien, danach in Israel und den Palästinensergebieten.

Gedenken an Holocaust-Opfer

Der Papst wird 28 Reden halten, führende Politiker treffen, vor religiösen Autoritäten des Judentums und des Islam die Notwendigkeit des Dialogs betonen, Gottesdienste feiern mit Patriarchen und anderen Führern von sechs kleinen christlichen Konfessionen; er wird katholische Krankenhäuser und Kinderheime besuchen, an der Jerusalemer Klagemauer beten, im Mahnmal von Yad Vashem der Opfer des Holocaust gedenken und schließlich auch noch vier Messen unter freiem Himmel zelebrieren.

Er komme, sagt Benedikt XVI., als „Pilger des Friedens im Namen des einen Gottes“; „die Kräfte des Dialogs und der Versöhnung“ wolle er fördern mit dem Ziel eines „dauerhaften Friedens in Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt.“

Hier wechselt das Geistliche auch schon ins Diplomatische. Für den Nahen Osten favorisiert der Vatikan seit Langem eine Zwei-Staaten-Lösung, die Israelis wie Palästinensern Gerechtigkeit widerfahren lässt, und Benedikt XVI. will demnach auch jede einseitige – oder einseitig aussehende – Parteinahme für die Konfliktparteien vermeiden. So trifft er den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nicht in dessen Amtssitz. Vielmehr reist Netanjahu zum Papst „aufs Land“, nach Nazareth.

Den Palästinensern wiederum bleibt die Genugtuung versagt, den Papst-Besuch zur weltweiten Anklage gegen Israel nutzen zu können: Zum Besuch im Flüchtlingslager von Bethlehem sollte Benedikt XVI. ursprünglich vor der tristen Kulisse der israelischen Grenzmauer empfangen werden; nun hat man die Begrüßungsfeier ins Innere einer Schule verlegt.

Bei seiner zwölften Auslandsreise folgt Benedikt XVI. peinlich genau den Spuren seines Vorgängers, der das „Heilige Land“ im März 2000 bereist hat. Benedikt kommt allerdings in eine unübersichtliche politische Gemengelage, die Johannes Paul II. so nicht vorgefunden hatte: Im Vatikan weist man darauf hin, dass der jüngste Krieg im Gaza-Streifen erst vier Monate zurückliegt – und am Jahresanfang, bei ungewissem Ausgang, beinahe zur Verschiebung des Papstbesuchs geführt hätte. Ferner habe Israel eine neue Regierung; drittens seien die politischen Entwicklungen auch deshalb im Fluss, weil der gleichfalls neue US-Präsident Barack Obama die amerikanische Nahost-Politik umbaue.

Die Verstimmungen zwischen Israel und dem Vatikan sind ausgeräumt. So versichert es Kurienkardinal Walter Kasper ebenso wie Mordechai Lewy, der israelische Botschafter beim Vatikan. Demnach machen die umstrittene Karfreitagsfürbitte für eine Bekehrung der Juden und die Affäre um den Traditionalistenbischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson keine Probleme mehr.

Wie weit hingegen die Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel über die handfesten politischen Fragen vorangeschritten sind, lässt sich aufgrund der spärlichen Mitteilungen beider Seiten nicht klar beantworten. Der Vatikan will praktische Lebenserleichterungen für die Christen im „Heiligen Land“, die in Israel und den Palästinensergebieten knapp zwei Prozent der Einwohner stellen, arabischer Abstammung sind und deswegen zwischen allen Stühlen sitzen. Viele wandern aus, was die zwei Jahrtausende alten christlichen Gemeinden des Nahen Ostens in ihrem Bestand bedroht.

Erleichterungen für Christen

Der Vatikan verlangt nun – neben „Zukunftsperspektiven“ für diese Christen – auch praktische Reiseerleichterungen für Geistliche, die in den Palästinensergebieten arbeiten, aber dem in Jerusalem ansässigen Patriarchen unterstellt sind.

Die fortwährenden Restriktionen bei der Visa-Erteilung zählt auch Kardinal Kasper zu den größten praktischen Problemen im vatikanisch-israelischen Dialog. Abzuwarten ist demnach auch, ob die von Israel zugestandenen gut 100 Christen aus dem Gazastreifen tatsächlich zur Papstmesse nach Bethlehem reisen können oder ob sie nicht, in letzter Minute, Opfer von „bürokratischen“ oder „Sicherheitsproblemen“ werden.