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Party-Gast greift Polizisten an

Nach einer Prügelei am Jugendklub Kesselsdorf rücken Beamte an. Die Situation eskaliert. Für das Gericht ein klarer Fall.

© Frank Baldauf

Von Stephan Klingbeil

Kesselsdorf. Es gab Streit und Schläge. Ein 22-jähriger Braunsdorfer stürmte aus dem Jugendklub in Kesselsdorf. Ein Bekannter feierte dort im vergangenen Herbst Geburtstag. Der junge Mann war sehr aufgebracht, offenbar suchte er eine Flasche Wodka, die verschwunden war. Zielgerichtet steuerte er in der Partynacht einen anderen Gast an – und schlug zu.

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Als die Polizei kurz darauf gegen 1.45 Uhr mit zwei Streifenwagen eintraf, setzte sich der Wüterich massiv gegen die Beamten zur Wehr. Was dabei geschah, beschäftigte am Mittwoch das Amtsgericht in Dippoldiswalde. Dort musste sich der Maler und Lackierer wegen Beleidigung und Widerstands gegen Vollzugsbeamte verantworten. Es ist ein Fall von Gewalt gegen Polizisten, wie er im Landkreis nicht oft vorkommt.

Die vier Beamten, zwei Männer und zwei Frauen, stellten den 22-Jährigen zunächst zur Rede. Das mutmaßliche Opfer, das den Streit zuvor am Jugendklub wohl nur schlichten wollte, hatte eine Platzwunde im Gesicht, aber nur wenig Interesse an einer Anzeige. Der Angeklagte selbst hatte Blut auf seiner Jeans. Die Polizisten wollten daher seine Personalien aufnehmen. Dann wurde der Braunsdorfer richtig wütend. Laut Anklage weigerte er sich, seinen Ausweis zu zeigen. „Es ist nichts passiert, verpisst euch“ soll er den Beamten zugeschrien haben. Es folgten Beleidigungen, die der Mann sogar – mit einem Grinsen im Gesicht – einräumt. Mehrmals soll er „Scheißbulle“ gebrüllt haben.

Gegen Maschendrahtzaun gedrückt

Außerdem sei der 22-Jährige handgreiflich geworden. Einen der Beamten, die nach seinem Ausweis fragten, soll er erst geschubst und dann mit voller Wucht an einen Maschendrahtzaun gedrängt haben. Das bestreitet der Angeklagte vehement. „Nein, es war genau andersherum“, sagt er.

„Der hat mich gepackt, ich habe dann meine linke Hand in Richtung seines Gesichts bewegt, versucht mich aus der Umklammerung zu lösen“, erklärt hingegen der 25-jährige Polizist vor Gericht. Dann halfen die Kollegen. „Er wollte sich nicht von meinem Kollegen festnehmen lassen“, so der zweite Polizist, der den Vorfall verfolgte. „Daher habe ich das übernommen, quasi als deeskalierende Maßnahme.“ Er habe dem kräftig gebauten Braunsdorfer eine Handfessel anlegen wollen, als dieser sich plötzlich erneut gewehrt und seinen noch nicht gefesselten anderen Arm in die Luft gereckt habe. Der Braunsdorfer soll ihn anschließend von sich weg gestoßen und anschließend verhöhnt haben: „Was willst du jetzt tun, Bulle?“

Die anderen Einsatzkräfte eilten zur Hilfe. Eine der Polizistinnen stellte dem Angeklagten ein Bein, der Mann wurde zu Boden gerissen und mit zwei Stahlhandschellen fixiert. Bei der Aktion verlor der Beschuldigte einen Ohrring – und seinen Ausweis. Die Uniformen der Beamten waren voller Dreck. Auch ging bei der Rangelei die Armbanduhr eines der Polizisten kaputt.

„Das war ein Kampf – so hat es sich danach angefühlt“, erinnert sich einer der beteiligten Polizisten vor Gericht. Der Angeklagte sei enthemmt gewesen. Ja, der junge Mann sei alkoholisiert gewesen. Vier Bier und drei kleine Fläschchen Schnaps will er nach eigener Aussage damals getrunken haben, innerhalb von kaum zwei Stunden. „Allerdings konnte er locker sein Gleichgewicht halten“, so einer der Polizisten.

Ein Kumpel des Angeklagten bekräftigte vor Gericht, dass der Braunsdorfer stark alkoholisiert wirkte. Jedoch hatte der Mohorner selbst reichlich Alkohol getrunken.

Einem Test zufolge hatte der Angeklagte „nur“ 1,3 Promille Alkohol im Blut. Auch die Richterin war verwundert. Spielten Drogen ein Rolle? „Nein, Drogen nehme ich nicht mehr, nur ab und zu Alkohol, unter der Woche täglich ein, zwei Feierabendbiere“, sagt der Braunsdorfer. Ein Drogentest auf der Wache sei negativ gewesen.

Einer der Polizisten sagt: „Der Angeklagte war nicht nur respektlos, sondern sehr aggressiv. Es schien so, als hätte er eine tiefe Abneigung gegen uns.“ Warum der Braunsdorfer damals austickte, kann sich der Beamte nicht erklären. Zumal der Beschuldigte später in der Nacht am Polizeistandort Freital weiter randaliert haben soll. Mit Händen und Füßen habe er sich gewehrt, wollte nicht in die Zelle.

Vorwürfe gegen Polizisten

Schließlich brauchte es laut Zeugen vier bis fünf Polizisten, um den Braunsdorfer in die Zelle zu verfrachten. Bei dem Gerangel soll der aber Schläge abbekommen haben. „Zwei blauen Flecken hatte ich im Gesicht“, sagt der junge Mann. Andere Beamte konnten dies am Mittwoch nicht bestätigten. Ermittlungen in dieser Sache wurden bereits eingestellt, hieß es vor Gericht.

Das Verfahren gegen den vorbestraften Braunsdorfer, der sich spät und nur wegen der Beleidigungen entschuldigte, wurde jedoch nicht eingestellt. Denn das Gericht hält ihn für schuldig. Der Angeklagte, der wegen vorsätzlicher Körperverletzung voriges Jahr in Pirna zu einer Zahlung von 400 Euro verurteilt wurde, erhielt auch diesmal eine Geldstrafe. Diese fiel aber nun weit höher aus. 4 200 Euro (120 Tagessätze à 35 Euro) soll er jetzt zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate Haft auf Bewährung und eine Geldauflage von 2 000 Euro gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig.