merken

Paralympicssiegerin setzt andere Prioritäten

Im Vorjahr machte die verpennte WM-Anmeldung von Christiane Reppe bundesweit Schlagzeilen. Jetzt ist die 31-Jährige eingetragen, aber nicht so gut in Form.

© Sven Ellger

Von Alexander Hiller

Die Frage nimmt sie gelassen hin. „Ja, ich hatte Glück“, antwortet Christiane Reppe, als sie danach gefragt wird, ob sie der Deutsche Behindertensportverband (DBS) diesmal für die Weltmeisterschaft angemeldet habe. Im Vorjahr hatte die Dachorganisation es durch einen individuellen Fehler einer Mitarbeiterin versäumt, die frisch gebackene Paralympicssiegerin mit dem Handbike fristgerecht für die Rad-Weltmeisterschaft anzumelden. Der skurrile Fall sorgte damals deutschlandweit für Aufsehen. Dank öffentlichen Drucks und dem Fehlereingeständnis des DBS konnte Reppe dann doch noch starten und wurde Doppel-Weltmeisterin – im Straßenrennen sowie im Zeitfahren.

Anzeige
Sport im Dunkeln? Das geht!
Sport im Dunkeln? Das geht!

Für leidenschaftliche Sportler gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter und auch nicht zu wenig Licht, nur falsche Kleidung.

In diesem Jahr also ist knapp zwei Wochen vor der WM alles gut. Das hat Christiane Reppe sogar schriftlich. „Ich stehe auf der Meldeliste“, bestätigt sie lachend. Nur die persönliche Form der 31-Jährigen ist vielleicht nicht ganz so herausragend wie zuletzt. „Ich bin beim ersten Weltcup zweimal Zweite geworden, den letzten habe ich aus dem vollen Training bestritten.“ Die Dresdnerin reist ohne großen Sieg zur Rad-WM an. Auch, weil sie in diesem Jahr andere Prioritäten setzt.

„In den letzten beiden Jahren waren mir die Ergebnisse sehr wichtig. Jetzt steht mein Studium im Vordergrund“, bestätigt sie. Nach der WM hat sie noch zwei Prüfungen und wolle ihre Bachelorarbeit im Studienfach Wirtschaftspsychologie einreichen, grob formuliertes Motto: „Stress im Leistungssport und der Einstieg in die Berufswelt.“ Neben ihrem Studium hat Reppe, die weiterhin in Dresden lebt, aber für den niedersächsischen Verein GC Nendorf startet, eine Ausbildung zur Mentaltrainerin begonnen. Die Motivation dafür liegt in ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit dem renommierten Mentalcoach Winfried Schröter. „Ich arbeite etwa seit 2011 mit ihm“, sagt Reppe.

Und der Mental-Profi hat sich eine Gruppe von zehn Leuten selbst ausgewählt, die er in drei Seminar-Wochenenden zu Mentaltrainerin ausbildet. Zwei davon haben die erfolgreiche Handbikerin und ihre Mitstreiter bereits hinter sich gebracht. Hauptsächlich geht es dabei um die Problemverarbeitung mittels Hypnose. „Mit den Show-Hypnosen im Fernsehen hat das aber absolut nichts zu tun. Hypnose ist der Zustand zwischen Tiefschlaf und Wachsein. Nur im Unterbewusstsein lassen sich Probleme wirklich anpacken“, glaubt die Mental-Novizin. Zum Abschluss der Ausbildung wird ein von Schröter ein Zertifiktat ausgestellt. „Er will die Leute selbst ausbilden, damit wir sein Wissen weitertragen“, erklärt die Athletin. Die Teilnahme an dem Seminar konnte sie über einen Sponsor finanzieren.

Was Reppe danach mit dieser Weiterbildung anfangen will, ist ihr noch nicht ganz klar. Aber es erweitert die beruflichen Möglichkeiten nach dem Ende ihrer Karriere. Bis Tokio 2020 will die ehemalige Schwimmerin jedoch auf jeden Fall weitermachen. Es wären ihre fünften Paralympischen Spiele. „Schauen wir mal, was ich mit der Ausbildung zur Mentaltrainerin mache. Vielleicht kann ich in dieser Hinsicht künftig mit Sportlern arbeiten“, lässt sie offen.

Denn zuvor will sie sich natürlich auf die Rad-Weltmeisterschaft im italienischen Maniago vom 2. bis 5. August bestmöglichst vorbereiten – als zweifache Titelverteidigerin. „Ich denke, dieses Jahr wird das Regenfarben-Trikot an jemand anders gehen. Aber das wäre für mich okay. Man muss ja auch mal weiterdenken“, sagt sie. Über die Sportkarriere hinaus.