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Passagiere schwärmen vom Flughafen

Auf der Beliebtheitsskala liegt der Airport der Landeshauptstadt auf dem zweiten Platz – weil es hier so beschaulich und übersichtlich ist.

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© Roland Halkasch

Von Michael Rothe

Dresden. Was wurde über Dresdens Flughafen nicht schon geschimpft und gespottet. Die dort 2017 gezählten gut 1,7 Millionen Passagiere sind nur wenig mehr als vor 20 Jahren und nicht mal die Hälfte der Kapazität, für die das Terminal ausgelegt ist. Doch gerade die Beschaulichkeit beschert dem Airport in einem repräsentativen Ranking den deutschen Vizemeistertitel. Nur der Flughafen Nürnberg ist noch beliebter.

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Die Berliner Webbosaurus GmbH, ein Spezialist für Social Media Monitoring, hat über 390 000 Internet-Bewertungen analysiert, die auf Facebook und Google für Landeplätze mit mehr als einer Million Passagieren veröffentlicht wurden. „In Dresden loben die Passagiere vor allem die Übersichtlichkeit des Regionalflughafens und das freundliche Personal“, sagt Webbosaurus-Chef Jan Bartels zur SZ.

Auch beim Gewinner Nürnberg, mit fast 4,2 Millionen Passagieren alles andere als beschaulich, schätzen Reisende die Übersichtlichkeit, kurze Wege, schnellen Check-in, gute und bezahlbare Gastronomie und Parkplätze. Der dortige Geschäftsführer Michael Hupe war zuvor bis 2013 zehn Jahre lang Flughafenchef in Dresden.

Hinter dem fränkisch-sächsischen Duo mit Ratings von 4,3 beziehungsweise 4,1 von 5 möglichen Sternen rangiert Hannover auf Platz 3. Leipzig-Halle ist Neunter unter 18 Airports. Die mit Abstand schlechteste Note bekommt Berlin-Schönefeld (2,6). Bemängelt werden dort fehlende Raucherinseln, überzogene Gastronomiepreise, mangelnde Sauberkeit und Übersichtlichkeit, endlose Schlangen, „und immer wieder können Nervenzusammenbrüche beobachtet werden“, heißt es. Einzig positiv: die Verkehrsanbindung.

Auch im europäischen Vergleich muss sich Dresden-Klotzsche nicht verstecken. In dem nach gleichen Kriterien erhobenen Rating für 36 Flughäfen mit über zehn Millionen Reisenden im Jahr erhalten nur Athen (4,4), Zürich und Amsterdam sowie Dublin und Helsinki bessere Noten. Schlusslicht in der Auswertung weiterer 320 000 Meldungen ist London-Luton (2,5). Auch die Flughäfen Gatwick, Stansted und Heathrow der britischen Hauptstadt kommen nicht gut an.

Für Dresden wurden insgesamt 634 Urteile ausgewertet, für Nürnberg doppelt so viele. Über Schönefeld schimpften gut 3 800 Nutzer. Der Flughafenverband ADV nennt die Erhebung „weder seriös noch repräsentativ“. Die Identitäten der Teilnehmer seien nicht überprüfbar und Mehrfachabstimmungen möglich. Die Interessenvertretung von rund 40 Flughäfen verweist auf die eigene Fluggastbefragung, bei der 2017 rund 160 000 Interviews geführt wurden. Ergebnisse gebe es erst im Sommer, so eine Sprecherin auf SZ-Anfrage – ohne Beliebtheitsranking der Mitglieder.