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Patienten sollen Gebühr für Notdienst zahlen

Weil angeblich viele Patienten unnötig die Notfallambulanzen aufsuchen, fordert der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen erneut eine Praxisgebühr.

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© dpa

Dresden. Kopfschmerzen, Hexenschuss, Übelkeit – wenn es Patienten nachts oder am Wochenende nicht gutgeht, wird schnell auch mal der Arzt gerufen oder gleich das nächste Krankenhaus aufgesucht. „Das ist in den meisten Fällen aber gar nicht nötig“, sagt Dr. Klaus Heckemann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen.

Sein Vorschlag: „Für jeden Besuch des Bereitschaftsdienstes sollten Patienten eine Gebühr von zehn Euro zahlen, in der Notfallambulanz 20 Euro“, sagte er vor Journalisten. „Damit kann man die Leute ein bisschen vergrämen.“ Im Gegenzug könnte die Zuzahlung bei Medikamenten verringert werden, sodass Patienten unterm Strich sogar entlastet würden.

Die Idee ist nicht neu. Als 2004 in Deutschland die Praxisgebühr eingeführt wurde, galt dies auch für die Inanspruchnahme von Bereitschaftsdiensten. Binnen eines Jahres sank die Zahl der Einsätze um rund 177 000. „Plötzlich war vieles nicht mehr so dringend“, interpretiert der Arzt den Rückgang.

Vergangenes Jahr zählte die KVS in Sachsen 688 000 Einsätze außerhalb der Sprechzeiten, dieses Jahr werden es voraussichtlich 20 000 mehr sein. Mehr als die Hälfte dieser Patienten werden in den Notfallambulanzen der Kliniken behandelt.

Die Politik will die ambulante Notfallversorgung ändern. Sogenannte Portalpraxen an den Kliniken sollen künftig als erste Anlaufstelle für Notfallpatienten dienen. Die meisten KV in Ostdeutschland lehnen die Pläne als „medizinischen und wirtschaftlichen Unsinn“ ab. (rnw/sk)