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Paradies an den Faultürmen

Ein Kiessee wurde an der Flutrinne gebaut. Jetzt muss er nur noch fuchssicher werden.

© André Wirsig

Von Kathrin Kupka-Hahn

Lautes Geschnatter erfüllt den Morgen an der Flutrinne in Kaditz. Dafür sorgen unzählige Enten, die seit einigen Wochen am neuen Kiessee unweit der Faultürme leben. Einige von ihnen brüten bereits, andere paddeln munter durchs kühle Nass oder genießen ein Bad in der Sonne.

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Der künstliche See ist Mittelpunkt des neuen Feuchtbiotopes, das auf dem Gelände der Stadtentwässerung zwischen Flutrinne und Autobahnbrücke angelegt wurde. Noch ist er gut zu sehen. Aber schon bald werden die zahlreich gepflanzten Sträucher, Hecken und Bäume das Gewässer verdecken. Gut für die Vögel, die in den verschiedenen Bereichen des Feuchtbiotopes ideale Lebensbedingungen vorfinden – außer auf der Insel in dem See. Denn die ist über eine Landzunge mit dem Kiesstrand verbunden – ein idealer Zugang für Füchse. „Den werden wir demnächst kappen“, sagt Ralf Strothteicher, der technische Leiter und Prokurist der Stadtentwässerung. Mitarbeiter der Wildvogelstation haben ihm den Tipp gegeben.

Aber nicht nur Enten haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten am idyllischen Kiessee in Kaditz niedergelassen, sondern auch Möwen, zahlreiche heimische Vögel, wie Neuntöter, Feldlerchen oder Stieglitze und zwei Schwäne. „Es sind zwei Männchen, aber da sind wir tolerant“, so Strothteicher mit einem Augenzwinkern. Wie viel das Unternehmen in den Bau des Feuchtgebietes gesteckt hat, wollte er nicht verraten. Nur so viel: „Die Kosten liegen im siebenstelligen Bereich.“

Das Biotop ist Teil einer 13 Hektar umfassenden Ausgleichsmaßnahme, die Umweltamt und Landesdirektion für den Bau der neuen Entwässerungsanlage mit den Faultürmen auferlegt hatten. Wie wichtig die Belange der Natur sind, haben Strothteicher und seine Kollegen am riesigen Erdwall neben dem Biotop erleben können. Uferschwalben haben diesen im vergangenen Jahr bezogen, die es zuvor an der Elbe nicht gegeben hat. „Mitarbeiter schlagen jetzt einmal im Jahr die Wallkante mit Spaten ab, damit die Vögel ideale Brutbedingungen wie an einer Steilküste haben.“

Öffentlich zugänglich sind weder das Feuchtgebiet noch die Uferschwalbenwand. „Denn beide liegen auf unserem Betriebsgelände“, so Strothteicher. Deshalb wurde in den vergangenen Monaten auch ein Zaun gebaut. Für den Hochwasserfachmann ein besonderer. „Dieser kann bei einem drohenden Hochwasser sofort abgebaut werden“, erklärt er. So wird verhindert, dass sich Treibgut sammelt und den Zaun beschädigt. Damit der Abbau im Falle eines Falles recht zügig vonstatten geht, baut die Stadtentwässerung jetzt entlang des Zaunes einen rund einen Meter breiten Schotterweg. „Schließlich kommen unsere Betriebsfahrzeuge nicht anders heran“, sagt er. Gleichzeitig verweist Strothteicher darauf, dass dieser neue Weg kein Ersatzradweg sei. So manchen Radfahrer wird das enttäuschen.

Bis 2012 war das Gelände zwischen Autobahnbrücke und Flutrinne an einen Landwirt verpachtet. Den Feldweg, der darüber führte, nutzten die Kaditzer, um nach Übigau zu gelangen und umgekehrt. Auch viele Radtouristen sind ihn gefahren, da er sogar im Stadtplan eingezeichnet war. Mit Beginn der Bauarbeiten für die Ausgleichsmaßnahmen wurde der Weg jedoch gekappt. Zahlreiche Proteste folgten.

Radfahrer müssen seitdem einen Wiesenweg durch die Flutrinne oder den Umweg über den Elbepark nutzen. Das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Denn bis der Elberadweg bis nach Kaditz ausgebaut ist, werden wohl noch Jahre vergehen.