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Pegida marschiert an der Grenze

Die asylfeindliche Bewegung hat über 1 000 Demonstranten in Sebnitz mobilisiert. Kirche und Linke hielten dagegen – mit sachlichen Diskussionen.

© Steffen Unger

Von Katarina Gust

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Sebnitz. Unaufhörlich strömen sie ans Waldstadion: Mit Deutschlandfahnen und Anti-Merkel-Plakaten. Mehr als 1.000 Menschen sind gestern dem Aufruf der asylfeindlichen Pegida-Bewegung gefolgt und haben in Sebnitz gegen die Asylpolitik demonstriert. Unter dem Titel „Wir helfen beim Grenzbau“ sind die Anhänger durch die Stadt marschiert. Die ursprünglich angesagte Menschenkette am Grenzübergang wurde nicht verwirklicht.

Die Band die „Grenzgänger“ spielte bei einem Bürgerfest neben der Kirche.
Die Band die „Grenzgänger“ spielte bei einem Bürgerfest neben der Kirche. © Steffen Unger
Pfarrer Michael Schleinitz öffnete die Kirche für Besinnung und Gebete.
Pfarrer Michael Schleinitz öffnete die Kirche für Besinnung und Gebete. © Steffen Unger

Angeführt wurde die Aktion von Michael Viehmann, Chef des Pegida-Ablegers in Kassel. Er heizte der Masse zuvor bei einer Kundgebung ein.

Viehmann, der sich aktuell wegen des Verdachts der Volksverhetzung verantworten muss, stimmte immer wieder „Merkel muss weg“ und „Volksverräter“-Stimmchöre an. Mit Äußerungen wie „Flüchtlinge vergewaltigen, treten Türen ein und nehmen sich, was sie wollen“ wurden gezielt Ängste vor einer vermeintlichen Asylflut geschürt. Hasstiraden gegen Flüchtlinge ließ auch Edwin Utrecht, unter Pegida-Anhängern als „Ed der Holländer“ bekannt, los. Der Niederländer glaube nicht an traumatisierte Flüchtlinge, rief er der Masse entgegen und erntete Applaus. Nur Träumer würden daran glauben, proklamierte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte er eine Heuchlerin. Daraufhin entbrannten sofort „Volksverräter“-Sprechchöre. Utrecht betonte mehrfach, dass er sich seine Meinung nicht verbieten lasse. „Niemand verbietet mir das Maul“, grölte er und traf damit wohl die Sprache vieler Demonstranten.

Es blieb friedlich

Unter den mehr als 1.000 Teilnehmern waren Sebnitzer, der Großteil reiste jedoch aus dem gesamten Bundesgebiet an. Das verrieten die unterschiedlichen Nummernschilder der Autos, die Sebnitz am Sonntag zuparkten. Aus Leipzig, Meißen, Paderborn, dem Havelland und vor allem Dresden kam die große Masse. Darunter viele junge Männer, aber auch Familien mit Kinderwagen und Hund, die die Demo teilweise für ein sonntägliches Picknick mit Kaffee und Kuchen nutzen, gehörte zum Bild der Veranstaltung. Alkohol war auf dem Gelände am Waldstadion offiziell verboten. Nicht jedoch auf dem Weg zur Versammlung. In den Papierkörben am Straßenrand stapelten sich die Bierflaschen.

Laut Angaben der Polizei, die die Demonstration absicherte, blieb die Veranstaltung bis zum Abend friedlich. Eine offizielle Teilnehmerzahl nannte sie nicht.

Bürgerfest als Gegendemo

Als Reaktion auf die Pegida-Kundgebung veranstaltete die Partei „Die Linke“ neben der Sebnitzer Kirche ein Bürgerfest. „Dass Pegida Ängste schürt und sich dafür feiern lässt, ist nicht in Ordnung“, sagte Linke-Stadtrat Rainer Böhme, der den Nachmittag nutzte, um mit Besuchern über die aktuelle politische Situation zu sprechen. Auch Pfarrer Michael Schleinitz wollte der Pegida-Demo etwas entgegen setzen. Die Sebnitzer Kirchgemeinde lud deshalb am Abend zu einem Friedensgebet in die Peter-Paul-Kirche. Schleinitz öffnete bereits am Nachmittag die Kirche, um Menschen zu Besinnung und Gebet einzuladen. Viele folgten dem Aufruf.

Die Gespräche drehten sich dabei meist um ein Thema: Wie Deutschland mit der Flüchtlingssituation umgehen soll. „Darauf wird es verschiedene Antworten geben“, sagte Schleinitz. Auch er habe nicht auf alle Fragen immer eine Antwort. Doch darum gehe es nicht. „Sondern um eine sachliche Diskussion, die wir anschieben sollen“, erklärte er. Die Forderung von Pegida, die Grenzen wieder dichtzumachen, hält er für den falschen Weg. „Offene Grenzen sind eine Errungenschaft der letzten Jahre“, meinte der Pfarrer. Überhaupt sei Offenheit wichtig – gerade im Miteinander.