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Patienten rudern gegen ihre Krankheit

Bei der Benefiz-Regatta freuen sich die Veranstalter über einen Teilnehmer-Rekord. Erstmals starten geheilte Krebspatienten.

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Von Lars Kühl

Die Jungs sitzen in einem ganz besonderen Boot. Peter Strübing, Thomas Rogner und Utz Böhme sind alle über 20 und mussten in ihrem bisherigen Leben schon sehr hart kämpfen. Dagegen sind die 300 Meter auf der Elbe bei der 5. Benefiz-Regatta am Sonnabend ein Klacks. Als Kinder erkrankten die drei an Krebs. In der Uniklinik bekämpften sie ihn. Seitdem kennen sie sich aus der Jugendgruppe vom Sonnenstrahl e.V. Den Verein gibt es mittlerweile seit 25 Jahren. Er unterstützt krebskranke Kinder, Jugendliche und ihre Angehörigen.

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Als vor Kurzem gefragt wurde, wer bei der Benefiz-Regatta ein Patientenboot stellen will, waren Strübing, Rogner und Böhme sofort dabei. In den vergangenen drei Wochen wagten sie sich zum Training auf das ungewohnte Terrain Wasser. „Das ist für uns eine völlig neue Sportart“, sagt Strübing. Anfangs waren sie noch komplett. Doch ihr vierter Mann erlitt in dieser Woche einen Arbeitsunfall.

Deshalb springt am Sonnabend Stefan Thiemer vom Pirnaer Ruderverein ein. Fast eine Stunde vor ihrem Vorlauf rudern die vier mit ihrer Steuerfrau Sarah elbaufwärts zum Start kurz oberhalb des Sportzentrums Blasewitz. Dort tummeln sich den ganzen Tag über die Teilnehmer und ermitteln in ihren Klassen die Sieger. Wer gewinnt, steht allerdings nicht im Vordergrund. Wichtiger ist, dass durch das Engagement der Stiftung „Leben mit Krebs“, des Uniklinikums, der Dresden International University sowie der Elbe-Rudervereine möglichst wieder eine große Summe für die Krebshilfe zusammenkommt, erklärt Pressesprecher Felix Koopmann. Bei einer Rekord-Teilnehmerzahl von über 80 Teams rechnet er mindestens mit der Summe von 25 000 Euro wie im vergangenen Jahr. Eine genaue Zahl stehe aber erst in rund vier Wochen fest.

Am markierten Startpunkt hat das Patientenboot inzwischen seine Position eingenommen. Mit drei anderen Teams messen sich Strübing, Rogner, Böhme und Thiemer im Männer-Vorlauf. Das Signal ertönt. Auf den 300 Metern heißt es: alles raushauen. Vor allem aber muss die Abstimmung gut sein – die Ruderblätter sollten möglichst im Takt die Elbe durchpflügen. Das klappt, nach wenigen Minuten Kraftakt ertönt das Zieleinlauf-Signal. „Das war anstrengend“, sagt Strübing. – „Aber wir sind nicht ins Wasser geflogen“, freut sich Rogner. „Und wir haben nicht den letzten Platz gemacht“, ergänzt Böhme.

Als Gewinner fühlen sie sich nach ihrem Sieg über den Krebs sowieso. Auch wenn die Nachwirkungen bis ins Erwachsenenalter anhalten. „Die Verarbeitung dauert ein ganzes Leben lang“, sagt Strübing. Deshalb ist er froh, dass er im Verein Sonnenstrahl Unterstützung findet. „Das ist wie eine riesengroße Familie. Du kannst dich dort über alles unterhalten, vor allem mit Gleichgesinnten.“ Aktionen wie die Benefiz-Regatta sind nur ein Teil des Vereinslebens. Auch sonst treiben sie viel Sport, gehen zum Beispiel mal klettern.

Ein Patientenboot startete erstmals beim Ruderwettbewerb. Es hat sich sogar ein zweites auf Privatinitiative zusammengefunden. Ansonsten kamen die Hobbysportler zum Großteil aus Dresden, aber auch von außerhalb, beispielsweise Berlin. Verlierer gab es keine am Tagesende.