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Papstdiener muss auf die Anklagebank

Der Skandal um brisante Dokumente aus dem Kirchenstaat ist größer als angenommen. Es gibt einen weiteren Verdächtigen.

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Von Daniel Rademacher, Rom

Die Geschichte hat alles, was ein Krimi braucht: Ein päpstlicher Kammerdiener wird verhaftet, weil er brisante Dokumente über Intrigen im Vatikan entwendet haben soll. In den Medien ist anschließend von dem Finanzgebaren der Vatikanbank zu lesen. Doch „Vatileaks“ ist kein Thriller, sondern Gegenstand einer Gerichtsverhandlung – vermutlich im Herbst.

Paolo Gabriele (46), dem unter Hausarrest stehenden Ex-Diener Benedikts, wird vorgeworfen, vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Schreibtisch entwendet zu haben, von denen einige in die Medien gelangten. Darunter waren Unterlagen zu einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst und zu umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR. Gestern wurde bekannt, dass ein weiterer Vatikan-Mitarbeiter, ein 48-jähriger Informatiker aus dem Staatssekretariat des Kirchenstaats, angeklagt wird.

Scheck für den Papst

Bei Paolo Gabriele waren nicht nur vertrauliche Papiere gefunden worden, sondern auch Geschenke, die für den Papst bestimmt waren, darunter ein Scheck über 100000 Euro, ein Goldstück und ein wertvolles Buch. Gabriele wurde im Laufe der Ermittlungen auch psychiatrisch untersucht. Dennoch geht der Richter von einer Schuldfähigkeit aus und erhob Anklage. Gabrieles Anwalt versicherte, dass sein Mandant nichts von dem Scheck gewusst und niemals vorgehabt habe, ihn einzulösen.

Ob Haftstrafe oder Freispruch: Wie auch immer das Urteil ausfällt, Papst Benedikt XVI. hat das letzte Wort. Denn kraft seines Amtes kann er den Mann begnadigen. Beim Papst hat sich der Kammerdiener bereits entschuldigt. (dpa)